Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Es kriselt in der Marzipanstadt

Der neue 48-jährige Torwart Ariel Panzer (rechts, hier im Gespräch mit Teamkollege Fynn Ranke) konnte dem VfL Lübeck-Schwartau a
Der neue 48-jährige Torwart Ariel Panzer (rechts, hier im Gespräch mit Teamkollege Fynn Ranke) konnte dem VfL Lübeck-Schwartau am vergangenen Freitag im Heimspiel gegen die SG BBM Bietigheim auch nicht zum Sieg verhelfen.

Der VfL Lübeck-Schwartau hatte einmal ehrgeizige Ziele. Die Hanseaten wollten in die Bundesliga aufsteigen. Daraus wurde bislang nichts. Am Freitag, 19.30 Uhr, spielt der aktuelle Zweitliga-16. bei den Eulen Ludwigshafen. Dann wird ein 48-Jähriger zwischen den Pfosten stehen.

Lübeck, die Stadt des Marzipans und mit dem malerischen Holstentor – weiter weg liegt in der laufenden Zweitliga-Saison nur noch Eulen-Gegner Rostock. Kein Wunder, dass sich die Lübecker also wegen der weiten Entfernung von rund 650 Kilometern schon einen Tag vor dem Spiel auf den Weg in die Pfalz gemacht haben. Beim HC Empor im Osten Deutschlands müssen die Ludwigshafener im Übrigen zwei Tage vor Weihnachten noch antreten.

Im Gepäck haben die Lübecker, die die vergangene Saison als Zehnter abschlossen und als Saisonziel für diese Runde die obere Tabellenhälfte ausgaben, eine angespannte Personalsituation. Da hat auch viel mit Trainer Piotr Przybecki zu tun, der seinen Vertrag über die Spielzeit hinaus nicht verlängert hat. Zudem laufen dem Vernehmen nach die Verträge von gleich zwölf Spielern zum Saisonende aus. Kapitän und Linksaußen Finn Kretschmer hat dagegen schon verlängert. Przybeckis Nachfolger steht indes auch schon fest: David Röhrig (30) hat die A-Jugend des TSV Bayer Dormagen in diesem Jahr zur deutschen Vizemeisterschaft geführt und heuert beim VfL Lübeck-Schwartau an. So heißt die Fusion des Traditionsvereins VfL Bad Schwartau nach der Fusion mit dem HSV Lübeck seit der Saison 2017/18.

„Leidenschaftiger“ – so heißt es auf der Homepage des Klubs, agieren die Spieler aus dem hohen Norden. Und das ist kein Schreibfehler, sondern orientiert sich am Maskottchen des Vereins, Toby Tiger. Viel Leidenschaft werden die Tiger gegen die Eulen auch brauchen, denn in Ludwigshafen fehlen sieben Spieler, unter anderem der an Corona erkrankte Kreisläufer Martin Waschul und Spielmacher Jan Schult (verletzt).

Vier Torhüter in einer Saison

„Durch die Corona-Krise sind wir sonst ganz gut durchgekommen“, sagt VfL-Pressesprecher Jan Brix, „wir hatten nur zwei Fälle, im Vorjahr einen und eben jetzt.“ Zuletzt durften die Handballer aus der Hansestadt sogar ihre Hansehalle bei Heimspielen noch voll machen. „Seit Montag dürfen wir jetzt nur noch 50 Prozent nach 2G-Regel reinlassen“, erläutert Brix mit Blick darauf, dass die Norddeutschen immer noch geringere Corona-Zahlen aufweisen als viele andere Teile Deutschlands.

„Tendenziell durchwachsen“, so umschreibt Brix die bisherige Saison der Lübecker auf Platz 16. In den letzten sieben Spielen heimste das Team nur zwei Siege ein, einer davon allerdings in Essen. Auch hier spielt die Personalmisere die Hauptrolle: „Zu unserem Kader gehören 18 Spieler. Aber in den letzten beiden Jahren musste unser Trainer wirklich noch nie einen Spieler streichen“, sagt Brix.

Dann ist da noch die jüngste Torwartproblematik: Von den Stammkeepern Dennis Klockmann und Nils Conrad steht zurzeit keiner zwischen den Pfosten – beide sind verletzt und spielen so schnell nicht wieder. Ersatz Blaz Voncina, aus Eisenach verpflichtet, kam in Lübeck an und war corona-positiv. „Aus der Not heraus haben wir dann Ariel Panzer aus Braunschweig verpflichtet“, erklärt Brix, „der hat früher schon für uns gespielt, ist aber auch schon 48 Jahre alt.“

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