Blickpunkt Pflege (8) RHEINPFALZ Plus Artikel Empathie, Trost, Zuwendung

 Charlotte ist eine Pflegepuppe, ein Modell, an dem angehende Pflegekräfte nahezu alle in der Pflege relevanten Maßnahmen üben k
Charlotte ist eine Pflegepuppe, ein Modell, an dem angehende Pflegekräfte nahezu alle in der Pflege relevanten Maßnahmen üben können. Sabine Schwöbel ist unter anderem Praxisanleiterin für künftige Pflegekräfte.

Demenzkranke Menschen brauchen eine ganz besondere Zuwendung. Im Pflegeheim „In der Melm“ sind die Pflegekräfte darauf spezialisiert. Wir durften uns einen Nachmittag lang ein Bild davon machen.

Charlotte ist ziemlich geduldig. Muss sie auch sein, denn Charlotte ist eine Pflegepuppe, ein Modell, an dem angehende Pflegekräfte nahezu alle in der Pflege relevanten Maßnahmen üben können. Sabine Schwöbel ist Praxisanleiterin bei der Altenhilfe Vorderpfalz des Deutschen Roten Kreuzes im Pflegeheim „In der Melm“ und die Ansprechpartnerin für künftige Pflegekräfte.

Langsam fährt sie das Krankenbett hoch, Charlotte sitzt mittlerweile. Die 53-jährige Schwöbel legt ihr ein gelbes Handtuch auf den Oberkörper, greift nach dem Schnabelbecher und führt diesen zum Mund der Pflegepuppe. „Das, was ich hier mache, nennt sich Aspirationsprophylaxe und dient dazu, dass sich der Bewohner nicht verschluckt“, erläutert die Praxisanleiterin im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitungen lernen die Auszubildenden von Schwöbel. Erst theoretisch, dann am Modell, später schließlich auch im direkten Kontakt mit den Bewohnern.

Besonderer Sinnesraum

Charlotte sitzt momentan im „Snoezelen-Raum“, eine Art Sinnesraum, eine Besonderheit des Pflegeheims „In der Melm“. Eine silberfarbene und je nach Lichteinfall bunt glitzernde Discokugel an der Decke, eine blubbernde Wassersäule, verschiedene Aromaöle, ein Musikrekorder auf dem Tisch – auf unterschiedlichste Art und Weise sollen Sinnesempfindungen ausgelöst werden, die im Idealfall bei den an Demenz erkrankten Menschen angenehm wirken, positive Erinnerungen hervorrufen und damit zu einer verbesserten Konzentration und Merkfähigkeit führen.

Der Begriff Snoezelen stammt aus dem Niederländischen und ist eine Verbindung aus den Wörtern snuffelen (schnuppern, schnüffeln) und doezelen (schlummern, dösen). Das Konzept wurde in den 1970er-Jahren ursprünglich für Menschen mit Mehrfachbehinderungen entwickelt.

Sabine Schwöbel hat derzeit alle Hände voll zu tun. Zum einen betreut sie noch angehende Altenpfleger und -helfer, die im kommenden Jahr zum letzten Mal nach den alten Richtlinien ihr Examen ablegen. Zum anderen begleitet sie bereits diejenigen, die die generalistische Ausbildung absolvieren und dann EU-weit anerkannt sind. Ein Spagat. Die Auszubildenden, sie sind ihre Schäfchen, genauso wie auch die rund 120 auf Hilfe angewiesenen Menschen, die im Pflegeheim „In der Melm“ zu Hause sind.

Schwöbel ist nicht nur Praxisanleiterin, sondern auch Fachkraft für Gerontopsychiatrie – ein Zweig der Psychiatrie, der sich mit psychischen Erkrankungen, deren Vorbeugung und Behandlung von Menschen im höheren Lebensalter beschäftigt – und Validationsanwenderin. Wer als Pflegekraft in der Melm arbeitet, wird unweigerlich mit dem Begriff der Validation konfrontiert. Dahinter verbirgt sich eine wertschätzende Methode, aber auch innere Haltung, mit verwirrten, desorientierten, älteren Menschen umzugehen.

Menschen an die Hand nehmen

Das Pflegeheim „In der Melm“ trägt die Zusatzbezeichnung „Kompetenzzentrum Demenz“. Menschen, die daran erkrankt sind, müssen ganz besonders „an die Hand genommen werden“, erläutert Schwöbel. Das bedeutet, dass sie durchaus auch in alltägliche Aufgaben eingebunden werden und beispielsweise beim Abräumen des Tischs helfen sollen. „Demenzkranke Menschen entwickeln ganz besondere Antennen, brauchen eine intensive Zuwendung“, weiß die 53-Jährige, die seit über 30 Jahren in der Pflege arbeitet, zunächst in der ambulanten, später dann in der stationären Altenpflege. Ihren Job im Pflegeheim möchte sie nicht mehr missen. „Den Druck, den die Kollegen im ambulanten Pflegedienst haben, den haben wir hier nicht“, unterstreicht sie und schwärmt von den Entwicklungsmöglichkeiten.

Das Empfinden fördern

Sich Zeit nehmen, das Zwischenmenschliche pflegen, das sei ihr wichtig und liege ihr am Herzen. Schon Kleinigkeiten könnten eine große Wirkung haben, sagt sie und nennt ein Handbad als Beispiel. Es geht nicht in erster Linie darum, dass dabei die Hände gereinigt werden. Nein, vielmehr soll der taktile Sinn, das Empfinden gefördert werden. Ein ruhiges Gespräch und einige wertschätzende Worte können für Entspannung sorgen. Empathie, Trost, Zuwendung – all das müsse man als Pflegekraft neben all dem Fachlichen mitbringen. „Ansonsten ist man in diesem Beruf nicht richtig“, betont sie. Die klassische Großfamilie, so sagt Schwöbel, gebe es heute kaum noch. Umso eine größere Bedeutung kommt den Pflegekräften zu.

Treffen in der Cafeteria

Wer im Pflegeheim „In der Melm“ nicht ans Bett gebunden ist, der trifft sich gerne in der Cafeteria auf eine Wiener Melange, einen Cappuccino und ein Stück Kuchen. An einem Tisch haben an diesem Dienstagnachmittag vier Bewohner Platz genommen und spielen mit zwei Mitarbeitern des Hauses „Mensch ärgere dich nicht“. Einige andere genießen die letzten Sonnenstrahlen des Herbstes im weitläufigen Garten. „Die Menschen verbringen hier ihren Lebensabend, den wollen wir so schön wie möglich gestalten.“ Das scheint ihnen im Melm-Pflegeheim gut zu gelingen.

Die Serie

Spätestens seit der Corona-Pandemie ist das Thema Pflege verstärkt in den Blickpunkt gerückt: die Wertschätzung für die Arbeit der Pflegekräfte, deren Bezahlung oder Ausbildung. In dieser Reihe beleuchten wir einzelne Aspekte in Ludwigshafen.

Sabine Schwöbel ist Praxisanleiterin bei der Altenhilfe Vorderpfalz des DRK im Pflegeheim „Melm“.
Sabine Schwöbel ist Praxisanleiterin bei der Altenhilfe Vorderpfalz des DRK im Pflegeheim »Melm«.
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