Nachruf
Eine Legende: Ludwigshafener Gitarrist Sigi Schwab verstorben
„Es ist ein sehr spezielles Gefühl, mal wieder zuhause zu musizieren“, sagte Sigi Schwab, als er 2018 mit seiner Formation Camerata Bavarese im Kulturzentrum Das Haus auftrat. Im selben Jahr begann sein Rückzug von der Bühne aus gesundheitlichen Gründen. Sigi Schwab wurde 1940 in Ludwigshafen geboren. An der Musikhochschule Mannheim studierte er Kontrabass im Hauptfach und Gitarre als Nebenfach. Das Hauptfach Gitarre gab es damals nicht, und auch das heute mögliche Jazz-Studium wurde noch nicht angeboten. Schon 1965 wurde Schwab nach Berlin zum RIAS-Orchester eingeladen. „Für Rundfunk und Studio musste ich wirklich alles spielen: Heute was Klassisches, morgen Jazz und übermorgen Schlager“, sagte er im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Da gestand er auch, dass er mit seiner Orchesterarbeit oft keine Freude hatte. „Man musste oft alberne Musik spielen, konnte nichts selber bestimmen und stand in der Orchesterhierarchie ziemlich unten“ erzählte er.
Schwab musizierte zusammen mit Wolfgang Dauner
Anfang der 70er gehörte Wolfgang Dauner zu den deutschen Gründern einer neuen Stilrichtung, der Fusion von Jazz und Rock. Das war sehr laut und elektrisch. „Ich bin am Wochenende nach Stuttgart zu Wolfgang Dauner und Eberhard Weber gefahren, da haben wir so 'Free Rock Jazz' gemacht, das waren richtige Aufschreie, sehr im Zeitgeist und in der Revolution verwurzelt“, erinnerte er sich. Auch bei den Krautrockern von Embryo war er eine Zeit lang aktiv.
Doch seinen klassischen Wurzeln wurde er nie untreu. „Das ist halt die Musik meiner Jugend, darin bin ich ausgebildet“, sagte er über sich. Fast 30 Jahre lang spielte er Klassik mit dem Diabelli Trio, den Speyerer Gitarrensommer besuchte er mit dem Trio Barocco Vivente, das sich mit der Musik des Übergangs von Barock zur Wiener Klassik befasste. Für diese Ensembles spielte er auf eigens gebauten Gitarren.
Rund 15.000 Studioaufnahmen
Schwab war ein sehr gefragter Studiogitarrist, der im Lauf seines Lebens nach eigener Aussage auf rund 15.000 Aufnahmen mitgespielt hat. Auch als Komponist für Film und Fernsehen war er erfolgreich. Selbst Star-Regisseur Quentin Tarantino verwendete ein Stück des gebürtigen Pfälzers: „The Lions and the Cucumber“ für seinen Film „Jackie Brown“.
Zahlreiche Auszeichnungen
Schwab spielte gerne auf elektrisch abgenommenen Konzertgitarren. Hersteller Ovation widmete ihm ein besonderes Modell der charakteristischen Gitarren mit dem Kunststoffbauch. Mit seinem Freund und Ensemblepartner Peter Horton spielte er später kanadische Godin-Gitarren. Zusammen mit Horton trat er öfter in dessen Sendung „Café in Takt“ auf. Im Jahr 2000 wurde Schwab von seiner Geburtsstadt Ludwigshafen mit der Pfalzsäule ausgezeichnet, 2003 erhielt er die Peter-Cornelus-Plakette des Landes Rheinland-Pfalz. Seit den 70er Jahren lebte Schwab in München.