Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Fräulein Frieda aus Oggersheim

„Ihm verdanken wir es, dass wir aus Deutschland rausgekommen sind“: Monika Gossmann spielt in „Mank“ eine Krankenschwester, die
»Ihm verdanken wir es, dass wir aus Deutschland rausgekommen sind«: Monika Gossmann spielt in »Mank« eine Krankenschwester, die den emigrierten Schriftsteller und Drehbuchautor Herman Mankiewicz 1940 in den USA pflegt und umsorgt.

Die Schauspielerin Monika Gossmann ist in Oggersheim aufgewachsen und in Hollywood angekommen. In der Rolle einer Pflegerin versorgt sie den Titelhelden in David Finchers Netflix-Produktion „Mank“, Kurzname des Drehbuchautors Herman J. Mankiewicz und Mitarbeiter von Orson Welles an „Citizen Kane“. Der Film gilt bereits als heißer Oscar-Anwärter.

„Fräulein Frieda ist nicht nur Krankenschwester und Physiotherapeutin. Sie hat auch in der alten Heimat Ernährungswissenschaft studiert. Nicht wahr, liebes Fräulein?“ Mit diesen Worten wird die Filmfigur Fraulein Frieda eingeführt. Monika Gossmann trägt das weiße Kleid einer Krankenschwester, eine Strickjacke und einen Haarkranz oder Gretchenzopf wie die ukrainische Politikerin Julia Timoschenko. „Mank“ beginnt 1940 und blickt von diesem Datum aus mehrfach zurück ins vorangegangene Jahrzehnt und einmal auch nach vorn in das Jahr 1942, als Orson Welles und Herman J. Mankiewicz als Drehbuchautoren mit dem Oscar für „Citizen Kane“ ausgezeichnet werden.

„Mank“ steht für Mankiewicz, dessen Arbeit am Drehbuch der Film schildert. Der Schriftsteller, gespielt von Gary Oldman, der für seine Verkörperung Winston Churchills in „Die dunkelste Stunde“ 2018 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, liegt nach einem Autounfall mit einem gebrochenen Bein im Bett und diktiert seine Eingebungen einer Sekretärin. Fräulein Frieda umsorgt den Alkoholkranken, massiert ihn und gibt ihm zu trinken, was immer er begehrt. „Herr Mank hat ermöglicht, dass meine Familie einreisen konnte“, erklärt sie einmal. „Ihm verdanken wir es, dass wir aus Deutschland rausgekommen sind, juristisch und finanziell. Er hat unser ganzes Dorf hierhergebracht, über einhundert Bewohner.“

Seit Grundschulzeiten im Rampenlicht

Herman J. Mankiewicz (1897 bis 1953) war deutsch-jüdischer Abstammung, erläutert Monika Gossmann. „Seine Eltern haben in Berlin gelebt und sind emigriert.“ Zur Zeit des Nazi-Regimes habe er tatsächlich eine komplette Ortschaft aus Deutschland in die USA umgesiedelt. Im Film trage diese Neuansiedlung den Namen „Mankheim“, doch dies sei „eine Erfindung, ein Witz“ und eine Anspielung auf Mannheim, weiß die Schauspielerin.

Sie selbst wurde 1981 in Alma-Ata, dem heutigen Almaty im zentralasiatischen Kasachstan geboren. Sieben Jahre später, zu Zeiten von Glasnost und Perestroika, kam die russlanddeutsche Familie nach Ludwigshafen. Hier ist die heute 39-Jährige als Tochter einer Lehrerin und des Oppauer Augenarztes Viktor Gossmann aufgewachsen. Bereits in einer Aufführung ihrer Oggersheimer Grundschule In der Langgewann übernahm sie die Hauptrolle in Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“. Später engagierte sie sich an der Freilichtbühne Mannheim und besuchte das Ludwigshafener Carl-Bosch-Gymnasium. In den Cinestar-Kinos in der Walzmühle, als sie noch Village Cinema hießen, war sie oft, aber auch im Corso in der Wredestraße, als das noch existierte, außerdem im Mannheimer Kinder- und Jugendtheater Schnawwl, im Nationaltheater und natürlich im Pfalzbau, wie sie sich erinnert.

Ein Hit mit der Girlgroup Ashana

„Direkt nach dem Abitur bin ich nach Hamburg gezogen“, berichtet Monika Gossmann. Ab dem Jahr 2000 besuchte sie dort die Stage School und bis 2004 die Contemporary Dance School. Als Teil der kurzlebigen Girlgroup Ashana hatte sie im Sommer 2004 auch den Dance-Hit „U Gonna Get It“. Ein weiteres Studium absolvierte sie an jenem Moskauer Künstlertheater, das der einflussreiche Schauspiellehrer Konstantin Stanislawski begründet hatte. Es folgten Engagements in Moskau wie am Hof-Theater Tromm im Odenwald, in Taunusstein und im österreichischen Graz. Im deutschen Fernsehen war Monika Gossmann unter anderem in den Vorabendserien „Küstenwache“ und „SOKO Wismar“ zu sehen.

Nachdem sie in Berlin begonnen hatte, Schauspiel zu unterrichten, wurde ihr im vergangenen Jahr eine Professur an der University of Florida angeboten. Darüber kam sie in den Besitz einer Arbeitserlaubnis, ohne die man in den USA nicht drehen darf. „Dadurch habe ich einen Agenten gefunden, und er hat mir ein Massen-E-Casting geschickt“, erklärt Monika Gossmann, wie es zur Mitwirkung in „Mank“ kam. „Ich habe ein Selftape gedreht, hatte einen Recall mit der Casting-Direktorin und dann einen Recall mit David Fincher über Zoom. Danach hatte ich die Rolle.“

Ein Traum ist in Erfüllung gegangen

Im vergangenen Winter gab es sechs Proben- und 16 Drehtage, davon eine Woche auf jener Ranch im entlegenen kalifornischen Viktorville, in der Herman Mankiewicz vor 80 Jahren tatsächlich Orson Welles' epochalen Filmklassiker „Citizen Kane“ verfasst hat. „Das ist schon irre, in diesen Gebäuden zu sein und zu verstehen, ja, hier ist das entstanden und hier gab es diese Leute wirklich, die wir jetzt verkörpern“, schwärmt die Schauspielerin von den Dreharbeiten.

Für sie sei in der Zusammenarbeit mit David Fincher („Gone Girl“, „Fight Club“) ein Traum in Erfüllung gegangen, sagt Monika Gossmann, die zwischen Berlin und Florida pendelt. „Er ist tatsächlich mein Lieblingsregisseur. Ich wollte unbedingt verstehen, wie er arbeitet und war auch in meiner freien Zeit am Set. Ich habe ihn beim Drehen beobachtet, um dieses Wissen in meine Arbeit als Schauspielerin einfließen zu lassen. Er fand das gut.“

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