Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Facebook-Gruppe „Ludwigshafen ist schön“ stellt Fotografien aus

Mit eigenem Werk: Mathias Berkel. Foto: Nicoleta Steffan
Mit eigenem Werk: Mathias Berkel.

Von Andrea Döring „Wir waren echt geplättet“, meint Wolfgang Leibig, einer der LUcation-Veranstalter, angesichts des Besucherstroms bei der Ausstellung „Vuun ,online’ uff die Wäschelein“ in der „Leer.Gut.Halle“ der Firma Berkel in Rheingönheim. Rund 200 Besucher kamen zur Vernissage am Freitag, etwa 350 fanden am Wochenende den Weg in die LUcation, „einem der „außergewöhnlichen Orte für ungewöhnliche Kultur in Ludwigshafen“.

Die gelungensten Bilder aus der Facebook-Gruppe „Ludwigshafen ist schön“ gab es bei Berkel analog im DIN-A4-Format an zahlreiche Wäscheleinen geklammert zu sehen. Wegen des großen Erfolgs kann man die Ausstellung bald an weiteren Orten in Ludwigshafen bewundern.

„Ludwigshafen ist schön!“ Dieser Behauptung stimmt beileibe nicht jeder zu, der in der Industriemetropole lebt oder arbeitet. Als das Satire-Magazin „Extra 3“ Ludwigshafen vergangenes Jahr jedoch zur hässlichsten Stadt Deutschlands kürte, erhob sich Widerspruch. Leibigs Frau Brigitte Jungmann kam nach der Ausstrahlung der Sendung auf die Idee, mit der Facebook-Gruppe ein Wir-Gefühl zu erzeugen. Zeitgleich hatte Mathias Berkel, Chef der Firma Berkel AHK Alkoholhandel, denselben Einfall. Flugs fusionierten die beiden Gruppen.

Über 2000 Facebook-Freunde

In der Facebook-Gruppe „Ludwigshafen ist schön!“ posten nicht nur Ludwigshafener Fotos von den ansprechenden Seiten der Stadt. Über 2000 Mitglieder hat die Gruppe und sie wächst ständig. Hier riefen der Unternehmer Berkel, Wolfgang Leibig, Inhaber des Repro-Zentrums Otto Leibig, seine Frau und die freiberufliche Künstlerin Nicoleta Steffan aus Frankenthal zum Einreichen der schönsten Fotos für eine Ausstellung auf.

„Nicht meckern, sondern machen!“ Dieses Motto eint die Strippenzieher, sie nehmen sich Ludwigshafens Image an. Gemeinsam haben sie 230 von 340 eingereichten Fotos ausgesucht und im DIN-A-4-Format in der Halle auf eine Wäschleine gehängt, wo im Alltag der Firma Berkel große und kleine leere Gefäße auf das Auffüllen mit Industriealkohol warten. Industrieromantik gibt es auf den Bildern zu sehen, die Hochbrücken, aber auch die Parkinsel oder den Ebertpark, Sonnenauf- und -untergänge sind häufige Motive. Viele Tiere und Pflanzen, jedoch wenige Menschen bevölkern die Fotos. Die oft außergewöhnlichen Perspektiven und Belichtungszeiten machen einen ganz neuen, wirklich schönen Blick auf die Stadt möglich und lassen hoffen, dass aus dem Entlein, das sich selbst für hässlich hält, ein stolzer Schwan werden kann.

Unternehmer Berkel: Man muss sich mögen

„Man muss sih selber mögen, damit andere einen mögen“, weiß Unternehmer Berkel. „Wir wollen an der Wahrnehmungsschraube drehen“, sagt er. Bereits rund 2200 Mitglieder der Facebook-Gruppe drehen fleißig mit. „Der Strom reißt nicht ab“, erklärt Leibig. Mit viel Humor reagierte auch die Lukom, Stadtmarketing Gesellschaft der Stadt, auf die Satire-Sendung, die die Wahl Ludwigshafens fälschlicherweise ausgerechnet mit einem Foto aus der Konkurrenz- und Schwesterstadt Mannheim bebilderte. Das Satiremagazin musste nun seinerseits viel Spott ertragen. Filme und Bilder fluteten das Netz. „Negatives kann viel Positives bewirken“, kommentiert Berkel die Gründung der Gruppe. „Die wunderschöne Fotosammlung soll nicht bei Facebook untergehen“, meint Steffan. „Unser Ziel ist, die Fotos für mehr Menschen sichtbar zu machen“, sagen die vier fast unisono.

„Nicht auf den Leerstand in der Fußgängerzone gucken, sondern lieber mal nach oben“, rät Berkel, „das ist wie ein Freilichtmuseum der 50er-Jahre“. Der ungewöhnliche Blick auf Ludwigshafen eint ihn mit dem verstorbenen großen Sohn der Stadt, dem Philosophen Ernst Bloch. „Orte wie Ludwigshafen sind die ersten Seestädte auf dem Land, fluktuierend, aufgelockert, am Meer einer unstatischen Zukunft“, schrieb er. Und zum Anblick des Mannheimer Schlosses im Kontrast zur Walzmühle: „Ein knisternder Akkord zwischen dem Futurum links des Rheins und dem Antiquarium rechts des Rheins.“

Auch wenn Ludwigshafen für manche nicht schön ist, langweilig ist es in der Industriemetropole mit viel Kunst, Kultur und Parks nicht. Berkel, Jungmann, Leibig und Steffan freuen sich über den großen Erfolg. Eine Folgeausstellung ist geplant. Die Einladung des Ortsvorstehers von Ruchheim, Denis Schmidt, für das Ruchheimer Schloss liegt vor. Ein Traum von Leibig wäre es, eine Wäscheleine durch die Rheingalerie zu ziehen. Mit Fotos von Ludwigshafen, traumhaft schön.

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