Ludwigshafen
Fußgängerzone: Teilöffnung für Radfahrer beschlossene Sache
Bald anderthalb Jahrzehnte schon geistert das Thema „Öffnung der Fußgängerzone für Radfahrer“ durch den Ortsbeirat Südliche Innenstadt – mal mehr, mal weniger intensiv, aber bisher weitgehend folgenlos. „Das ist ein Evergreen und Dauerbrenner“, meinte Ortsvorsteher Christoph Heller (CDU) dazu in der Sitzung am Dienstagabend. Doch nun kommt Bewegung in die Sache. Mit breiter Mehrheit – bei einer Gegenstimme – hat das Gremium einem Vorschlag der Stadtverwaltung zugestimmt, der vorsieht, Teile der Fußgängerzone probeweise zu Beginn der kommenden Fahrradsaison für Radler zu öffnen.
Dem städtischen Verkehrsplaner Thomas Lappe zufolge soll der bisher als reine Fußgängerzone ausgewiesene Berliner Platz ab März/April zum „Shared Space“-Bereich werden, entsprechend beschildert und für Radfahrer geöffnet werden. Dahinter steckt eine Planungsphilosophie, mit der sich vielfältige Nutzungsansprüche an den Straßenraum besser vereinen lassen. Sie wurde in den Niederlanden entwickelt und dient der Verkehrsberuhigung durch eine andersartige Verkehrsraumgestaltung, die auf der Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer beruht. Nach einer einjährigen Testphase soll dann ausgewertet werden, welche Auswirkungen die Öffnung für Radfahrer vor Ort hat. Häufen sich Unfälle? Läuft alles weitgehend konflikt- und reibungslos? Um solche Fragen geht’s.
Status quo wird legalisiert
Im Prinzip, so Lappe, legalisiere die Stadt an dem Nahverkehrsknotenpunkt mit rund 40.000 Passanten täglich lediglich den Status quo – denn viele Menschen würden den Platz bereits mit dem Rad überqueren, ohne vom Sattel zu steigen. Weiterer Vorteil der Neuregelung, für die eine Satzung geändert werden muss: Die VRN-Nextbike-Station werde damit besser angedient.
Dies gelte auch für die Traverse im nördlichen Teil der Fußgängerzone zwischen der Jaegerstraße und dem Ludwigsplatz. Die Strecke führt über den Rathaushausplatz, an der dortigen Leihfahrradstation vorbei und soll künftig ebenfalls für Radfahrer legal passierbar sein. Auch hier sollen die Erfahrungen nach einem Jahr analysiert werden.
Tabu bleibt für Radler die Fußgängerzone Bismarckstraße zwischen Kaiser-Wilhelm-Straße und dem zum Abriss stehenden Rathaus-Center. „Aus Gründen der Verkehrssicherheit und um die Aufenthaltsqualität zu erhalten“, erklärte Lappe. Die Befürchtung von Polizei, Verkehrsexperten und dem Stadtvorstand: Die Bismarckstraße könnte bei einer Öffnung zu einer „Rennstrecke für Radfahrer“ mutieren.
Bereits im Vorfeld der Sitzung plädierte auch der Verkehrsclub (VCD) Ludwigshafen-Vorderpfalz dafür, in der Bismarckstraße nichts zu verändern – unter anderem mit Verweis auf Ergebnisse und Studien aus der Unfallforschung. Reine Fußgängerzonen dürften „nicht unter die Räder kommen“ und sollten daher ausschließlich Fußgängern vorbehalten bleiben, heißt es dazu in einem entsprechenden VCD-Papier.
VCD: Fahrradachsen durchs Zentrum
Stattdessen fordert der VCD Radverkehrsachsen durch die Innenstadt und nennt konkret die Berliner Straße sowie Max- und Otto-Stabel-Straße. Gegen die Öffnung der Bismarckstraße für Radfahrer spricht laut Armin Winkler (Grüne) auch der Umstand, dass dort ein – wie auch immer gearteter – Radstreifen größere Umbauten erfordern würde und wohl kaum finanzierbar sei.
David Guthier (SPD) wies mit Blick auf den Berliner Platz darauf hin, dass die Unfallgefahr im Bereich der Kreuzung zur Wredestraße unbedingt im Auge behalten werden müsse, weil dort jetzt bereits Fußgänger, Taxis, Busse und Straßenbahnen aufeinanderträfen. Zusätzliche Radfahrer könnten die Situation zuspitzen.
Für Ortsvorsteher Heller sollten Fußgänger am Berliner Platz weiter Vorrang genießen. Verkehrsplaner Lappe baut in diesem Punkt auf die gegenseitige Rücksichtnahme aller Beteiligten, die aufgrund des erheblichen Publikumsverkehrs jetzt schon geboten sei. Größere Probleme habe es in der Vergangenheit nicht gegeben.
