Quintessenz RHEINPFALZ Plus Artikel Eine traumhafte Innenstadt

So sieht in der Projektion der Ludwigsplatz in 30 Jahren aus, inklusive Skywalks mit unverbautem Blick auf den Rhein.
So sieht in der Projektion der Ludwigsplatz in 30 Jahren aus, inklusive Skywalks mit unverbautem Blick auf den Rhein.

Schildkröte Jonathan hat dieser Tage auf Galapagos ihren 190. Geburtstag gefeiert und gilt damit als das älteste lebende Landtier. Er war damit schon im besten Mannesalter, als Ludwigshafen 1853 vom bayrischen König Ludwig I. gegründet worden war. Das ist in diesem neuen Jahr also auch schon 170 Jahre her. Das ist kein Jubiläum im klassischen Sinn, das steht erst in fünf Jahren wieder an. Für den kleinen Jahrestag sind keine besonderen Feierlichkeiten bekannt. Ob die Oberbürgermeisterin dieses Datum wenigstens in ihre virtuelle Neujahrsrede einflechten wird, bleibt abzuwarten. Sie wird ja erst kommende Woche im Youtube-Kanal der Stadt gestreamt.

Und so der Berliner Platz 2053, inklusive denkbarer Überbauung der Metropol-Baustelle.
Und so der Berliner Platz 2053, inklusive denkbarer Überbauung der Metropol-Baustelle.

Sowieso reicht der Blick von Jutta Steinruck weit über diese künstliche Wegmarke hinaus. Sie hat eine Vision entwickelt, fürs Jahr 2053. Dann wird Ludwigshafen 200 Jahre alt. Und wie die Innenstadt in der idealsten aller künftigen Welten aussehen könnte, darüber hat sich in ihrem Auftrag ein Thinktank bei der Marketinggesellschaft Lukom heute schon Gedanken gemacht, nachzulesen unter raum-fuer-neues.info/vision. Herausgekommen ist ein Leitbild, das einige wenige nun mutig und mit langem Atem verfolgen wollen, während andere entsetzt sind ob so viel geballter Fantasterei und Entrückung.

Ein Fall für die Lukom

Unabhängig von der Realisierbarkeit: Was ist verkehrt daran zu träumen? So viel Freiheit muss sein. Die Kunst ist, diese mit Augenmaß und Pragmatismus zu kombinieren. Eine solche Mischung immer neu anzurühren, ist das täglich Brot der gestählten Lukom-Mitarbeiter. Marketing für eine Stadt wie Ludwigshafen zu betreiben, ist nicht immer vergnügungssteuerpflichtig, braucht eine Menge Optimismus, um sich von notorischen Schwarzsehern nicht die Sicht verderben zu lassen.

A ndreas Lang
A ndreas Lang

Manche Leserbrief-Schreiber haben herzhaft lachen müssen, als sie die Vision von blühenden Landschaften in der Innenstadt 2053 gelesen haben. Aber mal im Ernst: Wer hatte sich denn zum 150. Stadtjubiläum 2003 vorstellen können, dass die Bismarckstraße so rasant verödet? Dass eine Tortenschachtel ersatzlos aus dem Stadtbild verschwindet, ein Rathaus-Center ausgedient hat? Von den Zeiten eines Rala, zweigeschossigen Schreibwaren Baldauf oder Metzgerladens alle paar hundert Meter entfernt ganz zu schweigen.

Warum also nicht ausgedehnte grüne Oasen, Start-Ups an der „neuen Rheinschanze“, Szene-Treffs am Ludwigsplatz, einen Ludwigstraßen-Boulevard, Skywalks am Rheinufer – wenigstens vorm geistigen Auge? Die City hätte „mehr Kooperation und Selbstbewusstsein“, wie es im Intro der Begleitbroschüre zum Transformationsprozess heißt, bitter nötig. Man darf ja wohl noch träumen dürfen. Und sei es nur zu Beginn eines kleinen Jubiläumsjahrs.

Die Kolumne

Fünf Redakteure berichten für die RHEINPFALZ über Ludwigshafen. Ihre Erlebnisse aus dem (Arbeits-)Alltag nehmen die Redakteure in der Kolumne „Quintessenz“ wöchentlich aufs Korn.

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