Ludwigshafen Engagement auf vielen Ebenen

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Rund 30 Flüchtlinge aus aller Herren Länder werden fernab ihrer Heimat erstmals in Neuhofen Weihnachten verbringen. Nicht alle sind christlichen Glaubens. Viele kennen die hiesigen Bräuche nicht. Aber die christlichen Kirchen im Ort versuchen, alle Menschen anzusprechen, etwa beim „Lebendigen Adventskalender – Haltestellen im Advent“. Alle Haltestellen sind in diesem Jahr auf ganz unterschiedliche Weise dem Flüchtlingsthema gewidmet.

Pfarrer Ralph Gölzer wird am Freitag, 18. Dezember, um 18 Uhr zu einer Haltestelle in den protestantischen Pfarrgarten Neuhofen einladen. Und das hat einen besonderen Grund. Im angrenzenden Pfarrhaus wohnt ein Drittel der Flüchtlinge, die der Gemeinde bis jetzt zugewiesen wurden. Und die sind natürlich herzlich eingeladen, an dieser besinnlichen Stunde teilzunehmen. Die derzeitigen Bewohner des Pfarrhauses kommen aus vier Ländern. Im Haus leben eine politisch verfolgte Familie aus Georgien, eine Roma-Familie aus Bosnien, ein Iraner und fünf junge Männer aus Eritrea. Sie alle sind Christen. Das ist ein kleiner gemeinsamer Nenner, aber das eint sie nicht zwangsläufig. Groß sind die kulturellen Unterschiede, die Sprachbarrieren, das wahrscheinliche Trauma ihrer Flucht und die Gedanken daran, was sie zurücklassen mussten. „Bevor die jetzigen Flüchtlinge kamen, lebten zwei ägyptische Familien im Haus. Schon bei diesen beiden Familien gab es unterschiedliche Glaubensrichtungen, die einen waren koptische, die anderen evangelische Christen“, erzählt Gölzer. Deren Zusammenleben sei nicht immer einfach gewesen. Das ist es momentan auch nicht, denn die neuen Flüchtlinge mussten im Pfarrhaus enger zusammenrücken. Um den Neuankömmlingen den Start im fremden Land zu erleichtern, sind einige Bürger ehrenamtlich aktiv geworden. Die protestantische Kirche arbeitet mit dem Netzwerk Asyl zusammen, bei dem sich Ursula Tückhardt engagiert. Ihre Unterstützung wird in sehr vielen Lebensbereichen gebraucht. Sei es bei Behördengängen, bei der Vermittlung von Dolmetschern oder der Beschaffung von Alltagsdingen. Da es den Flüchtlingen an fast allem mangelt, ist die Neuhofenerin sehr froh über die vielen Sachspenden, die von den Bürgern spontan gegeben wurden. Natürlich räumt sie ein, dass finanzielle Unterstützung die Arbeit des Netzwerks erleichtern würde. Mitbürger informieren und auf das Schicksal der Flüchtlinge aufmerksam machen, das ist eine Sache. Eine andere ist es, praktische Arbeit vor Ort zu leisten. Tückhardt rückt dann schon mal mit Putzmitteln im Pfarrhaus an und versucht mit freundlichen, aber klaren Worten, Hygienestandards zu vermitteln. „Bis vor kurzem gab es nur ein Bad und da waren Konflikte vorprogrammiert“, sagt die Netzwerkerin. Mittlerweile sei eine weitere Dusche eingebaut worden und die Lage entspanne sich. Wenn jedoch das Ziel der Bemühungen die Integration der Flüchtlinge ist, dann ist der Weg dorthin noch weit. Es könne durchaus sein, dass Verabredungen nicht eingehalten oder angebotene Sprachkurse geschwänzt werden, berichtet Tückhardt. Um eine bessere Verständigung mit den Flüchtlingen zu ermöglichen, greift Bärbel van Thiel in die Trickkiste. Die Presbyterin kümmert sich gleichfalls um die Menschen im Pfarrhaus, insbesondere um die beiden Familien. Gerade hat sie per Mobiltelefon eine Kurznachricht dorthin verschickt. Sie hat auf ihrem Telefon mehrere Übersetzungsprogramme installiert. „Damit kann ich die Textnachrichten verständlich machen.“ Sprache sei auch notwendig, wenn den Neuankömmlingen kleinere Arbeiten übertragen werden. Die Beschäftigung gebe dem Alltag Struktur und ein wenig Anerkennung. Denn die Flüchtlinge verrichten für kleines Geld gemeinnützige Arbeiten, etwa Laub fegen rund um das Kirchenareal. Da müsse man aber vor Ort sein und Anleitungen geben, sagt van Thiel. Gerade hat sie die Georgierin Nana kontaktiert und gefragt, ob sie bei der Weihnachtsdekoration an der Kirche helfen möchte. Ja, sie möchte gern. Später hält Nana eine Lichtgirlande in der Hand und lächelt. Sie fühlt sich offenbar an die heimatliche Tradition erinnert, denn sie sagt: „Das gibt es bei uns Zuhause auch.“ Völlig fremd ist Nana hingegen, dass hier das Weihnachtsfest schon am 24. Dezember beginnt und nicht, wie in Georgien, einen Tag später. Die Akteure des Netzwerks Asyl organisieren in regelmäßigen Abständen das „Café International“. Im Nova Familienzentrums haben die Menschen Gelegenheit, ihre Mitbürger kennenzulernen, einfach zu plaudern oder sich die Probleme von der Seele zu reden – wenn denn eine gemeinsame Sprache gefunden wird. Das Angebot wird bislang nur zaghaft angenommen, das braucht seine Zeit. Für Mittwoch, 23. Dezember, ab 17 Uhr lädt das Netzwerk Asyl zum nächsten Treffen ein. Bleibt zu hoffen, dass die weihnachtliche Stimmung die Herzen wärmt und die Menschen unterschiedlicher Kulturen auch ohne gemeinsame Sprache ein Stück näher zusammenrücken.

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