Ludwigshafen
Friedenspark: Kita-Pläne sorgen für Diskussionen
Noch offizieller Lesart fehlen in Ludwigshafen knapp 1150 Betreuungsplätze, Elternvertreter sprechen von über 3000 Plätzen. Unstrittig ist: Es herrscht Druck in Sachen Kita-Betreuung. Deshalb will Ludwigshafen beim Bau von Kitas neue Wege gehen. Eine städtische Tochterfirma soll Gebäude schneller und wirtschaftlicher bauen. Geplant sind drei Neubauten mit insgesamt 300 Kita-Plätzen in den Stadtteilen Nord und Friesenheim. Kostenpunkt: 26 Millionen Euro.
Bei den drei Bauprojekten will die Bauprojektgesellschaft (BPG) auf Fördermittel von Bund und Land verzichten. Grund: Die Anträge sind sehr aufwendig, die durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt bei vier Jahren. Auch bei Ausschreibung und Vergabe der Bauarbeiten vergeht viel Zeit. Die Pläne für den Stadtteil Nord hat BPG-Geschäftsführerin Nadine Hainbuch dem Ortsbeirat Nord bei seiner jüngsten Sitzung vorgestellt. Als Standorte geplant sind: eine Rasenfläche im Friedenspark entlang der Rohrlachstraße sowie eine Parkplatzfläche an der Pettenkoferstraße, die derzeit als Containerausweichquartier für die noch im Bau befindliche Kita Schanzstraße genutzt wird.
Kritische Nachfragen
Der Ortsbeirat begrüßte einhellig, dass es im Stadtteil neue Kita-Plätze geben soll. Doch eine Kita im Friedenspark wurde auch hinterfragt. Gisela Witt (SPD, vormals Grüne) bezweifelte, dass der Standort geeignet ist: „Wie sollen denn die Eltern ihre Kinder dort mit dem Auto hinbringen? Das geht nicht. Wurden denn auch andere Standorte geprüft?“ Zudem werde der Friedenspark rege von Anwohnern genutzt, eine Grünfläche würde wegen der Kita wegfallen.
Kita-Bereichsleiter Pascal Thümling wies auf den Handlungsbedarf im Stadtteil hin, laut Bedarfsplan fehlten dort aktuell 90 Kita-Plätze, künftig seien es 150 Betreuungsplätze. „Wir stehen im Hemshof mit dem Rücken zur Wand. Wir haben alle möglichen Standorte geprüft. Für weitere Vorschläge sind wir dankbar“, sagte er. Der Friedenspark könnte auch nur zeitweise ein Kita-Standort sein. Wenn die Helmut-Kohl-Allee gebaut und das neue Stadtquartier City West entwickelt werde, könne die Kita dorthin versetzt werden.
Gebäude versetzbar
Technisch sei dies kein Problem, versicherte BPG-Chefin Hainbuch. Gebaut werde in Modulbauweise, ähnlich wie bei Fertighäusern. Die vorgefertigten Gebäudeteile sind aus Holz, werden per Kran auf eine Fundamentplatte gesetzt und dann miteinander verbunden. Teils befindet sich die Innenausstattung bereits in den angelieferten Teilen. Die Bauten hätten eine Lebensdauer von 70 Jahren und könnten versetzt werden. Die neuen zweigeschossigen Kitas sollen knapp 40 Meter lang und 18 Meter breit werden – seien also schmal und hätten eine kleine Grundfläche.
Für Ortsvorsteher Osman Gürsoy (SPD) wäre eine Kita im Friedenspark, die später in die City West verlegt wird, eine Lösung. „Man muss abwägen. Der Bedarf an Kita-Plätzen ist sehr hoch. Es gibt hier viele berufstätige Eltern, die Probleme bei der Kinderbetreuung haben. Der Hemshof ist dicht besiedelt, und es gibt wenig Grünflächen, aber wenn die Kohl-Allee kommt, können wir mit der Kita dorthin.“ Unterstützung erhielt er von Nikolaus van der Bruck (SPD), der einräumte, dass man mit dem Kita-Neubau ein Stück städtisches Grün verliere. Aber der Friedenspark solle mit dem Bau der Kohl-Allee und der City West ja erweitert werden. Dort könne dann eine Ausgleichsfläche geschaffen werden. Auch Dolly El-Ghandour (SPD) unterstrich: „Wir freuen uns sehr, dass wir im kinderreichen Stadtteil Nord zwei neue Kitas bekommen. Dies ist wichtig für die Integration der Kinder und den Übergang zur Grundschule.“
Ausreichend Personal?
„Schön, dass es neue Räume gibt – aber gibt es auch ausreichend Personal für die Kinderbetreuung? Droht einem Neubau dann am Ende vielleicht der Leerstand?“, hakte Robin Zawadzki (CDU) beim Kita-Bereichsleiter der Stadt nach. „Die Rekrutierung von Personal ist ein wichtiges Thema. Bisher haben wir es Stück für Stück geschafft“, sagte Pascal Thümling. Nach Angaben der Stadt fehlen in den 37 städtischen Kitas derzeit 70 Erzieher. Laut Thümling ist es gelungen, in einem Jahr 61 Erzieherinnen und Erzieher neu einzustellen. Die Suche nach Personal werde auch auf Ostdeutschland ausgedehnt, weil es dort anscheinend mehr Erzieher gebe. Die Stadt wolle zudem auch Seiteneinsteiger anstellen, die eine Basisqualifikation erhalten sollen, um auch hier vorwärts zu kommen.
Was die Kita-Friedenspark betrifft: Der Bauausschuss des Stadtrats hat den Plänen bereits zugestimmt, der Stadtrat wird sich aller Voraussicht nach bis Ende Juni ebenfalls mehrheitlich dafür aussprechen. Dann könnte die Kita laut BPG nach 20 Monaten dort stehen.