Ludwigshafen Einiges für auf die Mütze
Nach einem erfolglosen Karrierestart mit deutschsprachiger Soulmusik fiel Mic Donet zunächst in ein tiefes Loch. Er sortierte sich neu, begann englische Songs zu schreiben und nahm 2011 und 2012 erfolgreich an verschiedenen Casting-Shows teil. Im Ludwigshafener Kulturzentrum Das Haus präsentierte sich der Wahlberliner als gereifter Entertainer vor einer ausgelassen feiernden Fangemeinde.
Mic Donet ist ein Phantom: Kein neues Album, keine Tour, keine Presse. Aber ein volles Haus in Ludwigshafen und die treuesten Fans, die sich ein Musiker wünschen kann. Denn wie man an den Nummernschildern rings um das Kulturzentrum erkennen konnte, kommen sie aus allen Richtungen und nehmen teilweise weite Wege in Kauf, um ihren Lieblingssänger live zu erleben. Ganz ohne den üblichen Promozug, der ansonsten synchron zu einer Neuveröffentlichung durch die Republik rollt. Mit der Reihe „Querbe@t“ hat die Kulturabteilung der BASF ein Format geschaffen für Konzerte, die normalerweise nicht in Ludwigshafen stattfinden würden. Mit Max Prosa, Nina Attal, Mighty Oaks, Konstantin Wecker und Meute gelang es, starke popkulturelle Akzente zu setzen. Von der Techno-Blaskapelle über den Liedermacher bis zur Indieband wurden die Spitzenkräfte unterschiedlicher Nischen ausfindig gemacht. Mic Donet passt in diese Reihe nur bedingt hinein, denn er bedient mit seinem Soul-Pop die Mitte des Mainstreams und steht unter seinesgleichen nicht unbedingt in der allerersten Reihe. Auf Stammgäste wartete dann auch ein gewisser Kulturschock im bestuhlten Saal. Denn nach nur 20 Minuten Verspätung begann der harte Kern des Publikums, seine Ungeduld durch rhythmisches Klatschen und vereinzelte Pfiffe lautstark zum Ausdruck zu bringen. Während solche Verzögerungen bei den meisten Konzerten einfach hingenommen oder gar als Gelegenheit für einen vorfreudigen Plausch geschätzt werden, will man hier bitteschön unterhalten werden. Und zwar pünktlich um 20 Uhr, so wie es auf der Eintrittskarte steht. Geklatscht wurde insgesamt viel, vor allem nach jedem Song. Aber auch begleitend, mit erstaunlichem Rhythmusgefühl auf den hierzulande schwierig zu vermittelnden Offbeat. Andere müssen strampeln, um das Publikum für eine Minute zum Mitklatschen zu bewegen. Mic Donet dagegen muss seine Fans immer wieder bremsen, damit sie nicht die leisen Momente oder das obligatorische Ritardando am Schluss verklatschen. Und beim Mitsingen zeigt sich, dass er einer dieser Sänger ist, die überdurchschnittlich viele Sängerinnen zu ihren Fans zählen dürfen. Eine der Fragen des Abends ist sicherlich, wer sich mehr über die ganzen Stühle im Saal gewundert haben dürfte, Mic Donet oder das Publikum. Kamen sie in der anfänglichen Wartezeit noch gelegen, waren sie später eher im Weg. „Ich wusste gar nicht, dass es hier Stühle gibt“, wunderte sich Donet, nachdem sein Gitarrist die Wanderklampfe weggelegt und zur Stratocaster gegriffen hatte. Und mit dem Satz „Wir haben auch einiges für auf die Mütze dabei“ begann zu einem Zeitpunkt, an dem einige schon aus eigenem Antrieb aufgestanden waren, der feuchtfröhliche Teil des Abends. Der soulige Gesang wurde von immer mehr Funk vorangetrieben und Mic Donet machte mit witzigen Tanzeinlagen vor, wie es geht. Und wie so oft, waren die Frauen auch hier die Trendsetter, denn einige von ihnen eroberten sich sofort die freien Bereiche zwischen, vor und neben den Stuhlreihen als Tanzfläche. Das sah super aus, und der Medienprofi Mic Donet nutzte ein ausufernd dudelndes Bass-Solo auch gleich für eine ausgiebige Selfie-Session mit dem feiernden Saal im Hintergrund. Musikalisch war das Konzert leider keine Offenbarung. Die Mehrheit der Songs scheint dem Bermudadreieck zwischen Boz Scaggs, Simply Red und Steve Winwood zu entspringen, nur ohne Ecken und Kanten sowie 40 Jahre zu spät. Und doch wurde gejubelt, als wäre Prince höchstpersönlich aus dem Himmel nach Ludwigshafen hinabgestiegen. Dabei wurde an diesem Abend deutlich, dass Mic Donet zwar drei Klassen besser singt als seine Kollegen auf dem nächsten Stadtfest. Er schafft es aber nicht, sich als Künstler freizuschwimmen und das allzu seichte Fahrwasser der reinen Unterhaltungsmusik hinter sich zu lassen.