Vorderpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Fitnessstudios: Weniger Kunden, höhere Kosten

Kraftakt: Studios scheuen trotz steigender Kosten Preiserhöhungen, um keine Mitglieder zu verlieren.
Kraftakt: Studios scheuen trotz steigender Kosten Preiserhöhungen, um keine Mitglieder zu verlieren.

Erst die Pandemie und nun steigende Energiekosten. Die Belastungsprobe für Fitnessstudios hört nicht auf. Wegen sinkender Mitgliederzahlen und höheren Ausgaben folgen jetzt erste Sparmaßnahmen und Beitragserhöhungen. Was auf die Kunden in der Region zukommt.

Bei vielen Studios gehören energieintensive Geräte wie Sauna, Klimaanlage oder Pool zur Ausstattung. Wegen steigender Energiekosten und Mitgliederschwund steht die Branche vor Herausforderungen. „Gemeinsam mit der Gastronomie haben wir am meisten gelitten, weil bei uns alles geschlossen war“, sagt Bernhard Köllner, Geschäftsleiter bei Pfitzenmeier. Das Unternehmen betreibt 47 Einrichtungen im Fitnessbereich in der Region.

Trotz Live-Stream-Kursen im Internet während des Lockdowns hat Pfitzenmeier fast ein Fünftel aller Mitglieder verloren. Die App hat sich etabliert. „Das wurde so gut angenommen, das haben wir beibehalten. Das ist etwas Gutes an der Pandemie, ohne sie, wären wir mit der Digitalisierung nicht so weit“, erklärt Köllner.

Die Wassertemperatur in Pools wird gesenkt.
Die Wassertemperatur in Pools wird gesenkt.

Saunazeit verkürzt

Die steigenden Energiekosten erschweren die wirtschaftliche Situation. Pfitzenmeier spricht von Mehrkosten in Millionenhöhe. Nach Corona sei dies der nächste Schlag. Deswegen sei eine Preisanpassung der Mitgliedsbeiträge in den Studios notwendig. „Wir machen das nicht aus Spaß und wir hatten seit Jahren keine Preiserhöhungen“, betont Köllner. Bisher seien die Kunden verständnisvoll und der Zulauf weiterhin in Ordnung. Außerdem sparen die Studios Energie, indem Sauna- und Wellnessbetrieb verkürzt werden und Klimaanlagen weniger Kälte produzieren.

Die Sauna wird nur noch bei Bedarf eingeschaltet.
Die Sauna wird nur noch bei Bedarf eingeschaltet.

Auch Corinna Meier, Studioleiterin von American Fitness in Ludwigshafen, hofft auf Verständnis ihrer Kunden. Sie will zwar die Preise nicht erhöhen, muss aber auch Energiekosten sparen. Deswegen werde die Wassertemperatur gesenkt und die Saunazeit über Mittag verkürzt. „Wir versuchen positiv zu bleiben, und unsere Mitglieder machen super mit“, sagt Meier. Wegen der steigenden Kosten, müsste sie eigentlich die Mitgliedsbeiträge erhöhen. „Wir wollen aber keine Preiserhöhung und versuchen, das so gut es geht abzufangen“, erklärt Meier. Denn Corona habe schon genügend Mitglieder gekostet.

Bange Blicke auf den Herbst

„Es wird drei bis fünf Jahre dauern, bis sich die Branche davon erholt“, sagt Meier mit Blick auf die Mitgliederzahl. Wie schnell die Studios wieder auf dem Niveau vor der Pandemie sind, sei davon abhängig, was im Herbst passiert. „Ich hoffe, dass das Testen wiederkommt, alles offenbleibt und die Preise nicht weitersteigen“, sagt Meier.

Diese Bedenken hat auch Sebastian Barth, Studioleiter von Lieser Fitness in Neuhofen. Denn sein Studio hat ebenfalls Mitglieder verloren. „Es erholt sich langsam“, sagt Barth. Die aktuelle Lage und insbesondere die Preissteigerung bei Gas und Strom seien allerdings neue Hürden. Wie das Studio damit umgehen wird, steht noch nicht fest. Zwar habe man intern über Preiserhöhungen nachgedacht, aber sei sich noch unschlüssig. Auch andere Sparmaßnahmen des Studios sind noch unklar. Vorerst schaut sich der Betreiber nach alternativen Energieformen um. „Wir haben jetzt Infomaterialien für Photovoltaik bei Energiebetrieben angefordert und sehen dann mal weiter“, sagt Barth.

Abwarten angesagt

Auch Mario und Silvia Lutz, Inhaber und Betreiber von Efitiv, einem Frauenfitnessstudio in Speyer, wollen erst einmal noch abwarten. Dem Ehepaar ist es wichtig, die Unsicherheit nicht auf die Kundinnen zu übertragen. „Wir haben in den Lockdowns versucht, die Zeit für uns zu nutzen“, erzählt Lutz. Deswegen sei viel umgebaut worden. „Wir sind wirtschaftlich mit einem Verlust da heraus gegangen, aber wir konnten trotzdem viel aus der Krise mitnehmen, auch wenn wir Kundinnen verloren haben“, bilanziert Lutz. Mit Blick auf die steigenden Energiekosten will das Ehepaar Ruhe bewahren.

„Wir versuchen das zu kompensieren und schauen uns das erstmal an“, sagt Lutz. Es sei nicht geplant, die Studiopreise wegen steigender Energiekosten zu erhöhen. Für Neukunden gebe es ohnehin andere Konditionen. Bei sehr alten Verträgen wolle das Paar sich Gedanken machen. „Wir haben mittlerweile ein viel größeres Leistungsspektrum und sehr viel investiert, das muss sich in den Beiträgen widerspiegeln. Die Gesundheit ist unser aller Kapital und dessen Wert müssen wir verstehen“, findet Lutz.

Sauna läuft nicht mehr durch

Dem stimmt Günter Dreher, der Geschäftsführer vom Tonus Sportsclub in Frankenthal zu. Auch er sieht die Gesundheit als wichtiges Gut. „Dafür muss man auch gar nicht ins Fitnessstudio, auch wenn das für mich als Betreiber gut wäre“, findet Dreher. Wie seinen Kollegen in der Branche hat auch ihm Corona zu schaffen gemacht.

„Wir hatten sehr zu knabbern und es hat schon mal mehr Spaß gemacht, in dem Bereich zu arbeiten“, sagt Dreher mit Blick auf die Pandemie. Auch er macht sich wegen der steigenden Kosten Sorgen. Preise erhöhen will er aber nicht. „Das ist gegen unsere Philosophie. Laufende Mitgliedschaften lassen wir in Ruhe“, sagt Dreher. Er verstehe das als eine Art Treuebonus und ist dankbar für langjährige Mitglieder, die ihn auch durch die vergangenen Jahre hinweg unterstützt hätten. Ebenso blieben die Konditionen für Neukunden unangetastet.

Gut für die Umwelt

„Wenn die Lebenshaltungs- und Energiekosten immer weiter steigen, können wir jetzt nicht noch drauflegen“, sagt Dreher. Deshalb will er Energie sparen. Besonders bei den Saunen sieht er Potenzial. Daher wird ein Teil der Saunen nur nach vorheriger Anmeldung der Kunden eingeschaltet. Früher liefen die Saunen den ganzen Tag. „Damit sparen wir Energie, ohne den Leistungsumfang einzuschränken und es ist auch noch gut für die Umwelt“, unterstreicht Dreher. Bisher werde die Idee von den Kunden begrüßt. Sollte dies so bleiben, will das Studio an dem Konzept festhalten, selbst wenn die Energiepreise wieder sinken. Das sei das einzig Positive an der Situation: Die Leute seien umweltbewusster und würden Energie und Ressourcen sparen, sagt Dreher.

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