Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Enjoy Jazz: Das Projekt Rewa kommt nach Ludwigshafen

Michele Rabbia. Foto: Andrea Boccalini
Michele Rabbia.

Eines der ungewöhnlichsten Musikprojekte beim diesjährigen Festival Enjoy Jazz ist „Rewa“. Die griechische Pianistin Tania Giannouli hat sich dafür mit dem neuseeländischen Maori-Musiker Rob Thorne und dem italienischen Schlagzeuger Michele Rabbia zusammengetan. Anfang November kann man die Drei im Ludwigshafener Kulturzentrum Das Haus erleben.

Ist das Weltmusik? Jazz? Improvisierte Musik? Keiner der gängigen Stilbegriffe scheint hier zu passen. Es klingt avantgardistisch und archaisch zugleich. Das teilweise präparierte Klavier verbreitet spröden Impressionismus, neben sparsamen Akkorden in fahlen Farben gibt es auch überraschende Cluster und Rhythmuswechsel. Die Töne und Sounds, die Rob Thorne auf traditionellen Maori-Instrumenten erzeugt, klingen völlig anders als alles, was man aus westlichen Konzertsälen kennt. Taonga Puoro, „singende Geheimnisse“, werden diese Instrumente von den neuseeländischen Ureinwohnern genannt. Sie werden aus Muscheln, Holz, Knochen und Steinen gefertigt und ähneln Flöten oder Hörnern. Ihr Klang erinnert an Naturgeräusche wie Walgesang, Windheulen oder Donnergrollen. Es sind heilige Instrumente, die dem Zwiegespräch mit den Göttern dienen sollen.

Im Mai 2017 haben Giannouli und Thorne in Athen ein gemeinsames Album für das neuseeländische Label Rattle aufgenommen. Nur einen Tag, nachdem sich die beiden erstmals getroffen hatten, gingen sie ins Tonstudio. Giannouli brachte ein paar Ideen mit, Thorne demonstrierte die Sounds seiner Instrumente, aber das Zusammenspiel klappte erst mal gar nicht. Am nächsten Tag ließ man alle Konzepte und Ideen weg und begann, spontan zu improvisieren, begab sich auf eine Klangreise ins Ungewisse, und das funktionierte auf ganz wunderbare Weise. Nicht nur zwei sehr unterschiedliche Musiker begegneten sich hier, sondern auch zwei Kulturen, die von mythologischer Vergangenheit geprägt sind. „Rewa“ nannten sie ihr Projekt, das Wort aus der Maori-Sprache bedeutet „verschmelzen“ oder auch „auf eine Reise gehen“.

Arbeit im Grenzbereich

Thorne ist nicht nur führender Vertreter der Maori-Musik in Neuseeland, sondern auch ein Anthropologe, der sich seit fast 20 Jahren mit der musikalischen Tradition seiner Vorfahren beschäftigt. Seine mit Preisen ausgezeichneten Musikalben schlagen eine Brücke von der Vergangenheit zur experimentellen Musik von heute. Giannouli arbeitet im Grenzbereich von zeitgenössischer Musik, freier Improvisation und Kunst, komponiert für Film und Theater und unterhält mehrere eigene Ensembles. Im vergangenen Jahr wurde ihr Auftritt bei den Berliner Jazztagen zu einem weithin beachteten Ereignis, mit dabei der Trompeter Andreas Polyzogopoulos und der Oudspieler Kyriakos Tapakis. Im Bereich der zeitgenössischen Musik schreibt die 42-Jährige Stücke für Streichquartett, aber auch für Orchester. In ihrer durchaus melodischen Musik schwingt immer auch die Tradition ihrer griechischen Heimat mit, mediterrane Musik, die West und Ost auf unmerkliche Weise verbindet.

In Ludwigshafen wird das Duo ergänzt durch den italienischen Schlagzeuger Michele Rabbia. Der 54-Jährige ist seit vielen Jahren vor allem in Italien und Frankreich aktiv, spielte mit dem Pianisten Stefano Battaglia, dem Cellisten Vincent Courtois, dem Tubaspieler Michel Godard und dem Geiger Dominique Pifarely. Beim renommierten Münchner Jazz-Label ECM hat er im Frühjahr ein hochgelobtes Album mit dem Gitarristen Eivind Aarset und dem Posaunisten Gianluca Petrella aufgenommen, spontan improvisierte Musik jenseits von Genregrenzen, energetisch und auch elektronisch. Rabbias Spielweise verspricht einen spannenden Kontrast zum archaisch-meditativen Spiel von Giannouli und Thorne.

Termin

Rewa mit Tania Giannouli, Bob Thorne und Michele Rabbia am Freitag, 1. November, 20 Uhr, beim Festival Enjoy Jazz im Ludwigshafener Kulturzentrum Das Haus.

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