Ludwigshafen
Ganz großes Theater: Das Pfalzbau-Programm in der Spielzeit 2024/2025
Auch schon wieder neun Jahre ist der erste Auftritt von Lars Eidinger auf der Bühne des Theaters im Pfalzbau nun her. Aber wer ihn damals in der „Tartuffe“-Titelrolle gesehen hat, wird sich noch bestens erinnern. Nun kehrt der Schauspieler zurück – diesmal allerdings nicht mit einer Produktion seines Hauses, der Berliner Schaubühne, sondern mit einem Soloabend: Am Sonntag, 24. November, ist er zu Gast mit einer musikalischen Lesung aus Bertolt Brechts „Hauspostille“.
Ein Beispiel, das zeigt: Auch in den kleinen Formaten und Nebenreihen hat Tilman Gersch, Intendant des Theater im Pfalzbau, aus dem Vollen geschöpft. Prominente Namen und hochkarätige Produktionen ziehen sich durch das ganze Programm. Lücken sind im Spielplan kaum zu finden. Der Rückzug des Mannheimer Nationaltheaters – das während der Sanierung des eigenen Hauses eigentlich viel länger in Ludwigshafen hatte bleiben wollen – im Winter sei zu einem Zeitpunkt gekommen, an dem noch vieles für den Spielplan 2024/2025 möglich gewesen sei, sagte Gersch am Rande einer Pressekonferenz zur Vorstellung des Programms der RHEINPFALZ.
Erinnerung an einen großen Theatermann
So wird nun die Mannheimer Opernsparte vom 19. September bis zum 6. Oktober ein letztes Mal in Ludwigshafen zu Gast sein: mit
Bis Juli 2025 werden nun große Schauspiel-Produktionen der wichtigsten deutschsprachigen Bühnen in Ludwigshafen zu erleben sein – manche auch tatsächlich erst gegen Ende der Spielzeit in einem Jahr. So steht am 13. und 14. Juni 2025 die großartige Lina Beckmann in Karin Beiers „Laios“-Inszenierung vom Deutschen Schauspielhaus Hamburg auf der Bühne. Es war ebenso zum Berliner Theatertreffen eingeladen wie (im Vorjahr) „Ein Sommernachtstraum“ in der Inszenierung von Antú Romero Nunes, die am 10. und 11. April in Ludwigshafen zu erleben sein wird. Und schon am 21. und 22. Februar gastiert das Residenztheater München mit Elsa-Sophie Jachs Inszenierung von Kleists „Das Käthchen von Heilbronn“. Das „Resi“ ist schon am 29. und 30. November mit der bildgewaltigen Inszenierung des Musiktheaterstücks „Andersens Erzählungen“ von Jherek Bischoff, Jan Dvořák und Philipp Stölzl zu Gast. Am 13./14. Dezember kommt das Burgtheater Wien mit dem Schwank „Der Raub der Sabinerinnen“. Das Gastspiel des Thalia Theaters Hamburg mit Kirill Serebrennikovs Anton-Tschechow-Adaption „Der schwarze Mönch“ war schon in der zu Ende gehenden Spielzeit geplant gewesen und musste verschoben werden. Es soll am 15. und 16. November nachgeholt werden.
Hochkarätiges Tanzprogramm
Neben diesen großen Produktionen sind unzählig kleinere Stücke zu sehen. Kinder und Jugendliche spricht das Programm ebenso an wie Freunde leichterer Kost, Komödien und Musiktheater. Neben dem Schauspiel bilden Tanz und Ballett einen Schwerpunkt des Ludwigshafener Theaterprogramms, das die für Kultur zuständige Bürgermeisterin Cornelia Reifenberg (CDU) „einzigartig“ nannte. Dass dem Ludwigshafener Publikum Einblicke in die nationale und die internationale Theaterszene gewährt werden, bezeichnete sie als „Alleinstellungsmerkmal“.
Auch im Tanzprogramm gastieren große Namen mit hochkarätigen Programmen: Das Ballet du Grand Théâtre de Genève zeigt zum Auftakt der Festspiele am 18. und 19. Oktober das Stück „Ukiyo-e“. Ebenfalls aus der Schweiz, nämlich aus Lausanne, kommt das Béjart Ballet, das Choreografien von Maurice Béjart und Gil Roman zeigt, „hochästhetisch und zeitlos“, wie Gersch sagte. Der Vorteil eines Hauses ohne eigenes Ensemble sei, so der 59-Jährige, das man extrem gegensätzliche Produktionen zeigen könne. Als Beispiel für ein „psychorealistisches Handlungsballett“ nannte er, wieder aus der Schweiz, „The Cellist“ , von Cathy Marston am Ballett Zürich choreografiert (21./22. November). Ein Höhepunkt wird sicher die Aufführung von Florentina Holzingers an der Berliner Volksbühne inszenierter spektakulärer Tanzperformance „Ophelia's Got Talent“ (6./7. Dezember) sein. Auch eine „Tanz in den Mai“-Woche sei nächstes Jahr wieder geplant.
„Wir gehen immer wieder ins Risiko“
Das Theater im Pfalzbau sei „ein großes Haus in einer gar nicht so großen Stadt“, sagte Gersch, der die Ludwigshafener Intendanz 2015 übernommen hat: „Wir gehen immer wieder ins Risiko.“ Für die kommende Spielzeit steht ihm ein Vorstellungsetat von 3,1 Millionen Euro zur Verfügung, insgesamt beträgt der städtische Zuschuss 5,4 Millionen. Sie hofften, dem Ludwigshafener Publikum auch in Zukunft ein hochkarätiges Programm bieten zu können, deuteten Gersch und Reifenberg unisono Sorgen um die Entwicklung des Etats an.
Die kommende Spielzeit ist jedenfalls gesichert. Auch Tilman Gersch selbst wird wieder eine Eigenproduktion beitragen. Seine Inszenierung von Carlo Goldonis Komödie „Das Kaffeehaus“ soll am Freitag, 21. März 2025, Premiere haben.