Ludwigshafen Eine Arbeits-Utopie aus Knete

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Eine Hängematte neben dem Büro. Ein Beachvolleyballfeld. Das Bewerbungsgespräch per QR-Code organisiert. Powernapping – natürlich. Das alles nicht um nichts mehr zu tun und am Arbeitsplatz nur noch zu entspannen, sondern um die Arbeit der Zukunft umzugestalten, Arbeitgeber für Arbeitnehmer attraktiver zu machen. Zu diesem Thema gab’s in den Räumen der BASF gestern ein Jamming. Das hat genauso wenig mit Marmelade (englisch: jam) wie mit musizieren (spontane Jamsession) zu tun. Stattdessen haben sich 50 junge Erwachsene zusammengetan, um knapp fünf Stunden lang in Gruppen darüber nachzudenken, wie Arbeit in der Zukunft aussehen soll. Sogenannte Prototypen von Arbeitswelten haben sie entworfen. Nach Kritik der Mitstreiter auch wieder verworfen, sind gescheitert, um neu anzufangen. Am Ende standen kleine Modelle, wie denn das mit diesem Ding Arbeit weitergehen könnte. Neben BASF-Azubis, -Praktikanten und -Berufseinsteigern waren Studenten dabei, aus der Chemie wie aus dem Controlling oder der Wirtschaftspädagogik. Gedacht haben sie, gebastelt – mit Knete und Legomännchen Arbeits-Utopien gebaut. Am Ende präsentiert, dabei auch ein bisschen herumgesponnen. Das darf man beim Jamming, auch Forderungen stellen darf man. „Duzen kann vorteilhaft sein“, „Ja zu Sabbatical“ steht auf gelben Klebezetteln. Das sind die Ideen, die Anforderungen, die junge Arbeitnehmer stellen – die sich durchaus verändert haben, wie André Becker, Personalchef der BASF-Gruppe, später sagen wird. Aufmerksam zugeschaut hat er, was sein Personal von morgen erdacht hat. „Bewerber sind tendenziell selbstbewusster“, erzählt Becker aus seiner Erfahrung der vergangenen Jahre. Eine Einstellung sei immer stärker geworden: „Die Firma soll auch um mich kämpfen.“ Sind das zu viele Forderungen? Nein, sagt Becker, der Arbeitgeber sei in der Pflicht. Eine Sache hat ihn überrascht: Der Wunsch junger Leute nach unbefristeter Anstellung, den eine Gruppe mit dem Entwurf eines Vertrag-O-Mats präsentiert. Das ist ein Vertragsgenerierer, der am Ende das unbefristete Papier ausspuckt. Das Ziel, das doch eigentlich ein altes ist – die ureigene Suche des Menschen nach Sicherheit. Die wollen auch junge Erwachsene im Jahr 2016 noch. Auch Freizeit am Arbeitsplatz, wo – wie zu Hause – die Grenzen zwischen Job und Ausgleich immer mehr verschwimmen. Eine Gruppe schlägt vor, sich dem zukünftigen Chef statt steril im Büro – mit Anzug und Krawatte – beim Golfen oder Gesellschaftsspiel vorzustellen. Ein Gesprächsthema sei auf diese Weise schnell gefunden. „Die Menschen sind entspannter“, sagt einer. Die Räume in Unternehmen nach unterschiedlichen Bedürfnissen zu gestalten, schlägt ein anderes Team vor. Ruhezimmer für den Einzelnen, den Genervten, den Stille-Suchenden, ein Drink an der Bar für die Kommunikativen. Ein Raum mit Musikinstrumenten, um in Arbeitspausen kreativ zu werden, sich auch in der Arbeit selbst Unkonventionelles zu trauen. Für Produktionsanlagen träumen die Zukunftsgestalter vom Einsatz noch mehr neuer Technologie als ohnehin schon vorhanden. Wenn das Tablet Reparaturvorschläge abbildet, anzeigt, wo in der Anlage der Fehler liegt. Jede Gruppe hatte zwei Minuten Zeit für die Präsentation. Effizienz ist wichtig – immer noch.

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