Ludwigshafen Fetter Sound

Schüttel dein Haar: die Rhythmusabteilung von Lowest Creature.
Schüttel dein Haar: die Rhythmusabteilung von Lowest Creature.

„Ein schöner Tag im Freien“, das Punk- und Hardcore-Festival in Ludwigshafen, hat in diesem Jahr internationale Gäste präsentiert: Zwei Bands aus Schweden und eine aus den USA sind in der Unterführung der Pasadena-Allee vor dem Hauptbahnhof aufgetreten. Und dann gab es noch Bands aus Deutschland und der hiesigen Region.

Lowest Creature ist eine fünfköpfige Band aus Schweden, die gerade ein Album veröffentlicht hat. „Misery Unfolds“ heißt das Werk, das seit Anfang des Monats im Handel ist. Mit gleich zwei Gitarren ist der Sound auch in der Ludwigshafener Unterführung schon sehr fett. Dann kommen noch Bass und Schlagzeug dazu und natürlich der Gesang. Die Band wurde 2013 gegründet und ist in ganz Europa bei Metal- und Hardcore-Festivals schon aufgetreten. Musikalisch geht es schnell und sehr direkt zur Sache. Stilistisch bewegt sich Lowest Creature eher im Thrash-Metal Genre. Das Headbangen der Band passt da auch gut dazu. Obwohl hier die Schnittmenge zum Hardcore sehr groß ist, wirkt das Publikum zurückhaltender als bei den bekennenden Punkern, die später noch kommen. Das heißt nicht, dass die Schweden nicht gut ankommen – aber die Zuhörer wackeln eher stehend mit. Das ändert sich deutlich, als Spirit Crusher am Start sind. Die sind aber auch aus der Gegend und gut bekannt. Da geht buchstäblich der Punk ab. Die Band hat sich dem „alten“ New York Hardcore der 90er-Jahre verschrieben. Dazu kommt ein Einfluss der Straight-Edge-Bewegung. Diese entstand als Reaktion auf die selbstzerstörerische „No Future“- Haltung des Punk. Straight Edge, zu Deutsch etwa „klare Kante“, bedeutet, auf Drogen aller Art zu verzichten. „Don’t smoke, don’t drink, don’t fuck“, heißt das Motto der Straight Edger, das aus einem Song aus der Entstehungszeit der Bewegung in den 80ern stammt. Mit klarem Kopf kann man erst recht tanzen und das ist auch bei Spirit Crusher zu erleben. Da gibt es einige „Stomper“, die vorgebeugt und mit weit schwingenden Armen auf der Stelle stampfen, aber es entsteht auch immer wieder eine Mosh Pit mit Pogo Tänzern. Da gehört der Körperkontakt dazu, es wird gerempelt und geschubst, während die Tänzer wie Flipperkugeln umeinander und gegeneinander wirbeln. Mannheim und dort das Jugendzentrum Friedrich Dürr, gilt als wichtiger Treffpunkt der Straight Edge Hardcore Szene. Dort gibt es eine ganze Reihe Bands, die stark miteinander vernetzt sind und beharrlich ihren Musikstil pflegen. Spirit Crusher haben beim britischen Label The Essence eine EP veröffentlicht und sind bereits europaweit aufgetreten. Hysterese sind vier Musiker aus Mannheim, Stuttgart und Tübingen, die im März ihr drittes Album veröffentlicht haben, es heißt, wie die beiden vorigen, wie die Band: Hysterese. Die Gruppe gibt es seit gut zehn Jahren. Ungewöhnlich ist der Gesang, den Helen und Moritz wechselnd oder zusammen übernehmen. Musikalisch ist das Ganze immer noch sehr schnell und gerade, aber es werden etwas mehr Melodik und auch ein paar mehr Akkorde eingesetzt als beim üblichen Hardcore. Man kann durchaus etwas Independent und Alternative der 90er hören, nur halt verdichtet und etwas eiliger im Tempo. Weitere Bands des Festivals waren Scavengers aus Albany, New York mit Crust Punk. Hardcore im Boston Stil spielten Total Reality, deren Musiker aus Leipzig, Berlin und Mannheim kommen. Outstand war die zweite schwedische Band. Sie brachte Hardcore aus Göteborg. Punk Rock aus München gab es mit Urbaner Verschleiss. Etwa 200 Besucher kamen zu dem fünfstündigen Ereignis, das wieder keinen Eintritt kostete. Michael Dester, Organisator und zweiter Vorsitzender des Vereins Klanghaus Ludwigshafen, will das Festival auch in Zukunft jährlich stattfinden lassen. Ob das beim Abriss der Hochstraßen noch unter der Pasadena-Allee möglich sein wird, ist eher fraglich. „Mit dem Festival können wir auch woanders hin, schwieriger wird es mit den Proberäumen in der Unterführung“, sagt Dester. Fünf Räume gebe es hier, die sich zehn Bands teilen. Der Verein hoffe, hierfür Ersatz zu finden. Anfragen an alle Ratsfraktionen seien bislang ergebnislos geblieben.

Inbrünstig: Spirit Crusher lässt mitsingen.
Inbrünstig: Spirit Crusher lässt mitsingen.
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