Ludwigshafen
Flüchtlinge und Obdachlose: Chancen auf eigene Wohnung stehen schlecht
Seit Langem hat die Stadtverwaltung nicht mehr so niedrige Zuweisungszahlen bei den Asylbewerbern registriert wie in der ersten Hälfte des Jahres 2026: 169 Menschen musste Ludwigshafen bis Anfang Juni unterbringen, wie Marcel Dinies, Leiter der Abteilung Asyl, am Donnerstag im Sozialausschuss informierte. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 kamen noch mehr als 1000 Geflüchtete in der Stadt am Rhein an, im Vorjahr waren es noch knapp 600. Dinies spricht daher von einem „drastischen Rückgang der Unterbringungszahlen“. „Aber“, mahnt er, „ob das so bleibt, gilt es abzuwarten.“ Der Bereichsleiter führt die Entwicklung auf die verschärfte europäische Flüchtlingspolitik zurück. Auch gebe es deutlich weniger Geflüchtete aus der Ukraine als in den Vorjahren, erläutert er die Zusammenhänge.
Bei den Herkunftsländern der Geflüchteten gibt es Dinies zufolge wenig Änderungen: Wie bisher kommen nach der Ukraine viele Menschen aus der Türkei, Syrien und Afghanistan, Somalia und Eritrea. Flüchtlingsbewegungen aus dem Iran würden dagegen derzeit noch nicht verzeichnet. Insgesamt leben derzeit 1528 Geflüchtete in städtischen Unterkünften: 685, das sind 45 Prozent, in Gemeinschaftsunterkünften, 843 (55 Prozent) dezentral in Wohnungen.
Letzte Notunterkunft geräumt
Die Verwaltung steht durch diese Entwicklung erstmals seit mehreren Jahren nicht mehr unter dem Druck, die Kapazitäten für die Aufnahme weiterer Geflüchteter erweitern zu müssen: „Aus den städtischen Unterkünften ziehen derzeit mehr Leute aus als ein“, stellt Dinies fest. Gleichzeitig warnt er aber vor dem Hintergrund vieler internationaler Krisen: „Die Situation ist sehr dynamisch.“ Trotzdem konnte zwischenzeitlich auch die letzte Notunterkunft in der Mundenheimer Wattstraße geräumt werden. Die Unterkunft in der Edigheimer Straße in Oppau wurde Ende Mai geschlossen. Das große Containerdorf auf einem Acker in der Bayreuther Straße, das ursprünglich nur für drei Jahre geplant war, soll unterdessen bis zum Ende des Jahrzehnts für die Unterbringung von Geflüchteten erhalten bleiben.
Auch Stefanie Indefrey, Leiterin der Volkshochschule und zuständig für die Integrationskurse, warnt: „Wir wissen noch nicht, was im Jahr 2027 auf uns zukommt.“ Erste Kurse mussten Indefrey zufolge verschoben werden, weil sie nicht mehr voll wurden. Zudem verzeichnet die VHS weniger Beratungen und Anträge. Laut einem Rundschreiben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vom Februar werden Asylbewerber, Geduldete, Menschen aus der Ukraine sowie Unionsbürger nicht mehr im Rahmen verfügbarer Kursplätze zur Teilnahme am Integrationskurs zugelassen. Bereits erteilte Teilnahmezulassungen behalten jedoch ihre Gültigkeit. Das Geld für die Kurse ist knapp: „Vor dem Hintergrund der finanziellen Herausforderungen der vergangenen Jahre, in denen mehrere überplanmäßige Ausgaben beantragt werden mussten, sind die Möglichkeiten des Zugangs in die Integrationskurse künftig stärker an den hierfür verfügbaren Mitteln im Bundeshaushalt auszurichten“, heißt es.
Keine Wohnungen verfügbar
Viele Flüchtlinge haben in Ludwigshafen kaum eine Perspektive, in nächster Zeit eine Wohnung zu finden, auch wenn sie eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis bekommen: 853 Menschen in den Unterkünften sind nach Angaben der Verwaltung grundsätzlich nicht mehr dazu verpflichtet, in einem städtischen Quartier zu wohnen. Aber es gibt für sie in Ludwigshafen keine Alternative, weil für sie bezahlbare Wohnungen fehlen.
Ein Problem, das auch die 507 Menschen betrifft, die derzeit in den sogenannten Einweisungsgebieten für Obdachlose in der Bayreuther Straße in West und der Kropsburgstraße in Mundenheim leben. Seit 2023 ist die Anzahl der Eingewiesenen, viele mit Mietschulden und Suchterkrankungen, hier laut Bereichsleiterin Sandrine Rohr konstant hoch.
112 Menschen, die in den sogenannten Roten Blöcken in der Bayreuther Straße zu Hause sind, müssen demnächst umziehen, weil die maroden Häuser abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden sollen. Die Vorbereitungen für das seit Langem geplante Projekt haben nach Angaben von Sozialdezernent David Guthier (SPD) vor Ort inzwischen begonnen. Die Zaunanlage am Bolzplatz wurde demnach zurückgebaut, außerdem haben die Technischen Werke Ludwigshafen die Übergabeschächte für Wasser und Elektro hergestellt. Die Ausweichquartiere für die Bewohner der Roten Blöcke sollen nacheinander aufgebaut und im vierten Quartal 2026/Anfang 2027 bezugsfertig sein.