Ludwigshafen
Emmi-Knauber-Hort: Sponsoren gesucht
Die Ausgangslage ist kompliziert: Der Emmi-Knauber-Hort war bisher eine sogenannte Spiel- und Lernstube. Eine alleinerziehende Studentin mit kleinem Einkommen zum Beispiel hat in dieser Einrichtung für die Nachmittagsbetreuung ihres Kindes 24 Euro pro Monat bezahlt, künftig werden 148 Euro fällig – so wie es in jedem anderen städtischen Hort schon der Fall ist. Für Familien mit vier und mehr Kindern war der Hortbesuch bisher beitragsfrei. Jetzt müssen auch diese bedürftigen Großfamilien 37 Euro pro Kind und Monat für die Hortbetreuung bezahlen.
Ein Großteil der Mütter und Väter liegt mit einem kleinen Budget knapp über der Grenze für eine Kostenerstattung der Gebühren durch die Stadt. Alle anderen müssen bürokratische Hürden überwinden, um finanzielle Unterstützung für die Hortbetreuung zu bekommen. „Die große Gefahr besteht darin, dass die Eltern ihre Kinder abmelden“, befürchten Elternsprecher.
Besondere Lebensbedingungen
Träger des Emmi-Knauber-Horts ist die Ökumenische Fördergemeinschaft (ÖFG), die in den sozialen Brennpunkten in Mundenheim und West sogenannte Gemeinwesenarbeit leistet. Geschäftsführerin Petra Kindsvater erklärt: Spiel- und Lernstuben fördern Kinder aller Altersgruppen unter Berücksichtigung ihrer besonderen Lebensbedingungen und des sozialen Umfeldes. Zudem sind sie Anlaufstellen und Begegnungsstätten für die ganze Familie. So ist es auch im Aktionsplan „Armutsbekämpfung“ des rheinland-pfälzischen Sozialministerium aus dem Jahr 2020 noch nachzulesen.
In Trägerschaft der ÖFG gibt es Kindsvater zufolge sogar zwei Einrichtungen in der Bayreuther Straße. Beide tragen – nach ihrer Betriebserlaubnis – noch den Titel Spiel- und Lernstuben und bieten für insgesamt 140 Kinder Plätze in diesem besonderen Wohngebiet.
Gravierende Veränderungen
Seit Einführung des neuen Kita-Gesetz ab Juli 2021 werden die Spiel- und Lernstuben jedoch in ihrer besonderen Ausgestaltung und Personalisierung nicht mehr erwähnt. Die personelle Ausstattung und die Eltern-Beiträge bemessen sich seither an den Regeleinrichtungen. Obwohl die Mitarbeiter stärker gefordert sind als andere Erzieherinnen und viele Eltern mit alltäglichen Herausforderungen und ihren speziellen Sorgen und Nöten nicht zurechtkommen.
Die Gesetzesänderung bedeutet für die Betreuungseinrichtungen in der Bayreuther Straße zwei gravierende Veränderungen: Kinder, die älter sind als 14 Jahre, müssen die Einrichtung verlassen, unabhängig von der pädagogischen Einschätzung des geschulten Personals über die Entwicklungsprognose des Kindes. Und durch die Anpassung der Eltern-Beiträge an die Regeleinrichtungen können sich viele Eltern den Hort für ihre Kinder nicht mehr leisten. Die neuen Beiträge wurden erstmals im Oktober fällig.
Zwölf Familien nicht erreicht
Wie Geschäftsführerin Kindsvater erläutert, haben die Mitarbeiter des Emmi-Knauber-Horts mittlerweile alle betroffenen Eltern unterstützt und es so geschafft, dass für einen Großteil der Familien mit geringem Einkommen eine Beitragsermäßigung oder -befreiung erzielt werden konnte. Aber zwölf Familien wurden trotz aller Bemühungen nicht erreicht. „Voraussichtlich werden diese den Beitrag nicht zahlen können, sodass bei Einzug der ersten Beiträge bereits die Lastschrift platzt und so einige Zahlungen zurückgewiesen werden. Im Prinzip müsste die ÖFG diesen Familien beziehungsweise deren Kindern die Hortplätze dann kündigen.“
Um das zu verhindern, will die ÖFG die ausfallenden Elternbeiträge über einen Sozialfond finanzieren, sodass den Kindern der Platz nicht gekündigt werden muss. Schätzungen gehen davon aus, dass monatlich ein Betrag von knapp 3000 Euro durch Spenden eingeworben werden muss, um den Kindern die Plätze nicht kündigen zu müssen. Zusätzlich haben Eltern angekündigt, einen Förderverein zu gründen, der dann selbst Spenden einwirbt und entscheiden kann, welches Kind begünstigt wird.
Alles beim Alten in Speyer
Wie ist es den Spiel- und Lernstuben in anderen Städten in Rheinland-Pfalz nach der Einführung des neuen Kita-Gesetzes ergangen? Petra Kindsvater zufolge hat zum Beispiel der Speyerer Stadtrat im Oktober beschlossen, weiterhin keine Hortbeiträge für die (ehemaligen) Spiel- und Lernstuben zu erheben. Für die Speyerer Eltern bleibt also alles beim Alten.