Ausgesucht RHEINPFALZ Plus Artikel Erst ein laues Lüftchen? Ein paar Kulturtipps

Abgesagt: Der spanische Dirigent IñigoGiner Miranda.
Abgesagt: Der spanische Dirigent IñigoGiner Miranda.

Es steht zu befürchten, dass die Absage aller Veranstaltungen der BASF-Festwoche nur ein erstes laues Lüftchen vor dem großen Sturm ist. Mit anderen Worten: Dass angesichts der Corona-Inzidenz- und Hospitalisierungszahlen ein Lockdown wieder die Weihnachtsfeiertage trüben wird. „Deutschland befindet sich in einer nationalen Notlage. In Anbetracht dieser Umstände ist uns auch nicht nach beschwingtem Feiern“, begründete das Unternehmen seinen Schritt, die Festwoche anlässlich des hundertjährigen Kulturengagements des Unternehmens zu verschieben. RHEINPFALZ-Musikkritiker Gereon Hoffmann hatte schon ein Interview mit dem spanischen Musiker Iñigo Giner Miranda geführt, der das Eröffnungskonzert der Festwoche mit der Deutschen Staatsphilharmonie am Samstag im Feierabendhaus dirigiert hätte. Die Kommentare und Erklärungen des Musikers zu dem Konzert sind jetzt selbstverständlich hinfällig. Aber sämtliche vorgesehenen Veranstaltungen sollen nachgeholt werden, versichert die BASF. Vorgestern hagelte es dann weitere Absagen und Verschiebungen von Veranstaltungen und Auftritten aufs Frühjahr oder gleich in den Sommer. Aus ihrer Seele keine Mördergrube hat die Chefin des deutschen Kinoverbands gemacht. „Wir sind mitten in der vierten Welle, und die Regierung hat es nicht geschafft, uns in irgendeiner Weise vorzubereiten“, sagte sie der Deutschen Presseagentur. „Wir sind wahnsinnig wütend.“

Eine literarische Integration

Sämtliche Kulturtipps stehen jetzt selbstverständlich unter Vorbehalt. Kurzfristig ins Internet verschoben wurde gestern die Lesung mit Lena Gorelik, die am Sonntag in der Reihe Europa-Morgen-Land live im „Port 25 – Raum für Gegenwartskunst“ hätte stattfinden sollen. Gestern kam die Nachricht, dass die Lesung online stattfindet (Meeting-ID: 87825337787 Kenncode: 816135. Weitere Informationen und Nachfragen an gisela.kerntke@freenet.de oder unter der Rufnummer 0621 332671). Wie im vergangenen Winter werden Kulturveranstaltungen nach und nach rein virtuell. Wie auch immer, die von den Vereinen KulturQuerQuerKultur Rhein-Neckar und Kultur Rhein-Neckar seit Jahren ausgerichtete Reihe hat sich um die literarische Integration verdient gemacht. Die Veranstalter stellen weiterhin Bücher von Autorinnen und Autoren vor, die auf Deutsch schreiben, obwohl Deutsch nicht ihre Muttersprache ist. Auch davon, dass die Robert-Bosch-Stiftung den von ihm begründeten, ebenfalls für diese Gruppe von Schriftstellern bestimmten Adelbert-von-Chamisso-Preis vor vier Jahren eingestellt hat, weil er angesichts einer erfolgreichen Integrationspolitik angeblich entbehrlich geworden ist, haben sie sich nicht beirren lassen.

Lena Gorelik nun hat mit „Wer wir sind“ einen stark autobiographisch geprägten Roman geschrieben. Wie sie selbst 1992 nach dem Fall des Eisernen Vorhangs als Kind von St. Petersburg nach Ludwigsburg kam, so beschreibt sie darin die Reise eines elfjährigen Mädchens in die Freiheit. Nur muss sie, bevor sie die große Freiheit erringt, erst einmal zu sich selbst finden. Lena Gorelik ist keine Debütantin. Ihr erster Roman „Hochzeit in Jerusalem“ war 2007 sogar für den Deutschen Buchpreis, ihr zehn Jahre später erschienener Roman „Mehr schwarz als lila“ für den Deutschen Jugendbuchpreis nominiert.

Der „Elektrolurch“ kommt

Ebenfalls noch keine Absage liegt für das am Freitag, 3. Dezember, im Ludwigshafener Kulturzentrum Das Haus angekündigte Konzert von Guru Guru vor. Das vorweihnachtliche Konzert der Band um den unverwüstlichen Schlagzeuger Mani Neumeier kann in Ludwigshafen schon einen gewissen Traditionswert beanspruchen. Neumeiers „Elektrolurch“ gehört schon fast zur Adventszeit wie der mit Süßigkeiten gefüllte Stiefel am Nikolaustag.

Die Kolumne

Kultur-Tipps in „Ausgesucht“ geben wir immer am Freitag

Hans-Ulrich Fechler
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