Ludwigshafen Fröhlicher Dadaismus

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Als musikalisches Begleitprogramm zur Ausstellung „Toutes Directions – Le prix Marcel Duchamp“ passte der Auftritt von Stereo Total im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum hervorragend. Dem Dadaismus des Preispatrons Duchamp ist das Berliner Duo lebhaft verpflichtet, das spürten auch die Besucher, die eine schrille Show erlebten.

Sängerin Françoise Cactus und der Gitarrist Brezel Göring stehen für einen schnörkellosen Mix aus Elektro, New Wave und Pop. In den 1990er Jahren hatten die beiden ihre große Zeit mit etlichen Hits. Zur Ausstellung hatten sie nun ein ganz spezielles Programm zusammengestellt: „Yéyé existentialiste“, verkündete Françoise Cactus mit ihrem Hardcore-Französisch-Akzent, mit dem sie die deutschen Ansagen machte. „La Manie du cinema“ war gleich ein fröhlich dadaistischer Opener, in dem zu süß-naiven Melodien und ebenso süßen Casio-Klängen die Namen von Schauspielern und Regisseuren rhythmisch gereiht wurden. Nach dem gleichen Prinzip wurden auch im Jane-Birkin-Song Namen von Musikern aufgezählt: Jimi Hendrix, Janis Joplin, T-Rex, Elvis. Songs von Sylvie Vartan und Françoise Hardy folgten, alles nach dem gleichen Prinzip zu eigen gemacht: naive Melodien und schön kitschige Begleitung, schräg gesungen und musiziert. Dazwischen gab es immer wieder eigene Songs: „Cléptomanie“, mit minimalistischen Versen, französischen Schlagworten, die sich auf „cigarette“ und „toilette“ reimten. Das Spielerische, Anarchische ist künstlerisches Prinzip des Duos, dazu gehören spielzeugartige Instrumente wie ein kleines Casio-Keyboard und weitere piepsende oder trötende Kleinodien. Gute alte Analog-Sounds geben den Ton an, die Staccato-Rhythmen haut Göring aber auch gerne aus der E-Gitarre heraus. Schön ist der Gesang von Françoise Cactus nicht gerade, aber beherzt. Dass sich die beiden Musiker selbst nicht ganz so ernst nehmen, gehört zum Image. Ihre schrill-durchgeknallte, trashige Musikshow soll vor allem Spaß machen. Die Musik ist wie geschaffen dafür, ausgelassen Party zu machen. Das merkte auch das Publikum, das zu tanzen begann und zu einer Dance-Version eines Charles-Trenet Songs nach vorne stürmte. Jetzt komm eine Lied von einem schlecht rasierten, hässlichen Typen, kündigte Françoise Cactus einen Song von Serge Gainsbourg an. Gefolgt von „Comic Strip“, deren Mix aus naiven Melodien und vokalen Geräuschen, ihrem Anarcho-Gestus alle Ehre machte. Französische Hits der 1970er Jahre gab es im Karaoke-Stil, Françoise Cactus sang die Texte aus einem Ringordner. „Das nächste ist wie ein Countrylied, bei dem das Pferd total müde ist“, kommentierte sie einen schön verschleppten Song. „Musique Automatique“ war gleichfalls ein Hit von Stereo Total, der nicht fehlen durfte: Er bietet skandierten Minimalismus im Stile des legendären Trios. „Ich bin der Stricherjunge mit der Raucherlunge“ lautete der Titel einer der vielen Zugaben und „Es lebe die Liebe zu dritt“.

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