Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Eine besondere Ausbildung: Der Weg zum Gleisbauer

Auch das Stopfen der Gleise gehört zur Ausbildung. Hier bei der Arbeit: Ausbilder Maximilian Müller, Michael Schärer und Niclas
Auch das Stopfen der Gleise gehört zur Ausbildung. Hier bei der Arbeit: Ausbilder Maximilian Müller, Michael Schärer und Niclas Hilgenberg (von links).

Sie liegt ein wenig versteckt auf dem Bahngelände in der Oskar-Vongerichten-Straße. Doch bei der Deutschen Bahn ist die Ausbildungswerkstatt der Gleisbauer eine ganz zentrale Einrichtung. Es gibt sie bereits seit zehn Jahren. Rund 500 junge Menschen haben in dieser Zeit einen der wichtigsten Bahnberufe gelernt, schätzt Werkstattleiter Eugen Springer.

Vieles war am Anfang noch nicht da und entstand erst im Laufe der Jahre. Das meiste davon haben die Azubis selbst gebaut. Auch in der Halle. „Die Bäder haben die Auszubildenden zum Beispiel selbst gefliest. Das ergibt ja auch Sinn. Fliesen und Pflastern gehört schließlich zur Ausbildung“, erklärt Eugen Springer. Und auch der „Sandkasten“ für Pflasterarbeiten ist eine Eigenproduktion. Mittlerweile hat er sogar ein Sonnensegel als Lichtschutz. Das sind nicht die einzigen Initiativen aus dem Kreis der angehenden Gleisbauer, die so etwas wie die Multifunktionalisten im Bahnkonzern sind. „Was? Das gehört auch zu unserem Aufgabenbereich?“, ist eine Frage, die Ausbilder Maximilian Müller und seine Kollegen immer wieder hören. „Viele sind überrascht, dass sie zum Beispiel auch mauern oder pflastern müssen“, sagt der 26-Jährige, der die Gefühlslage seiner Nachfolger kennt, lachend. Schließlich ist es noch gar nicht so lange her, dass er selbst hier die Grundlagen des Bahnberufs erlernte.

„Es gehört alles rund um die Schienen dazu. Zum Beispiel auch das Bodenverhalten, wenn die Strecke durch den Wald führt.“ Die Gleise seien nur der sichtbare Teil der Arbeit die sich, ähnlich wie bei einem Eisberg, bis tief unter die Erdoberfläche erstreckt. Etwa, weil in mehreren Metern Tiefe der Boden für die Auflage von Schwellen und Schienensträngen vorbereitet wird. Und gemauert wird dabei eben hin und wieder auch. Oder „gestopft“, also der Boden unter den Gleisen verdichtet und wieder stabilisiert, damit auch die nächsten Züge die Strecke wieder gefahrlos passieren können.

70 freie Ausbildungsstellen

Maximilian Müller ist nicht der einzige, der sein Handwerk dort gelernt hat, wo er sein Wissen nun weitergibt. „Man könnte die Ausbildungswerkstatt beinahe als Meister-Werkstatt betrachten“, sagt Bahn-Pressesprecherin Sylvia Wagner lachend mit Blick auf die Karrieren, die hier ihren Ursprung genommen haben – auch wenn die eigentlichen Meisterwerkstätten des Konzerns in Karlsruhe und Berlin sitzen. Aber die Grundlagen dafür wurden schließlich in Ludwigshafen gelegt.

Unter anderem von Florian Brech, der mittlerweile in der Personalgewinnung arbeitet und darauf verweist, dass der Verkehrskonzern nicht nur bundesweit 5000 Stellen, sondern auch regional wieder 70 Ausbildungsstellen ausgeschrieben hat. „Stellen mit Übernahmegarantie. Wir bilden ausschließlich nach Bedarf aus“, betont er. Und Gleisbauer werden nicht nur immer wieder gebraucht, sondern der Beruf sei förmlich ein Sprungbrett. „Es ist immer wieder spannend zu beobachten, wo man im Konzern auf die Leute trifft, die man selbst noch ausgebildet hat“, sagt er.

Arbeit wird digitaler

Ganz soweit kann Eugen Springer nicht schauen. Dafür ist er von Anfang an bei der Ausbildungswerkstatt in Ludwigshafen dabei, wo alle neuen Arbeitnehmer aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Hessen und Baden-Württemberg auf ihre künftige Aufgabe im Konzern vorbereitet werden. Seit September, also mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres, hat er sogar die Leitung der Ausbildungswerkstatt übernommen. „Wir sind mit der Zeit digitaler geworden“, beschreibt er die auffälligste Entwicklung. Arbeitsaufträge werden mittlerweile digital übermittelt und auch das theoretische Wissen lande zunehmend auf Lernplattformen. Das eigentliche Handwerkszeug der Gleisbauer bleibt aber handfest und teilweise überaus grobschlächtig – denkt man zumindest. Dieser Eindruck täusche aber, versichern Springer und Müller. „Denn gearbeitet wird damit sehr fein und exakt.“ Bis auf einen Zehntel Millimeter genau.

So wenig Toleranz gebe es bei der Verlegung von Schienen, auf denen irgendwann einmal gefahrlos Züge rollen sollen. Auch das lernen die Auszubildenden in der Ludwigshafener Werkstatt, die dafür mit einer Ausbildung gleich zwei Abschlussbriefe erhalten. „Man wird hier Gleisbauer und Facharbeiter für Tiefbau“, sagt Springer. Und ein bisschen an der eigenen Ausbildungswerkstatt baut man ebenfalls mit.

Von Anfang an mit dabei: Ausbildungsleiter Eugen Springer.
Von Anfang an mit dabei: Ausbildungsleiter Eugen Springer.
x