Ludwigshafen
Fit im Alltag: Eine Gymnastikübung für die Wartezeit am Bahnsteig
Hauptbahnhof Mannheim, 6.30 Uhr, 3 Grad über Null. Der Intercity-Express nach Basel lässt auf sich warten. Zehn Minuten Verspätung kündigt die Anzeigentafel an. Es ist kalt an diesem Donnerstagmorgen. Und jetzt kommt Ulla Walther-Thiedigs Übung ins Spiel. „Ich nenne sie auch meine Bahnhofs- oder Haltestellenübung. Wir machen sie gerne am Anfang einer Gymnastikstunde zum Aufwärmen, aber sie eignet sich auch genauso, wenn man am Bahnhof auf den Zug wartet“, sagt „Mrs. Sportabzeichen“ schmunzelnd.
Erst aufwärmen, dann der nächste Schritt
Zunächst geht die 78-Jährige auf der Stelle, um die Füße zu mobilisieren und die Beweglichkeit der Sprunggelenke zu erhöhen. „Ganz locker in den Beinen bleiben, aufrecht stehen“, erklärt die Übungsleiterin. Die Arme lässt Walther-Thiedig dabei entspannt hängen. Im zweiten Schritt folgt die Steigerung. „Ferse, Ballen, Ferse, Ballen und die Arme mitschwingen“, erläutert sie diesen Teil der Übung, der ebenfalls wieder auf der Stelle ausgeführt wird. Der Stand ist nach wie vor aufrecht, die Füße stehen hüftbreit auseinander. Wechselseitig hebt sie dynamisch bei einem Fuß die Ferse an und beim anderen Fuß den Ballen. Die Arme werden gegengleich mitgenommen. Zehn bis 15 Mal bewegt sie die Füße auf und ab.
„Spätestens jetzt sollte man aufgewärmt sein und kann weitermachen“, sagt die Maudacherin. Die Arme hebt Walther-Thiedig jetzt in U-Form an, Ellenbogen und Schultern sind in etwa auf einer Höhe. Dabei stellt sie sich eine fiktive Linie vor und setzt einen Fuß vor den anderen, Ferse an die Zehen, Schritt für Schritt – fünf Mal hintereinander. „Die Schultern führen wir dabei nach hinten“, sagt sie. Und danach geht es in umgekehrter Richtung weiter, nämlich rückwärts. Während jetzt ein Fuß hinter den nächsten gesetzt wird, bleiben die Arme weiterhin in U-Form, dieses Mal aber bewegen sich diese nach vorne – ähnlich dem „Butterfly“.
Für alle Übungen wichtig: ein aufrechter und stabiler Stand, das Brustbein ist bei allen Übungen aufgerichtet, der Blick geht nach vorn. Stabilisation für den gesamten Körper, Gleichgewichtssinn und Koordination stehen bei dieser letzten Übungsabfolge im Mittelpunkt, betont Walther-Thiedig, die mit ihren 78 Jahren nach wie vor fit ist wie ein Turnschuh.
Von Kindesbeinen an sportbegeistert
Der Terminkalender der ehemaligen Top-Leichtathletin (Mehrkampf, Hürden) ist immer noch prall gefüllt. Ob Stabilisationsgymnastik bei der BASF, Sportabzeichentraining in der Ludwigshafener Leichtathletikhalle, Organisation der Sportabzeichen-Saisoneröffnung oder des Last-Minute-Sportabzeichens – Walther-Thiedig ist ein „Hans Dampf in allen Gassen“. Vielleicht auch, weil sie von Kindesbeinen an regelmäßig und immer voller Begeisterung Sport treibt. Selbst beim Warten auf den Zug oder den Bus kann sie nicht still stehen und baut ihre kleinen Übungen ein.