Wie gelingt die Verkehrswende?
Es ist noch Strom da: Die TWL zur Auslastung ihrer E-Ladesäulen
Geht es um öffentlich zugängliche E-Ladesäulen in Ludwigshafen, dann fällt in den Debatten oft der Satz: „Es muss doch erst ein gutes Angebot an Ladeinfrastruktur geben, damit die Leute sich überhaupt ein Elektroauto kaufen.“ Fragt man jedoch bei den Technischen Werken (TWL) nach, die aktuell acht öffentliche Ladestationen in Ludwigshafen betreiben, dann sagt deren technischer Vorstand Thomas Mösl (60): „Der Betrieb dieser Ladesäulen ist derzeit noch nicht rentabel.“
Und tatsächlich sprechen die von den TWL genannten Zahlen dann auch eine recht eindeutige Sprache: Selbst bei der am häufigsten genutzten E-Ladesäule am Ludwigsplatz in Mitte liege die durchschnittliche Auslastung über das Jahr gesehen nur bei rund 30 Prozent. Durchschnittlich 199 Minuten betrage die Standzeit dort pro Ladevorgang. „Selbst zu absoluten Spitzenzeiten, etwa an vereinzelten Tagen im Dezember zur Weihnachtszeit mit den entsprechenden Innenstadtbesuchen, sind unsere öffentlich zugänglichen Ladesäulen zu maximal 50 Prozent ausgelastet“, erklärt Mösl.
90.000 Euro für neue Schnellladesäule
Ab welcher Auslastung man von Rentabilität sprechen würde? „Für TWL rechnet sich eine Ladesäule ab einer durchgehenden Auslastung von etwa 60 Prozent“, sagt Mösl, der zugleich aber betont, dass die öffentliche Ladeinfrastruktur in Ludwigshafen trotz der sehr verhaltenen Nutzerzahlen langsam weiter ausgebaut werden soll. Noch in diesem Jahr werde zum Beispiel eine Schnellladesäule mit einer maximalen Ladeleistung von 120 Kilowatt an der BG Klinik in Oggersheim in Betrieb genommen werden – das Investitionsvolumen hierfür betrage 90.000 Euro.
„Wir werden künftig vermehrt auf Schnellladesäulen setzen, weil diese Technologie immer besser wird“, sagt Mösl. Die Zahlen, die er zum bereits bestehenden TWL-Schnellladepunkt am Freischwimmer in der Pettenkoferstraße nennt, können ihn jedoch keinesfalls zufriedenstellen. Derzeit sei diese Ladesäule über das ganze Jahr gesehen nur zu fünf Prozent ausgelastet. Deutlich lukrativer gestalte sich für die Technischen Werke da schon der Ausbau von Infrastruktur im privaten Raum. Am Rheinufer Süd habe das kommunale Versorgungsunternehmen zum Beispiel schon verschiedene Tiefgaragen für die Ausstattung mit E-Ladesäulen vorbereitet.
Private Nachfrage steigt
„Es ist wirklich entscheidend, dass wir die Ladeinfrastruktur an jenen Parkplätzen ausbauen, die fest zugewiesen werden können, denn sonst werden wir immer das Konfliktthema Parken versus Laden haben“, ist Mösl überzeugt. Dass die Nachfrage nach privaten Wandladestationen (Wallboxen) zunimmt, darauf weisen folgende Zahlen hin: Hätten die TWL im Jahr 2020 insgesamt 15 solcher Stationen bei Kunden installiert, seien es im Jahr 2021 schon 40 Stück gewesen. Dass die Kosten, die in diesem Zusammenhang auf die TWL-Kunden zukommen, deutlich variieren können, daraus macht Mösl allerdings keinen Hehl. Damit zum Beispiel mehrere Elektroautos gleichzeitig in einer Tiefgarage laden können, sei ein intelligentes Lastmanagement nötig, das den verfügbaren Strom auf mehrere Fahrzeuge verteilt. „Die entsprechende Wallbox hierfür kostet rund 2200 Euro“, sagt Mösl, „und ist damit deutlich teurer als eine normale Wandladestation, die für rund 650 Euro zu haben ist.“
Intensiv auseinandergesetzt haben sich die TWL in den vergangenen Monaten auch mit dem deutschlandweiten Ladenetz, zu dem es eine Ausschreibung seitens des Bundesministeriums für Wirtschaft gab. Die dahinterstehende Idee: Eine Grundversorgung mit Schnellladeinfrastruktur im Mittel- und Langstreckenverkehr auf deutschen Straßen sicherstellen.
Zusammenarbeit mit Stadtwerken der Region
Zwar hätten die TWL geprüft, ob eine Bewerbung für die verpflichtende Errichtung von Säulen im Raum Ludwigshafen möglich gewesen wäre, erzählt Mösl. Weil die ausgeschriebenen Gebiete für ein kommunales Stadtwerk deutlich zu groß seien, habe man sogar gemeinsam mit den Stadtwerken Heidelberg und Mannheim geprüft, ob man ein solches Projekt stemmen könne. Allerdings habe es kein „Regionallos“ gegeben, das wirklich attraktiv gewesen sei. Mösl: „Bei diesem Projekt geht es nicht um Schnellladesäulen im Innenstadtbereich, sondern um solche, die an Autobahnen entstehen sollen. Für uns hätte das zum Beispiel bedeutet, dass wir auch Ladesäulen bei Kaiserslautern hätten bauen müssen.“ Den Zuschlag für Bewerbungen, die den Ausbau des deutschlandweiten Ladenetzes betreffen, könnten deshalb nach Mösls Ansicht wohl große Betreiber wie zum Beispiel Shell oder E.ON bekommen.
Wo die Technischen Werke neue öffentlich zugängliche Ladesäulen bauen, hänge derweil von verschiedenen Faktoren ab. Etwa von der Nutzerfreundlichkeit, die sich durch die Nähe zu Supermärkten oder der guten Verkehrsanbindung zur Autobahn ergebe. Denn eines ist für Thomas Mösl klar: Am Ende muss sich eine Ladesäule für die TWL rechnen.
Die Serie
E-Mobilität, Car-Sharing, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr: Wie sieht die lebenswerte Stadt der Zukunft aus? In den kommenden Monaten möchten wir uns immer wieder anhand konkreter Beispiele dem Thema kommunale Verkehrswende in Ludwigshafen widmen.
Zur Sache: Öffentliche TWL-Ladesäulen
Die Technischen Werke Ludwigshafen betreiben derzeit acht öffentliche Ladestationen: am Ludwigsplatz 3 (Mitte), im Hedwig-Laudien-Ring 11 (Oggersheim), in der Hemshofstraße sowie in der Bürgermeister-Grünzweig-Straße 87 (beide Hemshof), am Pfalzgrafenplatz (Süd), zwei Stationen im Parkhaus Walzmühle und eine in der Pettenkoferstraße (Friesenheim/Nord). An der letztgenannten steht eine Schnellladesäule mit einem AC- und einem DC-Ladepunkt zur Verfügung. Der Strompreis liegt laut TWL seit 1. April 2021 im AC-Ladetarif bei 35 Cent pro Kilowattstunde, im DC-Ladebetrieb bei 39 Cent. Grund für den Preisunterschied: An einem Gleichstrom-Ladepunkt (DC) kann schneller getankt werden, denn während der Strom beim AC-Tanken erst im Elektroauto zu Gleichstrom umgewandelt wird, geschieht das an DC-Ladepunkten bereits im Gerät selbst. Während des Ladevorgangs erheben die TWL auch Zeitgebühren: bis 180 Minuten Standzeit 1 Cent pro Minute, ab 181 Minuten Standzeit sind es 4 Cent pro Minute.
Teil 1: Bei E-Ladesäulen hinkt LU hinterher
Teil 2: Ökostrom tanken in Maudach