Ludwigshafen
Fußball: Drittligist SV Waldhof hat Probleme mit seinen Fans, die Pyrotechnik einsetzen
Als das Aufstiegsspiel zur Dritten Liga zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem KFC Uerdingen im Mai 2018 wegen des Einsatzes von Pyrotechnik abgebrochen werden musste, sorgten die Anhänger der Blau-Schwarzen für einen unrühmlichen Höhepunkt. Danach hielten sich die „Brandstifter“ lange zurück, doch mit der Einsicht ist es offenbar vorbei.
Blauer und schwarzer Rauch stieg auf, als die Mannschaften des SV Waldhof und Hansa Rostock den Rasen des Carl-Benz-Stadion betreten hatten. Der dichte Qualm, der eine zweiminütige Unterbrechung der Partie zur Folge hatte, sollte eine martialische Choreographie untermalen, die einen Panzer mit SVW-Logo zeigte. Mehr als ein Jahr lang hatten die Fans der Mannheimer in den Stadien, in denen ihr Klub spielte, keine Rauchbomben oder ähnliches abbrennen lassen. Anfang September hatte die besondere Art des „Sabbaticals“ ihr Ende gefunden, beim Derby in Kaiserslautern wurden mehrfach weiße Rauchtöpfe gezündet.
Gegen Rostock gab es eine Steigerung, weil ein Teil der Waldhof-Anhänger nicht nur zu Beginn für eine Spielunterbrechung sorgte, sondern während der zweiten Halbzeit zudem Brandfackeln zündeten und dabei auf eine Gruppe von Anhängern aufmerksam machen wollte, die mit einem Stadionverbot bestraft wurden. Es wirkt so, als würde die Zurückhaltung Stück für Stück aufgegeben, als sei die Strafe gesühnt. „Pyrotechnik gehört bei jeder Fanszene dazu“, sagt Selina Ballhaus, Vorstandsmitglied im Fandachverband Pro Waldhof: „Wichtig ist uns, dass es einen verantwortungsvollen Umgang damit gibt.“
Es drohen empfindliche Strafen
Wo vernünftiger Umgang beginnt beziehungsweise wo er aufhört – darüber gibt es zwischen der Fanszene des Drittligisten und den Verantwortlichen im Klub allerdings verschiedene Ansichten. „Der Einsatz von Pyrotechnik ist die Grenze“, sagt Waldhof-Geschäftsführer Markus Kompp. Dem Klub drohen wegen des Abbrennens der Rauchtöpfe in Kaiserslautern und der Vorkommnisse im Heimspiel gegen Rostock empfindliche Strafen vom Verband, zudem muss Kompp befürchten, dass das gerade erst zurechtgerückte Ansehen des Vereins öffentlichen Schaden nimmt.
Nach dem Abbruch des Aufstiegsspiels gegen Uerdingen erlebte der Geschäftsführer einen Einbruch der Sponsoren-Einnahmen, der erst durch die sportlichen Erfolge der vergangenen Monate sowie die rauchfreie und zahlreiche Unterstützung der Anhänger kompensiert wurde. „Wer jetzt durch den Einsatz von Pyrotechnik Erinnerungen an das Uerdingen-Spiel hervorruft, gehört nicht zur Waldhof-Familie“, sagt Kompp. Sofern die Polizei die Verursacher des Rauches ermitteln kann, denkt der Geschäftsführer darüber nach, zivilrechtlich gegen sie vorzugehen, um die Strafzahlungen des Verbands an sie weiterzureichen.
In jedem Fall ist es das Ansinnen von Kompp, innerhalb des Vereins eine klare Linie zu verfolgen. Dagegen sorgte eine Aussage von Stadionsprecher Stephan Christen nach der Partie gegen Rostock für Unmut. In einem offiziellen Interview in den VIP-Räumen hatte er sich zum Pyroeinsatz eindeutig mit den Worten „ich finde das geil“ geäußert. „Das ist nicht im Sinne des Vereins“, reagierte der Geschäftsführer verstimmt auf die verbale Unterstützung der Fanszene durch Christen.
Spiel gegen Halle kann zur Nagelprobe werden
In jedem Fall stehen sich die Fanszene und der Verein in dem Punkt der Pyrotechnik konträr gegenüber – auf den ersten Blick ist nicht absehbar, wie sich beide Parteien einig werden können. Adrian Hudalla möchte es trotzdem probieren. „Es finden immer wieder Gespräche mit Pro Waldhof, aber auch mit anderen Gruppierungen statt“, sagt der Fanbeauftragte der Blau-Schwarzen. Sein Ziel ist es, gegenseitiges Verständnis zu schaffen, auch wenn er weiß, dass die Fronten verhärtet sind.
Erschwert wird der Dialog durch den Umstand, dass Fangruppen gegnerischer Teams in den vergangenen Wochen ebenfalls munter zündelten und es eine Art von „Wettbewerb“ zwischen den Fanszenen gibt. Das nächste Heimspiel gegen den Halleschen FC könnte zu einer weiteren Nagelprobe werden, denn die Anhänger des HFC fielen in den Vergangenheit ebenfalls durch wiederkehrenden Einsatz von Pyrotechnik auf.