Ludwigshafen Federleicht fliegen

Fabelhafte Technik: Posaunistin Shannon Barnett.
Fabelhafte Technik: Posaunistin Shannon Barnett.

Zum dritten Mal gastierte Shannon Barnett in Mannheim, zum zweiten Mal in der IG Jazz-Reihe in der Klapsmühl’ am Rathaus. Die australische Posaunistin spielte mit ihrem Quartett und begeisterte das Publikum mit avanciertem Modern-Jazz der ganz feinen Art.

In Australien und New York hat die Posaunistin Jazz studiert, spielte in diversen Formationen, darunter dem Australian Art Orchestra, in Bands mit Kurt Rosenwinkel und Charlie Haden oder im Sextett von Paul Grabowsky. Ihre Vielseitigkeit stellte Barnett nicht zuletzt bei Weltmusik-Projekten unter Beweis. Seit vier Jahren ist sie Posaunistin der WDR Big Band Köln und hat mit hervorragenden Musikern aus der Kölner Jazzszene ihr Quartett gegründet. Das Bluesgefühl ist Grundlage des Spiels der Posaunistin, in dem sie Beredtheit mit glühender Gesanglichkeit durchmischt. Mit dem Tenorsaxophonisten Stefan Karl Schmid hat sie einen starken Partner an ihrer Seite, einen Meister der schmiegsam glühenden Tonformung. Motive aus „Sophisticated Lady“ inspirierten Shannon Barnett für ihre Komposition „Man in a Restaurant“: eine kantable, elegante Nummer, mit wunderschön gleitenden, gegenseitig sich umschlingenden Linien der beiden Blasinstrumente. Für avancierte Jazzmusiker sind die Kompositionen von Thelonious Monk eine beliebte Inspirationsquelle. Shannon Barnett hat den Monk-Klassiker „Evidence“ ins Programm genommen: Über der wunderbar swingenden Basis von David Helm (Bass) und Fabian Arends (Schlagzeug) breitete Schmid das zerklüftete Originalthema in einer sehr lyrischen Version aus, und die Posaunistin gab der Nummer gleichfalls eine eigene Note, als sie die kreuz und quer laufenden Linien in leichtgängiger Virtuosität durchjagte. Wie sie das macht, ist immer wieder atemberaubend, spielt ihre Posaune mit einer behänden Geschmeidigkeit und Schnelligkeit, wie man dies höchstens von einer Trompete gewohnt ist. „Chasing the Second“ heißt eine weitere Nummer der Posaunistin, in der es um die Jagd nach einem zweiten Bier geht. Federleicht und knackig ließ die Posaunistin ihre Improvisationslinien dahinfliegen und wieder in schwebenden Klängen zum Stillstand kommen. Eine fabelhafte Technik ermöglicht es dieser Musikerin, virtuose Gelenkigkeit und eine Vielzahl an Klangschattierungen zu verbinden. Die Sumpflandschaft von Louisiana sah man im Nebel dampfen bei „PJ 3“, einer bluesig schwülen Nummer, die schön surreal dahinglitt. Die meisten Kompositionen sind auf Shannon Barnetts neuer CD „Hype“ (Double Moon Records) enthalten, auch das Titelstück wurde in Mannheim vorgestellt. Bei den krausen Septsprüngen hat unüberhörbar Thelonious Monk Pate gestanden.

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