Ludwigshafen
Freche Franken bringen Kabarett und Balkan-Groove nach Schifferstadt

Ob trillernde Bohrmaschine oder Anekdoten über den Wirt „Weizen-Charlie“: Die fränkische Band Gankino Circus riss die Besucher am Freitag in der Schifferstadter Kulturscheune Club Ebene Eins mit einem rasanten Mix aus Kabarett, Volksmusik, Rock und Balkan-Groove von der ersten Minute an mit. Bereits vor zwei Jahren hatten die vier Musiker hier überzeugt. Hoffentlich kommen sie noch oft in die Region!
Kuhglocken, eine Klarinette säuselt, das Akkordeon seufzt dunkel, ein paar volkstümliche Melodien von der Gitarre, dazu ein paar vorsichtige Drums. Der Abend beginnt harmlos. Doch schon nach wenigen Augenblicken wird das Tempo angezogen, die Harmonien kippen rasch. Aus einer verträumten Melancholie wird ruckzuck eine aufgeregte Volksfeststimmung. Das Publikum ist hellwach.
Doch wer geglaubt hat, dass sich nun simpel Song an Song reiht, sieht sich eines Besseren belehrt. Erstmal plaudern die Musiker in Fränkisch los, vieles aus ihrer beschaulichen Heimat Dietenhofen. Hier haben sie vor einer halben Ewigkeit diese Band gegründet. Besungen wird die Welt im Dunstkreis des Gasthauses „Zur heiligen Gans“, in der es damals beim Wirt namens „Weizen-Charlie“ zünftig zugegangen sein muss.
Der Trauermarsch nach dem tragischen Tod des Wirts „Weizen-Charlie“
In ihrer kraftvollen Musik ist aber nur der Rahmen zünftig: Die Band beruft sich auf den bulgarischen Tanz Gankino Horo, der vorwiegend im 11/8-Takt daherkommt, mit schnell pulsierenden Achteln wohlgemerkt. Das furiose Tempo ist enorm. Simon Schorndanner bearbeitet dabei Klarinette und Saxophon mit einer Eleganz und Spielfreude, dass es eine Lust ist, zuzuhören. Herauszuheben – in puncto sportlicher Schlagzahl und aberwitzig komplizierten Rhythmen – ist Johannes Sens, in Trainingsjacke für das schweißtreibende Geschäft an den Drums eingekleidet. Fachmann für besondere Aktionen ist der langbärtige Akkordeonist Max Eder. Er bringt, ob – ausgelassen oder getragen – die Tiefgründigkeit in den Sound. Frontmann und Gitarrist Ralf Wieland schafft mühelos den Kontakt zum Publikum, die abgefahrene dörflich-fränkische Sprachkomik beherrscht er wie kein Zweiter, selbst das halbe Dutzend mitgereister Fans aus dem Heimatort schlägt sich mehrfach auf die Schenkel vor Lachen. Da ist viel spontane Situationskomik dabei, bei Gankino Circus kommt nichts aus der Retorte.
Wie Ralf Wieland mit seinen Kollegen den tragischen Tod des Wirts Weizen-Charlie mit anschließendem Umzug zum verbleibenden Griechenlokal im Dorf ironisch-liebevoll darlegt, ist Kabarett vom Allerfeinsten. Den trillernden Klang der Bouzouki imitiert er mit einer Bohrmaschine derart treffend: Das ist nicht nur Klamauk, sondern die geniale Verbindung von Kreativität und Humor. Anrührend die Interpretation des bayrischen Volkslieds „Es geht ein dunkle Wolk“ durch Max Eder, der manchmal auch das Akkordeon aus der Hand legt. Weiterer Glanzpunkt ist Simon Schorndanners atemlose Rap-Performance über die Entdeckung des fränkischen Rock’n’Rolls durch seinen Großvater.