Mannheim RHEINPFALZ Plus Artikel Frederic Hormuth in der Klapsmühl

Frederic Hormuth in der Mannheimer Klapsmühl.
Frederic Hormuth in der Mannheimer Klapsmühl.

Der Kabarettist Frederic Hormuth hatte Premiere mit seinem neuen Programm „Quatsch“ in der nicht gerade voll besetzten Klapsmühl.

Wenig verheißungsvoll „Quatsch“ nennt der einheimische Kabarettist Frederic Hormuth sein neues Programm, das nun in der Mannheimer Klapsmühl Premiere feierte. Tatsächlich ist es nicht sein bestes.

Die Voraussetzungen sind schon schlecht, die Resonanz ungewöhnlich gering. „Die Vorverkaufszahlen der letzten Tage haben mich motivationstechnisch sonst wohin geschickt“, gesteht Hormuth, der ab der kommenden Spielzeit 2026/27 der neue Künstlerische Leiter der Klapsmühl in D6 werden soll. Die angekündigte nächste Vorstellung am Folgetag muss oder möchte er mangels Nachfrage gleich ganz ausfallen lassen. „Eine beknackte Premiere“, findet der enttäuschte Kabarettist.

Ob es am Herbst liegt, der Mannheimer Lichtmeile und den konkurrierenden Weinkerwen im Umland? An der aktuellen Nachrichtenlage, mit der man sich nicht auch noch nach Feierabend befassen möchte? Oder am Programmtitel, der im Ganzen sehr schlicht, um nicht zu sagen einfallslos, „Quatsch – Kabarett mit Songs“ heißt? Um Quatsch zu erleben, muss ich mich doch nicht auf den Weg in die Klapsmühl nach Mannheim machen, mag sich der potenzielle Besucher da denken, Quatsch gibt es frei Haus im Fernsehen doch schon genug und im Internet noch viel mehr.

Inspiriert von „Plumpaquatsch“

„Quatsch“ hört sich außerdem verdächtig nach Comedy an, so gar nicht nach Kabarett. Der Titel geht für ihn als 56-Jährigen auf die TV-Kindersendung „Plumpaquatsch“ zurück, die in den 1970er-Jahren lief, wie Frederic Hormuth auf der Bühne berichtet. Erst viel später habe er kapiert, dass das eigentlich plumper Quatsch war, was die Moderatorin Susanne Beck und der Titelheld, ein vorwitziger, grüner Wassermann mit roten Schlauchbootlippen und gelben Spaghettihaaren, da boten. Dabei kann Quatsch in bestimmten Situationen tatsächlich sehr befreiend und hilfreich sein, weiß der gebürtige Mannheimer und nennt als Beispiel die Klinikclowns, die ihn fabrizieren, um besonders die jüngsten Patienten auf andere Gedanken zu bringen. Die machen sinnvollen Quatsch oder Quatsch sinnvoll, so lange sie nicht operieren.

„Wenn du als Kabarettist nur harmlosen Quatsch machst, dann hast du versagt. Wenn du nur unterhaltsam bist, hättest du auch Ballonknoter werden können“, weiß Frederic Hormuth freilich auch, der, zuerst im Ensemble und später solo, sich seit mehr als drei Jahrzehnten auf der Kleinkunstbühne bewährt und sich erwiesenermaßen auf politisches wie musikalisches Kabarett gut versteht.

Hoher Maßstab

„Von zehn Zuschauern müssen fünf gelacht haben, vier geweint haben, drei gegangen und einer vor Ärger geplatzt sein“, formuliert er seinen Anspruch als Kleinkünstler, „sonst war es doch einfach nix“. Ein hoher Maßstab, dem er mit „Quatsch“ nicht gerecht werden kann, erst recht nicht, wenn die überschaubare Klapsmühl schon bei der Premiere nicht gut besucht ist. Hormuth muss sich etwas einfallen lassen, wenn er für sich und in Zukunft auch für die seit mehr als 40 Jahren bestehende Kabarettbühne neue Zuschauer gewinnen möchte.

Vor leeren Sitzen kann keine zuträgliche Stimmung aufkommen, und überhaupt kann das Weltgeschehen, selbst wenn man es mit Humor würzt und satirisch verwurstet, heute eher nachdenklich, pessimistisch bis depressiv stimmen. Zum Lachen ist nicht mehr jedem zumute, und so bilden den einsamen Höhepunkt auch zwei Lesetexte, die garantiert kein Quatsch sind, sondern wohlformuliert und durchdacht, kaum lustig, sondern aufrichtig mahnend in berechtigter, wachsender Sorge um die Demokratie. Viel Leerlauf wird spürbar daneben, der eben entsteht, wenn kaum einer lacht. Aber wer soll denn lachen, wenn kaum einer da ist?

„Bullshit ist kein Dünger“

Quatsch macht Hormuth genügend aus, den muss er nicht einmal selber machen. „Bullshit“, könnte man auch sagen, der vor Jahren bereits Eingang in den Titel eines seiner Programme („Bullshit ist kein Dünger“) gefunden hat. Die AfD verzapft ihn, Donald Trump oder Friedrich Merz, den der Wahl-Heppenheimer Kabarettist im Sekundenschlaf von der bisherigen Fahrbahn abkommen und weit nach rechts driften sieht, bis er irgendwo demoliert an der Leitkulturplanke landet.

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