Ludwigshafen
Faustball: Wie der vielseitige Timo Bernhardt zwei Sportarten miteinander verbindet
Angefangen hat der Sportler Timo Bernhardt mit Handball. Bereits im Vorschulalter begann er bei der TSG Friesenheim. Der Weg dorthin war vorgeprägt. Sein Vater war Trainer und spielte selbst. Und sein älterer Bruder spielt noch heute für die TSG Friesenheim in der dritten Garnitur. Erst zum Ende seiner Grundschulzeit in der Goethe-Mozart-Schule in Oppau kam Timo Bernhardt mit dem Faustball in Berührung. „Vorher war mir der Sport völlig unbekannt“, sagt Bernhardt. Mitschüler hätten ihn gefragt, ob er nicht mit ins Training wolle. „So ist alles ins Rollen gekommen“, erinnert er sich.
Einige Zeit hatte er die beiden Sportarten kombinieren können und betrieb sie parallel. Der Faustball spielte jedoch noch eine untergeordnete Rolle. „Das Training habe ich damals nicht regelmäßig besucht“, gibt der Geschäftsführer zu. Bei der TSG spielte der heute 29-Jährige im zentralen Rückraum. Bis 2014 war er sowohl Faustballer als auch Handballer. Dann entschied er sich für den Faustball. „Es war ein zeitliches Problem“, erklärt Bernhardt seine Wahl. Ein Grund dafür war sicher der Erfolg, den er im Faustball hatte. „Mit der U14 und der U16 war ich auf deutschen Meisterschaften. Mit dem Handball kommt man nicht so weit“, verdeutlicht Bernhardt.
Einen großen Anteil an seiner Entscheidung für den Faustball dürfte Kurt Sauvage, der Großvater seines heutigen Trainers Matthias Bog, gehabt haben. „Er hat mich gefördert“, sagte Bernhardt. Auch der Umgang untereinander gefiel ihm beim Faustball. Schon damals verstand er sich super mit Trainer Matthias Bog. Schon lange sind die beiden nicht nur Trainer und Spieler. „Er einer meiner besten Freunde“, erklärt Bog.
Saarderby vor 1200 Fans
Dass die beiden sich auch abseits des Spielfeldes verstehen, zeigt sich mindestens zweimal im Jahr. Dann kümmern sich die zwei um Urlaube. „Er betreut mit mir die Freizeiten, egal ob Sommer- oder Skifreizeit. Er ist immer eine helfende Hand, wenn es um Organisation geht. Timo ist auch so ein Vereinsmeier, wie ich“, sagt Bog schmunzelnd.
Seit 2011 sei er bei den Freizeiten mit dabei, berichtet Bernhardt. Sie sind ihm besonders wichtig. „Da wir damit die Gemeinschaft fördern und man sich auch außerhalb vom Sport trifft“, erklärt der Sportler. Doch bei all dem Engagement vergisst Bernhardt nicht seine zweite Leidenschaft. Dem Handball hat er sich noch immer verschrieben – doch nicht als Spieler.
Bernhardt ist bereits seit 2009 Schiedsrichter. Zusammen mit Lars Zick, den er auf der Schiedsrichter-Ausbildung kennenlernte, leitet er die Spiele. „Das hat auf Anhieb gepasst“, erklärt der Faustballer. Angefangen haben sie mit Partien weiblicher Jugendmannschaften. „Mittlerweile pfeifen wir Drittligaspiele“, berichtet Bernhardt.
Da gilt es, auch mal weite Strecken auf sich zu nehmen. „Wir fahren quer durch Deutschland. Die weiteste Strecke war Fürstenfeldbruck. Wir waren auch schon in Hagen, Augsburg und Dachau“, erzählt Bernhardt. Besonders gerne erinnert er sich an ein Saarderby vor drei Jahren zwischen der VTZ Saarpfalz und Illtal. „Die Halle war mit 1200 Zuschauern voll“, berichtet er.
Bernhardt versucht diese Partien zu genießen. Es sei eine Ehre für ihn, Spiele zu leiten. Dahinter steckt aber auch viel Arbeit. Vor jeder Partie analysieren die beiden Schiedsrichter Videos von den Mannschaften und schauen auf auffällige Spieler, erklärt Bernhardt. Diese Videoanalyse dauere knapp zwei Stunden.
TBO hat hohen Stellenwert
Mit der Schlusssirene ist die Arbeit für Bernhardt jedoch keinesfalls vorbei. „Dann beginnt die Nachbereitung. Ich schaue das eigene Spiel noch einmal an und betreibe eine Fehleranalyse“, erklärt er. Bei manchen Spielen müsse er besondere Szenen in einem Online-Datenprogramm erfassen. Darunter fallen beispielsweise Rote Karten.
Doch auch das ist noch nicht alles. Zweimal im Jahr muss Bernhardt sich den sportlichen Schiedsrichterprüfungen stellen. Im Sommer- und Winterlehrgang muss er an einem Ausdauerlauf und an einem Intervalllauf teilnehmen. Zudem muss er einen Regeltest bestehen. „Aber der ändert sich nie“, sagt Bernhardt.
Obwohl er viel Zeit in den Handball investiert, verliert Bernhardt den Faustball nicht aus den Augen. Er achtet darauf, keine Spiele des TBO zu verpassen. Auch deswegen sind seine Ambitionen eher gering, noch höher zu pfeifen. Wie lange er das noch machen kann, weiß er allerdings nicht. Das hänge auch von seinem Schiedsrichterpartner ab.
Klar ist jedoch, dass er sich auch weiterhin Handballspiele anschauen wird. Dann jedoch als Fan. Bevorzugt tut er das in der Friedrich-Ebert-Halle, wo die Eulen Ludwigshafen ihre Heimspiele austragen. „Ich habe eine Dauerkarte und gehe bei jeder Gelegenheit mit meinem Bruder und Vater in die Halle“, berichtet Bernhardt.
Mit seinem Vater und dem Bruder leitet er zusammen eine Firma, die sich auf Zaunsysteme spezialisiert hat. Dort half er bereits während seines BWL-Studiums aus. „Da war mir bereits klar, dass ich in den elterlichen Betrieb gehe“, betont Bernhardt. Das Studium beendete er 2016 mit dem Masterabschluss. Seit 2018 ist er als Geschäftsführer im Unternehmen angestellt.