Interview
Eulen Ludwigshafen: Was macht Kapitän Freddy Stüber nach dem letzten Spiel?
Spüren Sie in diesen Tagen, dass fast alles zum letzten Mal sein wird?
Nicht wirklich. Die Abläufe sind seit vielen Jahren Routine, dennoch ist mir schon bewusst, dass sich jetzt etwas verändern wird. Solche Situationen kenne ich zwar von Vereinswechseln, aber diesmal ist es natürlich etwas ganz anderes. Mein Fokus wird sich nach vielen Jahren im Profi-Handball nun deutlich mehr auf den Beruf, die Zeit nach dem Leistungssport, verschieben.
Mit Ihrer Rückkehr nach der Handverletzung und dem Sieg gegen TuS Ferndorf haben Sie mit der Mannschaft vorzeitig den Klassenverbleib geschafft.
Das war schon ärgerlich, in dieser Saisonphase einige Spiele wegen solch einer Verletzung pausieren zu müssen. Umso größer war die Freude bei mir. Meine Hoffnung bestand darin, noch einmal rechtzeitig fit zu werden, um mit der Mannschaft aufs Feld zu können. Dass wir mit dem Sieg gegen Ferndorf vorzeitig den Klassenerhalt geschafft haben, damit hatte ich tatsächlich nicht gerechnet. Ich war mir sicher, dass wir keine Schützenhilfe bekommen und die anderen Mannschaften auch ihre Spiele gewinnen würden.
Dementsprechend erleichtert sind Sie jetzt.
Sind wir mal ehrlich. Solch eine Situation, wie wir sie jetzt vor unserem letzten Heimspiel gegen Hüttenberg haben, hatten wir in den letzten Jahren bei den Eulen nicht. Das tut schon gut. Was aber nicht heißt, dass wir zum letzten Mal in der Saison nicht alles raushauen wollen.
Lässt sich die Niederlage beim Tabellenletzten HC Oppenweiler-Backnang damit erklären, dass der letzte Wille nach den kräfte- und nervenzehrenden Wochen fehlte?
Diese Niederlage wollen wir nicht schönreden. Nach der deutlichen Führung in der ersten Hälfte haben im zweiten Abschnitt der Fokus und die Zielstrebigkeit gefehlt, um solch ein Spiel zu unseren Gunsten zu entscheiden. Wir haben es dann in der Schlussphase auch nicht mehr geschafft, das Spiel zu wenden. Das wollen wir am Samstag besser machen.
Das dürfte jetzt zusätzlich Motivation für Ihr letztes Spiel im Eulen-Trikot sein?
Definitiv. Ich wünsche mir zum Abschluss nochmals eine volle Halle, ein intensives und spannendes Spiel und am Ende natürlich einen Sieg.
Da dürfte auch so manche Träne bei Ihnen kommen?
Wir werden sehen (lacht). Ich werde das Arbeiten hier bei den Eulen definitiv vermissen. In den fünf Jahren, in denen ich hier wirken durfte, habe ich stets eine hohe Identifikation gespürt. Die Eulen waren das Umfeld, aber auch, was das Arbeiten angeht, ein Ort, an dem ich mich sehr wohlgefühlt habe. Die Intensität mit dem Verein und mit seinen Fans, das ist hier sehr erfüllend.
Hätten Sie nicht noch ein Jahr weitergemacht?
Doch, die Möglichkeit bestand, daraus machen wir kein Geheimnis. Dass ich jetzt meine Profikarriere beende, das ist ein Ergebnis aus vielen Gesprächen mit den Eulen, die wir geführt haben, als auch mit meinem privaten Umfeld. Letztendlich ist die Entscheidung so gefallen, dass der Fokus auf dem Beruf liegen soll. Das war gemeinsam mit den vorliegenden Rahmenbedingungen bei den Eulen und meinem Anspruch nicht mehr möglich. Irgendwann kommt dieser Schritt. In den letzten Jahren habe ich immer alles dem Sport untergeordnet: die Schule, den Beruf, die Familie, die Geburtstage vieler nahestehender Menschen. Das verändert sich jetzt bei mir.
Wie fällt Ihre Bilanz bei den Eulen aus?
Das ist eine schwere Frage. Ich meine Rolle als erfahrener Spieler, als Leitwolf der Mannschaft, habe ich erfüllt. Mir war aber auch klar, weshalb die Eulen mich zum zweiten Mal nach Ludwigshafen geholt haben. Ich bin nicht der Torjäger, der ständig im Mittelpunkt steht. Mein Job bestand darin, Entscheidungen auf dem Spielfeld zu treffen und zu kommunizieren, sodass die Jungs in der Spur bleiben und besser werden. Dazu gehört auch, einen Schritt zu gehen und junge Spieler an die Verantwortung heranzuführen. Ich glaube, das ist uns als Team durchaus gelungen. Die Mannschaft mit einer Reihe von jungen Spielern lebt auch von der Erfahrungen von Vincent Bülow, Alex Falk und mir.
Seit Jahren wird die sportliche Entwicklung der Eulen von Querelen abseits der Mannschaft geprägt. Bekommt das Team so etwas auch mit?
Natürlich, zumindest über kurz oder lang. Darüber sprechen wir als Mannschaft und unterstützen uns immer wieder, wenn es intern Klärungsbedarf gibt. Grundsätzlich halten wir uns da aber raus und beobachten das aus der Ferne. Wenn es aber Dinge gibt, die uns berühren, dann haben wir die Infos stets aus erster Hand erhalten. Unser Job ist es, uns auf das Unterhaltungsprodukt Handball zu konzentrieren. Das können wir für unsere Fans, aber auch die vielen Kinder, die uns nacheifern wollen, beeinflussen. Alles andere liegt nicht in unserer Hand.
Machen Sie sich ein wenig Sorgen um die Zukunft der Eulen?
Nein, das Produkt Eulen stimmt. Nicht, solange die Halle voll ist, Menschen sich mit dem Verein identifizieren, sich für die Eulen engagieren und sehr viel Herzblut reinstecken. Es gibt einen Trainer, der große Lust hat, hier zu arbeiten. Daher mache ich mir weniger Sorgen. Hier steht eine Handballregion zusammen. Die Eulen sind das Aushängeschild der Stadt und hätten es verdient, wenn die Positiv-Schlagzeilen am Ende überwiegen.
Was bleibt noch von Ludwigshafen?
Vieles, nicht nur Ludwigshafen, auch die Pfalz als Region. Wir werden sicherlich auch künftig so manches Weinfest noch besuchen und Wochenendurlaube einplanen. Schließlich habe ich ein Drittel meiner Profilaufbahn in Ludwigshafen und in der Region verbracht. Ich konnte hier meinen Bachelor bei der BASF machen und bin noch bis Ende des Monats als Trainee bei der Sparkasse Vorderpfalz in Ludwigshafen tätig.
Bald wird sich der Fokus vom Sport auf den Beruf verschieben.
Nach dem letzten Spiel geht es erst mit der Mannschaft am Sonntag früh nach Ibiza und danach werde ich mit meiner Partnerin umziehen.
Es geht wohl nach Hamburg. Was steht beruflich an?
Ja, den Juni werden wir für den Umzug nach Hamburg nutzen, denn schon im April haben wir eine Wohnung im Norden der Hansestadt gefunden und zum 1. Juli beginne ich dann bei Johnson & Johnson, einem Unternehmen für Medizintechnik, meine neue berufliche Aufgabe.
Werden Sie auch weiterhin am Ball bleiben?
Ich habe noch sehr viel Freude am Sport und am Handball. Ich schließe mich der HG Hamburg-Barmbek an, die gerade den Klassenerhalt in der dritten Liga geschafft hat, und möchte mich dort noch fit halten. Mit dem Handball direkt ganz aufzuhören, ist nicht möglich. Nach den vielen Jahren im Profihandball muss ich noch eine Weile abtrainieren, einfach von acht, neun Trainingseinheiten auf null, das geht nicht. Das sollte man vernünftig tun, und das sollte man auch ärztlich überwachen.
Gibt es Pläne, langfristig sich im Handball zu engagieren?
Ich war sieben Jahre im Internat von Eintracht Hildesheim. Ich habe mit 16 Jahren meinen ersten Profivertrag unterschrieben, da liegt es auf der Hand, dass Handball weiterhin ein Teil meines Lebens bleiben wird. Was ich aktuell ausschließen kann, ist ein Engagement als Trainer. Da finde ich die Rollen im Management oder eines Schiedsrichters deutlich reizvoller. Man wird sehen, welche Möglichkeiten der Sport mir noch bieten wird. Die Eulen werde ich sicherlich immer mit einem Auge beobachten.
Zur Person
Frederic Stüber wurde in Salzgitter geboren, er ist 1,94 Meter groß und wiegt 116 Kilogramm. Er ist ledig und von Beruf Industriekaufmann. Er hat zusätzlich den Bachelor in BWL mit Schwerpunkt Management und Führung absolviert. Seit Oktober 2025 befindet er sich als Trainee im Bereich Unternehmenssteuerung bei der Sparkasse Vorderpfalz. Nach seiner Zeit im Internat bei Eintracht Hildesheim, wo er auch sein Debüt in der zweiten Liga feierte, trug er das Trikot des TSV Neuhausen, der Eulen Ludwigshafen, des TV Emsdetten, von Eintracht Hagen und erneut der Eulen Ludwigshafen.