Ludwigshafen Elektrisch, hymnisch, funky

Viel Drive: Tenorsaxophonist Maxime Bender.
Viel Drive: Tenorsaxophonist Maxime Bender.

Eine satt groovende Mischung aus modernem Jazz, Pop und World Music spielen Maxime Bender und Universal Sky. Die Band des Luxemburger Tenorsaxophonisten beeindruckte bei der IG-Jazz-Reihe in der Mannheimer Klapsmül’ am Rathaus mit exzellenter Mannschaft und stimmigem Konzept.

Letztes Jahr war Bender noch Finalist beim Neuen Deutschen Jazzpreis in der Alten Feuerwache, damals trat er mit seinem zweiten Projekt an, lieferte traditionsbewussten Hardbop mit seinem Quartett: stilvoll, klassisch und elegant. Mit seinem jüngsten Projekt indes frönt der Tenorsaxophonist und Komponist, der an der Musikhochschule in Köln Jazz studierte, einer anderen Leidenschaft: dem elektrischen Groove-Jazz. „Universal Sky“ heißt auch die aktuelle CD von Benders französisch-luxemburgischen Band, in der er starke Musiker vereint. Tanzend, groovend, sehr urban kommt die Musik daher, reich an Farben. Dichte Gefüge an vitalen Rhythmen und melodischen Linien finden sich da: Tanzlaune ist hier gemischt mit expressivem Improvisationsgeist. Für den Groove ist Jérôme Klein am Schlagzeug ebenso zuständig wie Jean-Yves Jung an der Hammond-Orgel. Der Mann an den Tasten erledigt gleich zwei Jobs in der Band ganz hervorragend, wofür er eigentlich doppelt bezahlt werden müsste: Mit der Linken lässt er satte Bassgänge laufen, ersetzt damit den Bassisten, und mit der rechten Hand lässt er den Hammondsound in verwegenen Akkorden und Läufen klangsatt kreischen, jubeln und bluesig singen. Unterschiedliche Rhythmen, Akzente und Klänge führt er dabei in großer Kunstfertigkeit zusammen. Mit reichem Einsatz des Dynamikschwellers entlockt Jean-Yves Jung der Orgel jede Menge Klangnuancen, seien diese nun dunkel verschattet oder leuchtend expressiv. Mit dem Dynamikschweller schuf auch der Gitarrist Manu Codjia kleine Kunstwerke auf seinem elektrischen Instrument. Ansatzlos ließ er dabei seine Sounds aufglühen: akkordisch gezupfte Schönheiten. Daneben entwickelte er eine feingliedrige Virtuosität mit spinnwebfein rasenden, enigmatischen Linien. Dann wieder wob er afrikanische Motive und Rhythmen ins Spiel, repetitive, sonnige Muster wie auf einer afrikanischen Kora gezupft. Bandchef Maxime Bender ließ funky Impulse aus seinem Tenorsaxophon flackern, gab seinen Improvisationen soghaften Drive. Glühende Phrasen blies er da auf seinem Horn, geschmeidige Katarakte, hymnische Melodien. Stärkste Eindrücke aber hinterließ der amerikanische Altsaxophonist David Binney, der als Gast zur Band gestoßen war. Der war schon bei der letzten SWR-Jazzsession in der Alten Feuerwache in dem Projekt von Pedro Martins durch seine große Virtuosität aufgefallen und beeindruckte einmal mehr mit schwindelerregend jagenden Linien, mit sehr lebendig geformten, sprechenden Phrasen, die nicht selten zu schwirrenden Farbflächen verdichtet wurden.

x