Handball
Ein Rückraum-Riese für die Eulen
Die frühzeitig angekündigten Abgänge von Mex Raguse und Sebastian Trost öffneten ihm die Tür zum Handball-Zweitligisten Eulen Ludwigshafen. Und in vielerlei Hinsicht bringt Friedrich Schmitt auch dieselben Eigenschaften wie seine Vorgänger mit. Neben Nicolas Waldvogel und Mihailo Ilic ist der in Weimar aufgewachsene Rückraumspieler der nächste Hoffnungsträger, der für erhöhte Gefahr aus dem linken Rückraum dem gegnerischen Tor sorgen soll. „Ich freue mich schon seit Wochen auf die Aufgabe bei den Eulen und nach den ersten Trainingseinheiten habe ich den Eindruck, dass ich am richtigen Ort angekommen bin“, glaubt Schmitt.
Der 2,07 Meter große Halblinke hat ein klares Ziel. Nach zwei Jahren mit dem SC DHfK Leipzig II in der 3. Liga, dessen Internat er zuvor besuchte, will er sich in Liga zwei etablieren. Sein Reifeprozess geht weiter. „Das ist für mich der nächste Step, nachdem ich in der letzten Saison auch komplett mit dem Bundesliga-Kader trainiert habe“, sagte Schmitt. Der Blondschopf ist in Reinbeck bei Hamburg geboren, aber in der Bauhaus-Stadt Weimar aufgewachsen. Er begann seine Handballer-Laufbahn beim ASV Weimar, ehe er sich dem HSV Apolda anschloss, um dann in der B-Jugend dem Ruf aus der Handball-Hochburg Leipzig zu folgen.
Es ist jetzt sein fünftes Jahr fernab von Eltern, Bruder und Schwester. Der Weg aus Ludwigshafen in die Heimat nach Weimar ist weiter als von Leipzig nach Weimar. Das stört ihn nicht. Er hat sich daran gewöhnt, denn seine Freundin studiert in Berlin, und sein zwei Jahre jüngerer Bruder lebt – dem Sport zuliebe –, auch in der Bundeshauptstadt. Richard Schmitt steht seit 2023 bei Alba Berlin unter Vertrag und ist derzeit in der 2. Basketball-Bundesliga bei LOK Bernau aktiv. „Nur unsere kleine Schwester ist noch zu Hause in Weimar“, erzählt der sympathische junge Mann, der ein klares Ziel verfolgt.
Das will er in zwei Schritten erreichen: Zunächst in Liga zwei etablieren und dann zurück in die Bundesliga. Dafür ist er auch körperlich gereift. In den letzten fünf Jahren ist er fünf Zentimeter gewachsen und hat 20 Kilogramm an Muskelmasse zugelegt. Genau 107 Kilogramm bringt „Schmitti“ auf die Waage. „Es ist mein persönliches Ziel, mich mit dem nächsten Wechsel im Profihandball zu etablieren“, macht er deutlich.
Dass er bei den Eulen gelandet ist, begründet der 20 Jahre alte Abiturient mit den „guten Gesprächen“ mit Cheftrainer Johannes Wohlrab. Er habe auch eine Reihe „guter Dinge“ von Finn Leun, seinem einstigen Mitspieler beim SC DHfK, erfahren. „Schmitti“ macht auch kein Geheimnis daraus, dass ihm weitere Angebote vorlagen. Keine Rolle spielten demnach die guten Kontakte von SC DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther zu den Eulen. „Das habe ich erst später mitbekommen“, sagte Schmitt.
Seine ersten Eindrücke von den Eulen sind äußerst positiv. „Die Mannschaft hat mich sehr gut aufgenommen, alle sind sehr herzlich, es ist alles familiär, es macht Spaß, ich fühle mich mega wohl“, erzählte Schmitt, der im Stadtteil Friesenheim auch eine Wohnung fand. Dabei setzte er gleich beim ersten Testspiel eine Duftmarke. Er erzielte den ersten Treffer und nach sieben Meter hatte er schon drei Mal getroffen. Auch wenn er dies sportlich verständlicherweise nicht überbewerten möchte, soll es aber als Signal verstanden werden, dass er bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.
Das traut ihm auch Cheftrainer Wohlrab zu. „Durch seine Körperlichkeit bekommen wir einen Spieler, der auch mal einen Buzzer Beater entscheidend nutzen kann.“ Wohlrabs Aussage bezieht sich auf den 10. Bundesliga-Spieltag der vergangenen Saison. 80 Sekunden vor Schluss der Partie gegen Frisch Auf Göppingen war Zeitspiel angezeigt, Leipzig hatte nur noch einen Wurf. Schmitt kam von der Bank und donnerte den Ball zum entscheidenden 26:24 in die Maschen.
Wohlrab sieht in dem Rückraum-Riesen künftig auch einen Faktor im Abwehr-Innenblock, mahnt aber Geduld an: „Friedrich ist noch kein fertiger Spieler. Seine Entwicklung braucht Zeit.“ Das weiß er selbst. „Ich bin bereit, dafür täglich zu arbeiten“, sagte Schmitt, der aber auch die ersten Weichen für die Zeit nach dem Handball stellen möchte.
„Ich werde in Ludwigshafen einen Spanisch-Kurs besuchen, dann möchte ich einige Praktika in Schulen und Kindergärten machen, um erste Erfahrungen für mein geplantes Studium zu sammeln“, erzählt der Rückraumriese. Sein Ziel ist ein Lehramtsstudium, das er zeitlich noch etwas geschoben hat. „Ich habe nur einen Ein-Jahresvertrag unterschrieben und da macht es aktuell noch keinen Sinn“, erklärt Schmitt.