Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Feuer im U-Bahn-Tunnel

Ausgebrannt: der Bagger im C-Tunnel unter dem Rathaus.
Ausgebrannt: der Bagger im C-Tunnel unter dem Rathaus.

Ein Bagger ist in einem stillgelegten Tunnel unter dem Rathaus ausgebrannt. Deswegen ist der Straßenbahnverkehr am Donnerstag zeitweise eingestellt worden. Die Brandursache wird noch ermittelt.

Der Brandgeruch ist bereits wahrnehmbar, wenn man die Haltestelle Rathaus vom Rathausplatz her betritt. Feuerwehrschläuche werden am Morgen wieder eingerollt. Überall sind kleine Wasserpfützen. Es geht hinunter zur Straßenbahnhaltestelle, wo ein halbes Dutzend Feuerwehrleute gerade Pause macht. Neben ihnen steht ein riesiger Ventilator – er dient zur Entrauchung. Durch eine Tür geht’s eine Etage tiefer. Hier ist der C-Tunnel. Relikt einer Zeit, als Ludwigshafen noch Geld hatte und von einem U-Bahnsystem träumte. Aus Kostengründen wurde das Projekt eingestellt, und der Tunnel ist mittlerweile auch stillgelegt. Hier steht nun ein ausgebrannter Bagger.

Durch die Hitze wurde auch die Decke beschädigt.
Durch die Hitze wurde auch die Decke beschädigt.

Die Feuerwehr wurde kurz nach 3.30 Uhr alarmiert, weil Rauch aus dem Tunnel drang. Der Qualm breitete sich durch das Tunnelsystem unterirdisch kilometerweit aus – bis zum Hauptbahnhof Ludwigshafen und der Zollhofunterführung im Hemshof, wie der Technische Einsatzleiter der Feuerwehr, Marc-André Schöttner, vor Ort weiter mitteilt. Der Löscheinsatz in dem stillgelegten Tunnel sei für die Wehrleute eine körperliche Herausforderung gewesen. Durch den brennenden Bagger entwickelte sich eine enorme Hitze, und der Qualm nahm die Sicht. Es gelang den Feuerwehrleuten, die Atemschutzmasken trugen, die Baumaschine rasch zu löschen. Doch die Entrauchung des Tunnelsystems nahm einige Stunden in Anspruch. Die Feuerwehr musste dafür auch die Tore aufflexen, mit denen der stillgelegte Tunnel verschlossen war. Bis zu 50 Männer waren im Einsatz. Verletzt wurde niemand.

Mit Ventilatoren wurden die Tunnel entlüftet.
Mit Ventilatoren wurden die Tunnel entlüftet.

Tunneldecke beschädigt

Der Bagger bietet ein Bild der Verwüstung. Zusätzlich zu den Reifen hat die Baumaschine auch Achsen mit Rädern, mit denen sie sich auch auf Schienen fortbewegen kann. Der Bagger war hier im Einsatz, um Leitungen und Versorgungsschächte zu beseitigen. Eine von vielen Vorbereitungen auf den anstehenden Abriss der Hochstraße Nord. Der Greifarm hat wenig abbekommen. Das Führerhaus ist jedoch völlig ausgebrannt. Die Fahrertür steht offen. Es riecht nach Ruß und verschmortem Kunststoff. Durch die enorme Hitze ist die Deckenverkleidung geschmolzen, und Teile der Betondecke sind abgeplatzt.

Der Technische Einsatzleiter Marc-André Schöttner .
Der Technische Einsatzleiter Marc-André Schöttner .

Das ist ein Problem: Eine Etage höher fahren tonnenschwere Straßenbahnen. Ein Dutzend Experten in gelben und orangefarbenen Warnwesten sind am Brandort und beraten. Ein Statiker soll beurteilen, ob der C-Tunnel durch die Brandschäden einsturzgefährdet ist oder nicht. Die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) hat am Morgen die Strecke bis auf Weiteres gesperrt. Bei einigen Fahrgästen am Berliner Platz herrscht Verwirrung. Es gibt Lautsprecherdurchsagen. RNV-Mitarbeiter sind vor Ort, um die Umleitungen zu erklären. Die Straßenbahnlinie 7 zwischen Oppau und Berliner Platz, die an der BASF entlang führt, fährt erst einmal nicht mehr. Ein Busersatzverkehr ist eingerichtet worden.

RNV-Personal informiert die Fahrgäste am Berliner Platz über Umleitungen.
RNV-Personal informiert die Fahrgäste am Berliner Platz über Umleitungen.

Keine Einsturzgefahr

Es gibt bei den Verantwortlichen am Vormittag viele sorgenvolle Gesichter. Denn es steht ein Szenario im Raum: Falls die Tunneldecke so stark beschädigt wäre, dass für die darüberliegende Straßenbahnebene Einsturzgefahr besteht, hätte dies gravierende Folgen. Die Haltestelle Rathaus ist ein wichtiger Knotenpunkt im Nahverkehr. Der Norden von Ludwigshafen und damit auch die BASF wären vom Straßenbahnverkehr abgehängt.

Hier ist der Eingang zu den unterirdischen Haltestellen.
Hier ist der Eingang zu den unterirdischen Haltestellen.

Gegen 13 Uhr kommt dann die Entwarnung: Die Haltestelle Rathaus ist für den Straßenbahnverkehr wieder freigegeben. Die Linien 6 und 7 dürfen die Strecke wieder benutzen, der Busersatzverkehr wird eingestellt, teilt die RNV mit. Gegen 16 Uhr bestätigt auch die Stadt, dass keine Einsturzgefahr vorliegt und der Brandbereich abgesichert worden ist. „Die Aufräumarbeiten werden noch geraume Zeit in Anspruch nehmen“, teilt die Verwaltung mit.

Polizei ermittelt

Auch die Polizei beschäftigt der Brand. Denn vorerst ist unklar, was das Feuer in der Nacht ausgelöst haben könnte. Die Bauarbeiter hatten da schon lange Feierabend gemacht. Speziell geschulte Brandermittler der Kripo fahren vor Ort, um zu beurteilen, ob ein technischer Defekt oder Brandstiftung die Baumaschine in Flammen aufgehen ließ. Mit einer Aussage dazu ist erst in den nächsten Tagen zu rechnen. „Die Ermittlungen dauern an“, heißt es am Nachmittag aus dem Polizeipräsidium.

Fest steht: Die Tunneleinfahrt versperrt ein Eisentor, das auch in der Nacht verschlossen war. Es gab in dem Bereich schon häufiger Probleme mit Vandalismus. In einer ersten Schätzung beziffert die Polizei den Schaden auf mehrere Hunderttausend Euro.

Seit 2008 dicht

Zum letzten Mal ist hier im Dezember 2008 die Linie 12 gefahren, die dann eingestellt wurde. Der C-Tunnel war Teil der Pläne für ein 35 Kilometer langes U-Bahn-System, das aus Kostengründen nicht fertig gebaut wurde. Lediglich fünf Kilometer Tunnel entstanden, drei davon sind noch in Betrieb. Der Rolltreppenabgang von der Straßenbahnhaltestelle Rathaus auf die C-Ebene ist längst ummauert und dadurch fast unsichtbar. Nur eine unscheinbare Stahltür führt hinunter zu dem stillgelegten Gleis, wo es gebrannt hat.

Die Straßenbahneinfahrt unter das Rathaus-Center.
Die Straßenbahneinfahrt unter das Rathaus-Center.
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