mannheim
Filmjuror Christoph Bach im Gespräch
Insgesamt neun Auszeichnungen werden beim 71. Internationalen Filmfestival Mannheim-Heidelberg vergeben. Über die Hauptpreise entscheidet eine prominente Jury: die Filmemacher Mohsen Makhmalbaf und Antoinette Boulat sowie der Schauspieler Christoph Bach.Der Iraner, die Französin und der Schwabe haben ihre Wahl bereits getroffen. Ganze 16 Filme, die im Wettbewerb „On the Rise“ miteinander konkurrieren, haben sie sich angesehen und entschieden, wer den International Newcomer Award für die beste Regie und den Rainer Werner Fassbinder Award für das beste Drehbuch erhält. „Es gab lebhafte Diskussionen, aber am Ende kamen wir dann doch relativ schnell zu einer Einigung“, berichtet Christoph Bach, der sich sehr angetan von der „unglaublich tollen“ Programmauswahl zeigt. Der 47-jährige Schauspieler („Dutschke“, „Die ALDI-Brüder“) besucht das Festival nicht zum ersten Mal, aber „für mich war es das erste Mal in einer Jury bei einem Wettbewerb dieser Größe“, erklärt er.
„Wir haben alle Filme im Kino gesehen“, teilweise „zusammen mit dem Publikum in vollen Sälen“, lobt Bach die optimalen Voraussetzungen für die Arbeit der Fachjury, die sich bei anderen Festivals schon mal mit Streaming-Links auf dem Laptop begnügen muss. „Es war einfach toll, wieder im Kino zu sein. Vor allem nach der Entwöhnung in der Corona-Zeit.“
Verantwortung beim Urteilen
Dabei sei es durchaus etwas anderes, Filme sozusagen unbehelligt als Kinogänger zu betrachten oder, wie nun, verbunden mit der Aufgabe, gerecht über sie zu urteilen. Schließlich geht es nicht nur ums Prestige, sondern außerdem um das Preisgeld: 30.000 Euro, die mit dem Newcomer Award beziehungsweise 10.000 Euro, die mit dem Fassbinder Award verbunden sind. Wie man mit dieser Verantwortung umgeht, lernte der gebürtige Reutlinger in den vergangenen Mannheimer Tagen.
„Man kennt es natürlich, wenn man mit Freunden ins Kino geht, dass man sich danach sofort auch leidenschaftlich über einen Film unterhält. Als Mitglied einer Jury habe ich es aber nochmal anders wahrgenommen. Es ist tatsächlich eine noch intensivere gegenseitige Befragung und Selbstbefragung zugleich. Man prüft noch einmal genauer nach, was Filme mit einem machen und warum sie das tun“, erläutert Bach. Mit den beiden anderen Kollegen, der Casting-Direktorin Boulat, deren Regie-Debüt „Ma nuit“ im vergangenen Jahr in Mannheim-Heidelberg ausgezeichnet wurde, und dem bereits vielfach preisgekrönten Exil-Iraner, Autorenfilmer und Menschenrechtsaktivisten Makhmalbaf, sei gut reden und diskutieren gewesen. „Wir waren eigentlich die ganze Zeit miteinander im Austausch.“
Wenn Filme berühren
Ein wichtiger Maßstab, den er bei seinen freien Entscheidungen angelegt habe, sei die Frage, ob die einzelnen Werke ihn nachhaltig beschäftigten. „Also, denke ich noch nach Tagen an diesen Film? Werde ich ihn nicht los, diesen Film?“, wie Bach formuliert. „Und dann zu fragen, aus welchen Gründen ist er bei mir geblieben? Warum hat er mich so berührt oder sogar verstört?“ Filme zu sehen, bedeute für ihn, „oft auch etwas zu erleben, das ich vorher so nicht kannte“, erläutert der Schauspieler, der auch mehrere Semester Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft studiert hat. „Gar nicht so sehr nach den Sachen gucken, die mich sofort eins zu eins bestätigen, sondern nach denen, die mich wirklich herausfordern und von denen ich etwas lernen kann. Ich habe versucht, nicht sofort etwas zu bewerten und mich selbst auch zu vergessen. Also, mit Offenheit und Neugier ins Kino zu gehen.“
So gut waren seine Erfahrungen, dass er auch er über die 16 Filme, die er verpflichtend anzusehen hatte, hinaus die Mannheimer Festivalkinos besucht. „Es kann einfach ein großes Erlebnis sein, ins Kino zu gehen. Das war wieder mal mit das stärkste Gefühl, das ich in der vergangenen Woche hatte.“ Christoph Bach selbst wird Anfang nächsten Jahres in der Kinokomödie „Die Amitié“ zu sehen sein, als Sohn, der sich um seinen dementen Vater kümmert, und schon davor im zweiteiligen TV-Höhlendrama „Riesending - Jede Stunde zählt“, der zwischen den Jahren im Ersten läuft. „Da spiele ich einen Höhlenforscher.“