Ludwigshafen „Er hat der Partei geschadet“

„Er ist eine starke Persönlichkeit, auch sehr eigenwillig“, sagt Alt-Oberbürgermeister und Ehrenbürger über den „Genossen der Bosse“: Schröders Agenda 2010 sei nicht zum Vorteil der Menschen gewesen. „Deswegen wird das auch wieder zurückgenommen“, meint der 87-Jährige, der seit 67 Jahren SPD-Mitglied ist. Auch wenn manche Entscheidungen seinerzeit unumgänglich gewesen seien – unterm Strich habe Schröder der Partei extrem geschadet, ihr viele Austritte beschert und zahlreiche Wählerstimmen gekostet, urteilt Ludwig und nennt das Stichwort Hartz IV. „Er hat uns damit ,Die Linke’ gebracht.“ Zum Geburtstag wünscht er Schröder, „dass er die Dinge breiter sieht – und viel Kraft“. Auch Bürgermeister (56) ist kein Anhänger des früheren Ministerpräsidenten von Niedersachsen: „Sie werden in der SPD keinen Sozialpolitiker finden, der ein Freund Schröders ist“, sagt er. Schröder habe die an sich sinnvolle Hartz-IV-Reform vor allem an den Bedürfnissen der Wirtschaft ausgerichtet. Notwendige Korrekturen seien ausgeblieben. Und noch was kreidet ihm der Ludwigshafener SPD-Chef an: „Einen Putin als lupenreinen Demokraten zu bezeichnen, das war schon ein starkes Stück.“ Getroffen hat er Schröder nur zweimal, zuletzt bei der Verabschiedung Eggert Voscheraus als Präsident des Chemie-Arbeitgeberverbands. Was er Schröder wünscht? „Die Gelassenheit, sich nicht zu jedem weltpolitischem Thema äußern zu müssen“, sagt er. Ganz andere Erinnerungen an Schröder hat , Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Vorderpfalz: „Ich komme ja selbst aus Niedersachsen. In Schröders Landtagswahlkampf 1986 habe ich schon mitgewirkt“, berichtet der 46-jährige Rechtsanwalt. Sein erstes Aufeinandertreffen mit Schröder war für ihn bezeichnend: „Er ist ja ein tatkräftiger Mann. Er kam mit fünf Stühlen auf mich zu, drückte sie mir in die Hand und sagte, er müsse sich umziehen, Willy Brandt kommt.“ Wegner, der durchaus Pa-rallelen in seiner und Schröders Biografie sieht, wünscht dem Jubilar, „dass ihm seine Tatkraft erhalten bleibt, das ist sein Lebenselixier“. Landtagsabgeordneter , seit kurzem 65, ist Schröder zweimal begegnet: „Das war bei Wahlkampfauftritten in Ludwigshafen. Da konnte man sich sozusagen Backstage im kleinen Kreis treffen. Da habe ich gemerkt, dass der Mann genau wusste, was er wollte, und damit in traditionellen Kreisen der SPD seine Widerstände haben würde.“ Dennoch hält Ramsauer die mit Schröder verbundene Agenda 2010 für richtig und wichtig: „Er hat damit zur rechten Zeit dafür gesorgt, dass Deutschlands Wirtschaftskraft erhalten bleibt und die sozialen Systeme dabei nicht untergehen. Die Korrekturen daran sind aber auch notwendig, und die, die aktuell gemacht werden, auch.“ Für Schröder hat er gleich drei Wünsche: „Ich wünsche ihm, dass er so fit bleibt, wie es äußerlich den Anschein hat, dass er weiterhin die Kraft hat, sich in politischen Diskussionen zu äußern, wenn er – das ist wichtig – gefragt wird. Und dass er nie vergisst, dass er seine politische Karriere bei den Jusos angefangen hat.“ Die Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtrat, , seit 1984 in der SPD, meint: „Als er Kanzler wurde, war das keine leichte Aufgabe. Es stand die Umgestaltung des Arbeitsmarkts an, und dass das nicht alle in der SPD gut finden würden, war auch klar. Wir haben damals einige Austritte gehabt.“ Insgesamt sei Schröders Politik aber gut gewesen. „Er wollte ein wirtschaftlich und sozial starkes Deutschland gestalten. Dass wir das nachjustieren mussten und derzeit wieder tun, ist auch klar. Er hat aber auch dafür gesorgt, das die Bildungschancen größer geworden sind und das System horizontal und vertikal durchlässiger geworden ist. Das spüren wir noch heute.“ Persönlich kennt die 52-Jährige Schröder nicht. „Ich wünsche ihm, dass er sein Leben so gestalten kann, wie er das möchte – und Gesundheit, das ist das Wichtigste“, sagt sie. fällt vieles zu Schröder ein: „Ich empfinde ihn schon als Macher. Ob dann alles so wurde, wie er sich es vorgestellt hat, ist eine andere Frage. Das waren Reformen, die sein mussten, so schmerzhaft und korrekturbedürftig sie auch waren.“ Die 51-Jährige ist Landtagsabgeordnete und Ortsvorsteherin in Mundenheim. Seit 1993 gehört sie der Partei an, seit 2004 dem Stadtrat, seit 2011 dem Landtag. Wie Kollegin Scharfenberger wünscht sie Schröder zu seinem 70. Geburtstag „beste Gesundheit – er soll es noch genießen“. (whx/ier)