Ludwigshafen Ganz bunt, ganz weiß oder etwas mit Füßen

Johannes Schembs hat mit einer Taschenlampe und langer Belichtung einen Fuß gezeichnet.
Johannes Schembs hat mit einer Taschenlampe und langer Belichtung einen Fuß gezeichnet.

Der eine malt mit den Fingern, die anderen arbeiten mit den Füßen. Davon abgesehen haben Ansgar Skiba (Galerie Grandel) und die 22 Künstler (bei den Strümpfen) aber auch gar nichts miteinander zu tun. Der erklärte Konstruktivist Klaus Staudt ergänzt das Trio Mannheimer Galerie-Ausstellungen in der Galerie Zimmermann mit einer klassischen Position, der Unantastbarkeit nachzusagen die pure Selbstverständlichkeit ist.

Bei den Strümpfen in der Jungbuschstraße ist alles immer ein bisschen anders als anderswo. Das beginnt bei den skurrilen Öffnungszeiten (von acht am Abend bis zwei Uhr nachts) und macht bei der Originalität der Gäste nicht Halt. „Kick it Like Bacon!“ titelt die jüngste Gruppenschau. 22 Kunstschaffende sind der Aufforderung von Eric Carstensen und Michael Volkmer und ihrem superart.tv gefolgt, mal etwas mit den Füßen herzustellen. Macht man ja sonst eher nicht. Wozu auch. Das Ergebnis schwankt zwischen skurril, interessant, gelungen und daneben. Rainer Negrelli hat tanzend mit Farbe an den Füßen „gemalt“. Auf einem Video sieht man ihn und eine Freundin, das heißt beider Beine beim Tango nonstop. Von Johannes Schembs (Sohn von Walter Schembs) stammt ein mit Taschenlampe und Langzeitbelichtung gezeichneter Umriss eines Fußes. Zart aber eindrücklich im Wortsinn ist der Prägedruck eines Kreuzes, das sich im Atelier von Michael Volkmer fand: Interpretation offen. Drei Beispiele, die Appetit machen sollten auf das ganze, zugegeben leicht skurrile Unternehmen. Lieber Maler, male mir? Der Bildtitel des verblichenen Martin Kippenberger (1953 bis 1997) dürfte Ansgar Skiba kaum berühren. Der gebürtige Dresdner mit Wohnsitz in Düsseldorf ist Ende fünfzig und das was man einmal eine echte Malfaust genannt hat. Pinsel mag er nicht, seine Bilder sind echtes Hand-Werk. Die Finger genügen zum Farbauftrag, auch benutzt er eine Art Stöckchen, mit dem er die dicke Ölfarbenpaste in gefällige Falten legt. Wer so etwas tut, muss in die Farbe vernarrt sein. Farbe ist hier gleich Farbigkeit, immer deftig, satt bis zur Buntheit, ans lustvoll zugelassene Delirium grenzend. Wobei man Skiba gelegentlich schon mal Grenzen wünschte bei soviel mächtig ausufernder Koloristik. Die Themen der in der Galerie Grandel ausgestellten Gemälde kommen aus dem Garten mit seinen Blumenkindern, behandeln den Seerosenteich ebenso wie den Landschaftsausschnitt und die Pflanzenwelt im Wandel der Jahreszeiten. Soviel rhythmisch durchgearbeitete Sinnlichkeit ist heute eher selten in der Malerei, umso besser, wenn sie so unverklemmt und sicher daherkommt wie auf den Bildern von Ansgar Skiba. In der Galerie Peter Zimmermann hat alles seine Ordnung. Mit „Lichtspuren“ überschriebene neue Arbeiten von Klaus Staudt hat der Galerist im Angebot. Nicht zum ersten Mal. Der bekennende Konstruktivist ist kein Unbekannter in der Pfalz, es gab wichtige Ausstellungen in der Galerie Wack und der Pfalzgalerie in Kaiserslautern, im Wilhelm-Hack-Museum und der Scharpf-Galerie in Ludwigshafen und im Kunstverein Speyer. Nun ist Klaus Staudt 84 Jahre alt, ein Altmeister, die nie altert. Frisch und unverbraucht spielt er seine in wandbündigen oder freistehenden Plexiglaskästen fixierte Glasperlenspiele einfach weiter, lässt prismenartige Elemente horizontal oder vertikal angeordnet in Reih und Glied gehen, ohne dass die serielle Ordnung je langweilig würde. Manchmal, ein wunderbarer Trick, scheinen die Elemente frei im Raum zu schweben, einfach so. Serialität. Schatten, Raum und Bewegung sind die Grundpfeiler von Staudts auf geometrisch-systematischem Denken fußende Kunstpraxis, in der klare, einfache Bildformen und visuelle Mehrdeutigkeit keine Gegensätze sind. Weiß ist die Farbe, die Staudts Arbeiten am besten steht. Öffnungszeiten —Strümpfe – The Supper-Art-Club, Mannheim, Jungbuschstraße 3. Bis 26. Mai, Arbeitszeiten: Mittwoch bis Donnerstag nach Vereinbarung, Freitag 20-2 Uhr. —Galerie Grandel, Mannheim, S 4, 23. Bis 3. Juni, Dienstag bis Freitag 14-19 Uhr, Samstag 10-16 Uhr. —Galerie Peter Zimmermann, Mannheim, Leibnizstraße 20. Bis 27. Mai, Dienstag bis Freitag 12.30-18 Uhr, Samstag 11-14 Uhr.

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