Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel „Einfach peinlich“: So trauern italienische Fans aus der Region nach dem WM-Aus

Jetzt vielleicht für Bosnien: Italien-Fan Angelo Montana (rechts) mit Bosnischem Kumpel.
Jetzt vielleicht für Bosnien: Italien-Fan Angelo Montana (rechts) mit Bosnischem Kumpel.

Die Italienischen Fußballer haben die WM-Qualifikation verpasst – zum dritten Mal in Folge. Bei den Anhängern der „Squadra Azzurra“ in LU und Umgebung herrscht Trauer.

Eins zu vier verloren, im Elfmeterschießen, gegen Bosnien und Herzegowina. Das ist die Kurzfassung des Qualifikationsspiels vom Dienstagabend, bei dem es Italien noch hätte schaffen können, ein Ticket für die Weltmeisterschaft zu lösen. Doch es wurde nichts. Nach dem Ausgleichtreffer von Bundesligaspieler Haris Tabaković in der 79. Minute schaffte es Italien nicht, sich in Unterzahl noch mal aufzubäumen. Zwei Schützen der „Azzurri“ verschossen ihre Elfer – und besiegelten damit die dritte WM-Nichtteilnahme in Folge.

Keine Fußballnation

Angelo Montana aus Ludwigshafen hat das Spiel am Fernseher verfolgt, zusammen mit seinen jungen Enkelinnen. „Wir trauern im Moment“, sagt der 70-jährige Gastronom. „Man kann immer sagen, dass es an den Spielern oder am Schiedsrichter gelegen hat“, erzählt er weiter, doch dieses Mal könne man keine Ausreden finden. Auch wenn Italien anfangs geführt hat, findet Montana die Leistung nicht zufriedenstellend: „Das war kein Tor, wie wir sie zum Beispiel in den 1970-ern geschossen haben.“ Was Italien fehle, das seien Straßenkicker, Talente wie Alessandro Del Piero, sagt Montana.

Besonders bitter für ihn: Die junge Generation verliert den Bezug zur Mannschaft. „Mein Sohn und meine Tochter, die haben das erlebt: Zusammensitzen, Essen, Fußball schauen, jubeln, auf der Straße feiern. Aber die Kinder, die haben nie erlebt, was Fußball für Italiener bedeutet. Die können nicht mehr sagen, dass Italien eine Fußballnation ist“, sagt Montana. Bei der WM sei er jetzt vielleicht für Bosnien – denn die Mannschaft habe den Italienern Respekt gezeigt, und ein guter Freund von ihm sei Bosnier.

Auch Rosario Peduto aus Mutterstadt ist enttäuscht. „Was soll man dazu noch sagen“, so der 79-Jährige, der das Restaurant „Roma“ in Mutterstadt betreibt. „Es ist eine Schande für uns Italiener. Wir haben nicht wie Italiener gespielt, die Spieler waren deprimiert.“ Peduto hofft, dass der Präsident des italienischen Fußballverbandes jetzt gehen muss – doch die Blamage mache das nicht rückgängig. „Für mich ist es einfach nur traurig, ich habe nicht gut geschlafen“, sagt Peduto. Die WM wolle er trotzdem schauen – nun aber vielleicht mit deutschem Trikot.

„Einfach peinlich“

Bei jüngeren Fans ist die Stimmung nicht weniger gedrückt. „Es ist peinlich. Ich bin einfach enttäuscht“, sagt Dario Dinolfo. „Und was waren das für Elfmeter. Ach du meine Güte.“ Die Mannschaftsleistung sei eigentlich solide gewesen – zumindest die ersten zehn Minuten, sagt Dinolfo. „Aber danach haben sie sich vielleicht auf ihrer Führung ausgeruht“, sagt der 25-Jährige. Auch die 80 Minuten in Unterzahl seien für die Italiener hart gewesen – auch wenn die rote Karte gegen Alessandro Bastoni in Minute 41 „irgendwie schon“ gerechtfertigt gewesen sei.

Trainer Gattuso treffe eigentlich keine Schuld, so Dinolfo weiter – wahrscheinlich habe den Italienern einfach die Erfahrung gefehlt. „Aber erinnern Sie mich nicht daran. Es ist wirklich einfach peinlich“, sagt Dinolfo. Die WM interessiere ihn nun auch nicht mehr sonderlich – einzig die großen Spiele mit Deutschland wolle er sich vielleicht anschauen.

x