Ludwigshafen Fröhliche Hippies und tote Fische

Albert Hammond beim Auftritt in Mutterstadt.
Albert Hammond beim Auftritt in Mutterstadt.

Albert Hammond muss nur die Bühne betreten, um vom Publikum jubelnd empfangen zu werden. Wer die Popgeschichte der letzten 40 Jahre nicht komplett verpasst hat, weiß, warum das seine Berechtigung hat: Hammond ist einer der erfolgreichsten Songschreiber. Tina Turner, Whitney Houston und viele mehr sangen seine Hits. Auf seiner Tour war er in Mutterstadt zu Gast.

Den Anfang machten aber zwei Songs, die er für sich selber geschrieben hat. „Everything I want to do“ ist eine fröhlich unbeschwerte Nummer. Das zweite Stück klingt ebenfalls nach einem gut gelaunten Hippie in den 1970er Jahren – aber der Text ist bitterböse. Hammond erzählte, wie es dazu kam: „Ich kam in Los Angeles an und sah, wie die Abendsonne die Hügel in einem farbigen Nebel schimmern ließ. Ich fragte den Taxifahrer, was das sei. Er sagte: Wir nennen das Luftverschmutzung.“ Und so geht es in „Down by the River“ um silbrige Fische, die mit Bauch oben schwimmen, tote Otter und bleiche Knochen an den Ufern giftiger Flüsse. „Der erste ,grüne’ Song in der Hitparade“, merkt der Sänger noch an. Hammond hatte als Singer/Songwriter in den 1970er Jahren einige Hits. „Freedom come – freedom go“ gehört dazu, die Hippie-Hymne „Free Electric Band“ und natürlich „It never rains in Southern California“. Im Palatinum sang er Songs von seinem Album „Your World an my World“ von 1981, das nicht ganz so erfolgreich war wie seine Vorgänger. Es war um diese Zeit, als Hammond verstärkt als Komponist für andere tätig wurde. In Mutterstadt konnten die Zuhörer viele dieser Superhits hören: Tina Turners „I don’t want to lose you“, „Nothing’s gonna stop us now“ von Starship, den Diana-Ross-Hit „When you tell me that you love me“ und „I don`t wanna live without your love“ von Chicago, natürlich auch Whitney Houstons Olympia-Hit „One Moment in Time“. Bei einigen Interpreten haben die Hammond-Songs eine etwas abflauende Karriere wieder angeschoben. Mit einer richtig guten Band singt und tanzt in Mutterstadt ein Albert Hammond, dem man seine gerade erreichten 73 Jahre kein bisschen anmerkt. Wenn er mit dem Publikum spricht, klingt seine Stimme etwas heiser - vermutlich der Tribut an eine große Tour, die schon hinter ihm liegt. Beim Singen merkt man davon kaum etwas. Nötig hätte Hammond das anstrengende Tourleben sicher nicht mehr. „Die Kinder sind aus dem Haus, ich habe Zeit und da hatte ich einfach wieder Lust“, sagte Hammond der RHEINPFALZ in einem Interview zu seinem Comeback. Hammond selber witzelte darüber, dass manche schon fürchteten, er sei gestorben. Der Künstler wurde 1944 in Gibraltar geboren, hatte mit 14 Jahren seine erste Band und begann, Songs zu schreiben. Den Hollies-Hit „The Air that I breathe“ schrieb er schon als Teenager. Anfang der 70er zog er nach Los Angeles und 1972 schaffte er mit „Down by the River“ den Durchbruch. In den 80er Jahren zog er sich von der Bühne zurück, kümmerte sich um die Familie und schrieb zu Hause einen Hit nach dem anderen. Es wird geschätzt, dass es 360 Millionen Tonträger gibt, auf denen Hammond Songs zu hören sind.

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