Ludwigshafen Friesenheim: Wie die Entschärfung der Fliegerbombe abläuft
Experten des Kampfmittelräumdienstes wollen das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg am Freitagvormittag entschärfen. Wie gefährlich die jahrzehntealten Bomben sind, hat sich am Mittwoch in München gezeigt, wo bei Bauarbeiten in der Nähe des Hauptbahnhofs ein solcher Sprengkörper explodierte. Bei dem Unglück wurden ein Passant und drei Bauarbeiter verletzt, einer davon schwer. Dem Mann wurde fast das Bein abgerissen. Der Sachschaden soll bei mindestens fünf Millionen Euro liegen, wie örtliche Medien berichten.
Bei der Bombe in München soll es sich um eine 250 Kilogramm schwere Bombe amerikanischer Bauart gehandelt haben. Die in Ludwigshafen entdeckte Bombe hat ein Gewicht von 500 Kilogramm und stammt ebenfalls aus US-Produktion. Der Blindgänger ist immer noch gefährlich. Laut Feuerwehrchef Stefan Bruck befinden sich die Zünder in keinem guten Zustand. Deshalb wird im Umkreis von 500 Metern ein Sicherheitsradius vor der Entschärfung eingerichtet.
OB appelliert an Betroffene
„Wir hoffen, dass alles gut geht“, sagte Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) mit Blick auf das Unglück in München. Etwa 3400 Menschen leben in dem Gebiet, das evakuiert wird. Steinruck appellierte an alle Betroffenen, den Anweisungen der Behörden zu folgen und ihre Wohnungen bis 9 Uhr zu verlassen. Dann kontrollieren Feuerwehr und Polizei, ob alle Menschen das Gebiet verlassen haben. Anschließend wird entschärft. Knapp 200 Kräfte von Feuerwehr, Ordnungsamt, Rettungsdiensten und Feuerwehr werden im Einsatz sein. Wenn alles gut läuft, könnte die Aktion bis zum Mittag beendet sein.
Mitten in der Sicherheitszone liegt die Ebertsiedlung, wo während der Entschärfung zahlreiche Straßen gesperrt werden. Auch die vielbefahrene Industriestraße wird dicht gemacht. Zudem ist der Nahverkehr betroffen: Die Straßenbahnlinie 10 fährt nicht. Die Buslinien 70, 71 und 89 werden umgeleitet, wie die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft mitteilt. Einige Haltestellen im Umfeld des Ebertparks werden nicht angefahren. Weitere Infos im Netz unter rnv-online.de.
Pfalzbau aus Ausweichquartier
Die Bevölkerung in der Sicherheitszone wird über die Medien sowie mit Handzetteln und Warndurchsagen informiert. Für die Menschen, die wegen der Evakuierung eine Anlaufstelle brauchen, wird ab 6.30 Uhr der Pfalzbau geöffnet. Zutritt erfolgt nach der 3G-Regel. Jeder, der das Gebäude betritt, wird zuvor vor Ort auf das Virus getestet. „Alle, die Zuflucht suchen, sollen eine sichere Umgebung vorfinden“, sagte Steinruck.
Da im Evakuierungsgebiet auch einige Corona-Infizierte leben, die unter Quarantäne stehen, hat die Stadt eine Etage im Excelsior-Hotel am Hauptbahnhof angemietet, um die Betroffenen dort isoliert unterzubringen. Um wie viele Menschen es sich handelt, dazu machte die Verwaltung keine näheren Angaben. Es gehe um eine „größere Anzahl“, hieß es auf Nachfrage.
Städtische Hotline
Bürger, die ihre Wohnung während der Entschärfung nicht aus eigener Kraft verlassen können oder eine Unterkunft benötigen, können sich unter Telefon 5708-6000 bei der Feuerwehr melden. Dieses Angebot gilt auch für Menschen, die sich in einer behördlich angeordneten Corona-Quarantäne befinden. Das Informationstelefon ist am Freitag ab 7 Uhr erreichbar. Bis Donnerstagnachmittag hatten sich bereits 300 Bürger dort gemeldet.
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