Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Eulen fehlt der Zuschauer-Bonus

Ihre Verbundenheit mit den Eulen zeigen die Kinder des Kinderhauses am Ebertpark auf kreative Weise.
Ihre Verbundenheit mit den Eulen zeigen die Kinder des Kinderhauses am Ebertpark auf kreative Weise.

Ein Fehlwurf von Azat Valiullin in der Schlusssekunde, kollektives Aufstöhnen aller Zuschauer – eigentlich ein ganz normales Handballspiel der Eulen gegen Lemgo. Was fehlt, ist die Verstärkung der Enttäuschung. Denn statt über 2000 Menschen folgen keine 100 dem Bundesligaspiel. Eindrücke aus der Eberthalle.

Es ist eine kleine Erinnerung an vergangene Zeiten. Eulen-Geschäftsführerin Lisa Heßler steht am Eingang und begrüßt die Besucher, natürlich nicht per Handschlag, sondern coronakonform kontaktlos, aber immerhin persönlich. Normalerweise steht die Eulen-Chefin am Eingang zum VIP-Bereich der Eberthalle und begrüßt Sponsoren, Freunde und Unterstützer des Ludwigshafener Bundesligisten. „Das sind immer viele bekannte Gesichter“, sagt sie. Schließlich sind die Eulen nach wie vor ein familiärer Verein. Ein schönes Gefühl. „Auch nach einer schwereren Woche hat man sich hier mit Freunden getroffen.“ Das sei es, was sie während der Heimspiele am meisten vermisst.

„Für die Feuertonne zuständig“

Viele bekannte Gesichter sind es natürlich noch immer, die in die Halle kommen. Ausschließlich sogar, denn statt des VIP-Eingangs steht Heßler vor dem Spiel am Sonntag gegen den TBV Lemgo am Seiteneingang – die üblichen Laufwege in der Halle sind durch das städtische Schnelltestzentrum blockiert – und freut sich über rund 30 Männer und Frauen, die am Vormittag beim Aufbau der Halle mitgeholfen haben und am Nachmittag größtenteils mit Trommeln oder anderen Lärminstrumenten zumindest für ein bisschen akustische Unterstützung sorgen. Multifunktionalisten, wie etwa Christian Hasert (59) und Peter Ackermann (55), die beide, ganz nebenbei, natürlich auch Fanclubmitglieder der Rheinland-Eulen sind. „Ich bin zweiter Vorsitzender des Eulen-Clubs 100, wir sind gemeinsam beim Auf- und Abbau, wir trommeln, und bei einem normalen Heimspiel sind wir für die Feuertonne zuständig“, zählt Hasert auf. „Wir sind die Rückendeckung für die Geschäftsstelle“, ergänzt Ackermann.

Der Aufwand ist nicht geringer geworden

Beide engagieren sich gerne – wie überhaupt alle Helfer mit einem fröhlichen Gesicht in die Halle kommen. Sie wissen, dass es ein Privileg ist, die Spiele hautnah verfolgen zu dürfen und den Hauch eines Schimmers der Spur des ansonsten üblichen Gemeinschaftsgefühls zu erleben.

Heßler ist dankbar für diese Unterstützung. Immerhin ist der Aufwand nicht geringer geworden. Zwar müssen keine Zuschauer betreut und auf die richtigen Plätze gewiesen werden, „aber dafür brauchen wir Leute, die die Tore und die Spielerbänke vor dem Spiel und natürlich auch in der Halbzeitpause desinfizieren. Laut den Bestimmungen müssen wir für jede Mannschaft einen Hygienebeauftragten stellen. Wir haben noch immer eine verpflichtende Security“, zählt sie auf. Für die Fanclubmitglieder hat sich die Tätigkeit hingegen kaum geändert. Sie verteilen oft auf den Sitzplätzen bunte Pappkartons für die Einlauf-Choreographie. Aktuell werden so die gesperrten Plätze markiert.

30 Leute im Helferteam

Rund 30 Leute umfasse das Helferteam, zählt Heßler auf. Hinzu kommen die 15 Pressevertreter auf der Tribüne, drei Fotografen am Spielfeldrand, die gesamte Crew des übertragenden Fernsehsenders mit Kameraleuten, Tontechnikern und Moderator, Offizielle und Verletzte beider Mannschaften und natürlich die Stadiontechnik der Eulen. Die besteht unter anderem aus Hallensprecher Thomas und seinem Sohn Tobias Repp. „Wir geben natürlich Vollgas, aber während des Spiels haben wir die Lautstärke der Zuschauermenge ein wenig angepasst“, erklärt Hallen-DJ Tobias. Die größte Umstellung sei die Musik zur Aufwärmphase beider Mannschaften. „Normalerweise versuchen wir damit die Zuschauer aufzuputschen. Mittlerweile bestimmt die Mannschaft die Lieder.“ Anstelle von Mitklatschrhythmen wabern deshalb harte Elektrobeats durch die Halle. „Und wenn Sky es sagt, dann drehen wir die Lautstärke herunter“, nennt Repp einen weiteren Unterschied zur gewohnten Lärmkulisse.

„Mit Zuschauern mehr Punkte“

Diese habe auch sportliche Auswirkungen, sind sich Hasert und Ackermann sicher. „Wir hätten mit Zuschauern sicher den einen oder anderen Punkt mehr.“ Gegen Wetzlar (27:27, 4. März) wäre beispielsweise auch ein Sieg drin gewesen. Und vielleicht hätte es auch gegen Lemgo (24:25) zumindest zu einem Punktgewinn reichen können, hätten möglicherweise mitfiebernde Zuschauer die Schiedsrichter vom letzten Siebenmeterpfiff abgehalten, oder hätten Lärm und Windstoß von der Tribüne Valiullins letztem Schuss doch noch die richtige Richtung geben können.

So blieb es beim kollektiven Stoßseufzer aus 50 anstatt 2350 Kehlen – und bei der gemeinsamen Hoffnung von Fans und Geschäftsführung. „Es wäre schön, wenn wir wenigstens wieder vor 500 Leuten spielen könnten, wie noch zu Beginn der Saison“, sagen Heßler und Co.

Hendrik Wagner trifft zum 15:19 für die Eulen gegen Lemgo.
Hendrik Wagner trifft zum 15:19 für die Eulen gegen Lemgo.
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