Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Fünf Generationen an einer Kaffeetafel

Fünf Generationen: Elsa und Karola Bizer, Lisa Schuster mit Amelie, Anja Beickler (von links).
Fünf Generationen: Elsa und Karola Bizer, Lisa Schuster mit Amelie, Anja Beickler (von links).

So ein Foto gibt es nur noch selten: Fünf Generationen versammeln sich in Friesenheim zum Kaffeetrinken. Zwischen der Ururgroßmutter und der Ururenkelin liegen 91 Jahre.

Frauenpower in der fünften Generation. Die kleine Amelie, drei Wochen alt, hat nicht nur Mama und Oma, sondern auch eine Urgroßmutter und sogar eine Ururgroßmutter. Bei Elsa Bizer (91) in Friesenheim versammeln sich die Frauen der Familie zum Kaffeetrinken, Lisa Schuster (25) stillt ihre kleine Tochter. Anschließend guckt Amelie ernst in das Gesicht ihrer Oma Anja Beickler (54), in deren Arm sie sich kuschelt. Deren Mutter, die 73-jährige Uroma Karola Bizer, erzählt aus der Familiengeschichte.

„Die Pille gab es noch nicht. Wir waren auch nicht so gut aufgeklärt“, berichtet sie. Deswegen bekam sie ihre Tochter bereits mit 18 Jahren. Ihrer Mutter ging es ähnlich. „1948, nach dem Krieg, habe ich meine Tochter geboren, 1949 haben wir dann geheiratet“, erinnert sich Elsa Bizer. Weil ihre Mutter noch ein Baby bekam, als Elsa 15 war, durfte sie keinen Beruf lernen. „Ich sollte meiner Mutter helfen“, erklärt sie. Doch das hinderte sie später nicht daran, im Arbeitsleben ihre Frau zu stehen. Als Karola in die Schule kam, fing sie bei der BASF im Büro an, wo sie 33 Jahre lang arbeitete.

555. Kind des Jahres

Karola Bizer war dann die erste Frau in der Familie, die eine Berufsausbildung machen durfte. Kaufmännische Bürogehilfin hat sie gelernt und unter anderem bei der Ludwigshafener Firma Luftbefeuchtung und später im Mannheimer Ordnungsamt gearbeitet. Im Mannheimer Teil der BASF, der Friesenheimer Insel, arbeitet Oma Beickler als elektrotechnische Zeichnerin. Ihre Tochter Lisa Schuster ist die Erste mit Abitur. Mit einer Ausbildung als Fremdsprachliche Sekretärin arbeitet sie bei Clariant als Assistentin der Geschäftsführung. Doch jetzt genießt sie mit ihrer kleinen Tochter die Erziehungszeit. Wie ihre Mutter wohnt sie in Erbesheim-Büdesheim in der Nähe von Alzey. Im Krankenhaus von Kirchheim-Bolanden kam Amelie als 555. Kind des Jahres zur Welt. Und das in der fünften Generation.

„Sie ist sehr brav. Eigentlich schreit sie nur, wenn ich zu langsam bin mit der Milchbar“, erzählt Lisa Schuster mit einem Augenzwinkern. Nach einer Ultraschall-Untersuchung hat sie die Omas zum Kekse-Essen eingeladen. Als die die rosa Füllung sahen, wussten sie Bescheid, dass ein weiteres Mädchen zu erwarten war. Elsa Bizer freut sich: „Es ist gut, dass wir das noch erleben dürfen!“ „Ich bin glücklich und dankbar“, schließt sich Uroma Karola Bizer an. Beickler sieht überhaupt nicht wie eine Oma aus, hat mit der Bezeichnung als Oma aber keine Probleme: „Ich erzähle jedem, der es hören will oder auch nicht, dass ich Oma bin.“ Wie alle einschließlich Amelie in ihrem rosa Strampler hat sie sich schick gemacht. Gleich nach der Arbeit ist sie in die seniorengerechte Wohnung ihrer Oma gekommen.

Auf dem Balkon blühen bunte Blumen. Viele Fotos über der gemütlichen Couch erzählen vom Familienleben. Amelie hat nicht nur eine Ururgroßmutter, sondern sechs Urgroßeltern und sechs Großeltern. „Wir sind eine Patchworkfamilie, eine große Familie mit Zusammenhalt. Das macht mich stolz“, erklärt Beickler. Bei einer so großen Familie gibt es viele Geschenke für die kleine Amelie. Wie Mutter, Oma und Uroma ist sie noch ein Einzelkind. Ob Lisa Schuster diese Tradition bewahren will, lässt sie jedoch offen.

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