Ludwigshafen Federkiele, Tintenfässer und die gute alte Schreibmaschine

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Kennt ihr das, wenn man nach der Schule Tintenkleckse an den Fingern hat, weil man so viel schreiben musste? Da ist es schon praktischer, wenn man am Computer einen Text tippen kann. Einen Tintenkiller braucht man da nicht, um Fehler zu verbessern. Und es meckert auch niemand über die Schrift. Die ist ja immer einheitlich. Jeder Buchstabe sitzt, wie er soll und nichts ist verschmiert. Aber das war nicht immer so. Aber ich muss vorne anfangen: Vergangene Woche war ich in den Gemeindebibliothek in Mutterstadt. Ich lese ja so gern und habe Nachschub gebraucht. Ein bisschen gewundert habe ich mich schon, als ich reinkam: Da stehen derzeit Schreibmaschinen rum. So richtig alte wie meine Oma Nagute noch eine auf dem Speicher stehen hat. Ich habe natürlich sofort die Bibliotheksleiterin Birgit Bauer gefragt, was die alten Schreibgeräte zwischen den Büchern sollen. Das sei eine Ausstellung, hat sie mir erklärt und mich direkt mal rumgeführt. Ich kann euch sagen, das war richtig spannend, was Birgit Bauer mir da erzählt hat. Das Schreiben hat sich in den vergangenen 100 Jahren wirklich sehr verändert. Früher haben Kinder in der Schule auf Schiefertafeln schreiben gelernt. So wie der Lehrer mit Kreide an die Tafel schreibt und alles wegwischen kann, war das bei ihnen auch. Nur, dass sie einen Griffel, einen feineren Stift, benutzt haben. Und was sie weggewischt haben, war weg. Im Heft schnell was nachschauen konnten sie nicht. Die Armen! Gut, dass das heute anders ist. Wobei noch nicht mal mehr alle Schüler Hefte haben, hat Birgit Bauer mir erklärt. „Manche schreiben auf Tablets oder am Computer.“ Das mache ich ja nur zu Hause. Ansonsten benutze ich den Füller. Einige besondere Exemplare sind in der Ausstellung auch zu sehen: Einer mit einer goldenen Feder vorn, zum Beispiel. Der war bestimmt teuer. Und sogar Federkiele liegen in einer der Vitrine. Mit denen hat man früher geschrieben, als es noch keine Füller gab. Rund 70 Ausstellungsstücke sind zu sehen. Die haben Bürger aus Mutterstadt der Bibliothek geliehen. Einige Stücke sind wirklich ganz besonders. Das Messingtintenfass mit integriertem Schreibfederhalter aus dem Osmanischen Reich zum Beispiel. Oder die feinen Holzplatten auf denen buddhistische Texte in burmesischer Schrift geschrieben sind. Außerdem gibt es noch Informationen, wie es ganz früher war, also in der Steinzeit, im Alten Ägypten oder in der Antike. Und in den Vitrinen und auf den Tischen sind viele verschiedene Sachen zu entdecken. Alles will ich noch nicht verraten. Ein bisschen Überraschung muss ja sein. Die Idee, anlässlich der Bibliothekstage Rheinland-Pfalz diese Ausstellung anzubieten, kam Birgit Bauer, weil ein Kindergartenkind sie fragte, wann sie die ganzen Bücher in der Bibliothek denn geschrieben habe. Aber sie war das ja gar nicht und hat ihm dann erklärt, wie Bücher entstehen und dachte sich, dass das und das Schreiben selbst doch total interessante Themen für alle sind. „Gerade Handschrift ist etwas ganz besonderes“, findet Birgit Bauer. „Viele Autoren, die hier in der Bibliothek zu Gast waren, haben mir erzählt, dass sie ihre Ideen zuerst auf Zettel aufschreiben und dann erst abtippen.“ Das ist ja ein bisschen wie bei uns Reportern. Wir benutzen auch am liebsten Stift und Papier, wenn wir Informationen sammeln. Über die Zeitung habe ich auch noch einiges gelernt. Das früher mit Bleilettern eine Seite extra gesetzt werden musste, wie eine Druckplatte – so heißen die Vorlagen – aussieht und dass man für einen Farbdruck vier Farbvorlagen braucht. Das ist erst mal alles spiegelverkehrt, damit wir später auch alles lesen können. Weil die Ausstellung so gut ankommt, wird sie bis zum 19. November verlängert. Finde ich gut. Ich glaube, ich muss Oma Nagute mal mit in die Bibliothek nehmen. Die schreibt ja so gerne. Vielleicht holt sie die alte Schreibmaschine ja mal vom Speicher runter. Und wer weiß, vielleicht tippe ich demnächst auch mal was für die Zeitung zuerst da drauf. So wie die Redakteure es früher auch gemacht haben. Immerhin habe ich dann keine Tintenflecken an den Biberpfoten. Noch Fragen? Ausstellung zur Geschichte der Schreibgeräte, Gemeindebibliothek Mutterstadt, Ludwigshafener Straße 3. Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr; Mittwoch und Samstag von 10 bis 12 Uhr. Im Netz: www.gemeindebibliothek.mutterstadt.de. |cju

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