Ludwigshafen Eine lange Freundschaft

Neugierige Besucher bei der Ausstellungseröffnung von „Kinderleid und Kinderglück“ im Stadtmuseum.
Neugierige Besucher bei der Ausstellungseröffnung von »Kinderleid und Kinderglück« im Stadtmuseum.

Aus heutiger Sicht ist die Städtepartnerschaft zwischen Ludwigshafen und der hübschen kalifornischen Stadt Pasadena eine Sensation: Nur drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem die USA und Nazideutschland einander als Feinde begegnet waren, besiegelten die beiden Städte 1948 ihre Freundschaft. Inzwischen hat Ludwigshafen sieben Partnerstädte, die Verbindung mit Pasadena ist die älteste. Zu verdanken ist sie dem ehrenamtlichen Engagement des amerikanischen Ehepaars Tom und Trudie Hunt und ihren Mitstreitern. Die Angehörigen der freireligiös-pazifistischen Glaubensgemeinschaft der Quäker hatten nach Kriegsende Ludwigshafen besucht und waren entsetzt. Ludwigshafen sei „eine der am meisten bedürftigen Städte in der Welt“, zitierte sie bei der Ausstellungseröffnung der Leiter des städtischen Bereichs Kultur, Dietrich Skibelski. Es habe an praktisch allem gemangelt: Nahrungsmittel, Kleidung, Wohnraum. In der französischen Besatzungszone, in der Ludwigshafen lag, sei es den Leuten schlechter gegangen als zum Beispiel den Mannheimern in der amerikanischen. Die schwere Explosion 1948 bei der I.G. Farben, wie die BASF zu dieser Zeit hieß, vergrößerte das Elend. In Workshops und bei Bibliotheksbesuchen haben zehn Schüler recherchiert, dass die amerikanischen Quäker um das Ehepaar Hunt fleißig Spenden sammelten, um Schulspeisungen zu ermöglichen und „Care“-Pakete verteilen zu können. Sie befassten sich gemeinsam mit Museumsmitarbeiterin Lucia Taglieber mit dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit, in der Ludwigshafen in Trümmern lag. „Grausame und traurige Sachen“ hätten sie erfahren, sagten die Kinder. Die zehn Mädchen und Jungen sind Teilnehmer des „FörderPlus“-Programms der Gräfenauschule. Es wird jedes Jahr für alle Kinder angeboten, die eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen haben und in von zwei Sozialpädagoginnen geleiteten Nachmittagsmodulen zusätzliche Anregungen bekommen sollen. Wie Museumsleiterin Regina Heilmann berichtete, haben sie sich zunächst mit der Geschichte der Städte Ludwigshafen und Pasadena beschäftigt und dann mit der Situation im und nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Laufe der Recherche haben sich im Museum auch zwei Zeitzeuginnen gemeldet, die selbst von der Hilfe aus den USA profitiert haben. Auch bei der Ausstellungseröffnung teilten einige Männer und Frauen ihre Erinnerungen aus der Kindheit mit. Zu Besuch bei der Vernissage war auch eine Gruppe aus einer anderen Partnerstadt, nämlich aus dem französischen Lorient, mit dem Ludwigshafen seit 1963 verbunden ist. Für die jungen Leute hatte eine mit unserer Volkshochschule vergleichbare Einrichtung eine Bustour durch alle europäischen Partnerstädte Lorients organisiert. Sie waren für zwei Tage in Ludwigshafen, wo sie von der Deutsch-Französischen Gesellschaft unter der Leitung des Ehepaars Schönbucher begleitet wurden. Eine Delegation aus Pasadena und Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) erwartet das Stadtmuseum am 22. Juni. Das 70. Jubiläum der Städtepartnerschaft wird am 20. Juni, 19 Uhr, mit einer Geburtstagsfeier gewürdigt. Stephan Reinhard, Vorsitzender des Freundeskreises Ludwigshafen-Pasadena, erläutert dann die Geschichte des Vereins. Am Mittwoch, 6. Juni, 19 Uhr, referiert Marcel Jurkat, Leiter Städtepartnerschaften und Repräsentation der Stadt, über „Ereignisse und Ereignisreiches aus sieben Jahrzehnten Städtepartnerschaft mit Pasadena“. Ein Kinderprogramm gibt’s am Mittwoch, 27. Juni. Noch Fragen? Die Ausstellung ist bis Samstag, 30. Juni, im Stadtmuseum im Rathaus-Center zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag, 10 bis 17 Uhr.

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