Ludwigshafen „Ein neuer Typ Reisender“

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Meinung am Montag: Auf dem Platz der Deutschen Einheit hat der Bau eines neuen Hotels begonnen. Das 186-Zimmer-Haus gehört zur Moxy-Gruppe des US-Hotel-Konzerns Marriott. Wir haben mit Markus Lehnert, Entwicklungschef für die neuen Moxy-Hotels, über das Projekt in Ludwigshafen gesprochen.

Herr Lehnert, die Bagger sind auf der Baustelle. Wann ist das neue Moxy-Hotel an der Rhein-Galerie fertig?

Bauherr ist das holländische Immobilienunternehmen Vastint. Wir gehen von einer Eröffnung in der zweiten Jahreshälfte 2017 aus. Wenn die Bodenplatte und das Erdgeschoss fertig sind, dauert es in der Regel etwa sechs Monate, bis das Hotel fertig ist. In Ludwigshafen ist aber eine etwas aufwendigere Fassadengestaltung geplant. Wie viele Moxy-Hotels gibt’s bereits? Wir haben mittlerweile 45 Moxy-Projekte in ganz Europa in unterschiedlichen Stadien. In Deutschland haben wir bisher drei Moxy-Hotels eröffnet: in München, Frankfurt und Berlin. Anfang kommenden Jahres kommt am Stuttgarter Flughafen ein weiteres Hotel dazu und parallel zu Ludwigshafen bauen wir ein Moxy auch in Düsseldorf. Wer ist die Zielgruppe? Ein neuer Typ Reisender. Leute, die flexibel sind, mit Computer und Smartphone unterwegs sind. Das spiegelt sich in unserem Konzept wider. Im Hotel gibt es überall WLAN, die Zimmer sind Ruhezonen, im Erdgeschoss sind soziale Treffpunkte und auch ein Partyzone. Sie wollen auch im Niedrigpreissegment punkten und verzichten beispielsweise auf ein Restaurant. Was unterscheidet Ihr Konzept von Konkurrenten wie der B&B-Gruppe, die in Ludwigshafen gegenüber der Baustelle gerade ein Hotel eröffnet hat? Die B&B-Häuser sind sehr einfach. Moxy hat auch Elemente der Low-Budget-Hotels, aber eben auch von Vier-Sterne-Häusern. Unsere Zimmer sind größer und es gibt es einen 42-Zoll-Fernseher sowie die gleichen Betten wie in Marriott-Hotels. Wir wollen eine Wohlfühlatmosphäre schaffen. Sie bauen ein Haus mit 186 Zimmern auf sechs Etagen. Wie viele Arbeitsplätze schaffen Sie in Ludwigshafen? Es werden etwas weniger als 20 volle Stellen sein. Auch das Personalkonzept geht weg vom manchmal etwas verstaubten Service in alten Hotels, der in verschiedene Servicebereiche untergliedert ist. Bei uns machen alle alles und es geht viel lockerer zu. Das kommt bei den Moxy-Gästen gut an. Das klingt, als ob Sie sich mit dem Geschäftsmodell bewusst abgrenzen? Schon, einen direkten Konkurrenten in unserem Segment gibt es bisher nicht. Aber es gibt Überlappungen mit anderen Häusern wie Citizen M, Mama Shelter, Motel One oder Holiday Inn. In Ludwigshafen gibt es seit September das neue B&B mit 100 Zimmern, im kommenden Jahr eröffnet Moxy mit 186 Zimmern. Entstehen da nicht Überkapazitäten in der Stadt? Nein, das glaube ich nicht. Momentan wandert viel Geschäft von Ludwigshafen nach Mannheim ab. Und durch neue Markenhotels kommen ja auch neue Gäste nach Ludwigshafen. Mannheim würde sonst weitere Kapazitäten abziehen. Drüben in Mannheim werden auch neue Hotels eröffnet. Es wird momentan in sehr viele Hotelprojekte investiert. Gibt es da einen Boom? Sicherlich. Aber es gibt auch eine Spezialisierung der Hotels: auf Gäste, die etwas für einen längeren Aufenthalt suchen, oder auf Gäste, die auf Design Wert legen oder die eben keinen großen Service wollen. Noch mal nachgefragt: Alteingesessene Hotels in Ludwigshafen glauben nicht, dass der Kuchen groß genug für alle ist. Was meinen Sie? In Ludwigshafen gibt es kein Überangebot. Es ist auch klar, dass die Konkurrenz nicht von den neuen Hotels in der Stadt begeistert ist. Solche Veränderungen sind nicht immer angenehm, aber sie tun dem Markt gut. Hat die Lage am Rhein den Ausschlag für einen Moxy-Standort in Ludwigshafen gegeben? Der Platz ist sehr gut und liegt sehr zentral in der Innenstadt. Der Mannheimer Hauptbahnhof ist nicht weit. Die Rhein-Galerie und die Rheinpromenade sehen schick und zukunftsweisend aus. Hotelgäste können auch bequem dort shoppen. In Mannheim gibt es so nah am Rhein nichts Vergleichbares. Wie wollen Sie Ihre Gäste nach Ludwigshafen lotsen? Das läuft über Marriott- und die Moxy-Buchungsportale im Internet. Bisher steigen in Ludwigshafen vor allem Geschäftsreisende ab. Ist das auch Ihre Zielgruppe? Geschäftsreisende sind der dominierende Teil unserer Gäste. Aber wir zielen auch auf Freizeitgäste. Die Pfalz und die Kurpfalz sind ja schön. Der Tourismusmarkt in Deutschland boomt derzeit, weil die Leute aus Terrorangst weniger ins Ausland reisen. Das ändert sich hoffentlich wieder. Wie langfristig ist Ihr Engagement in Ludwigshafen? Wir haben mit dem holländischen Eigentümer einen Vertrag mit einer Laufzeit von über 20 Jahren. Der Investor baut und verpachtet an unseren Franchisenehmer. Wir vergeben im Franchisesystem eine Lizenz für ein Moxy-Hotel. Wer wird das Haus in Ludwigshafen betreiben? Die Nordic AS, die als unser Partner mittlerweile 30 Moxy-Hotels in Europa betreibt und entwickelt. Wie viel Geld wird investiert? Eine Summe kann ich Ihnen nicht nennen. Man rechnet aber bei der Entwicklung eines neuen Mittelklasse-Hotels mit etwa 100.000 Euro pro Zimmer, aber das ist ein allgemeiner Richtwert. Wie gut kennen Sie Ludwigshafen? Sehr gut. Ich bin im Saarland aufgewachsen und habe sogar Verwandtschaft in Ludwigshafen, die ich ab und an besuche. Zur Person Markus Lehnert (50) ist Entwicklungschef bei der Marriottgruppe für „Limited Service Hotels“ in Europa und leitet die Entwicklung aller Marriott Marken in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Saarländer lebt und arbeitet in Zürich. | Interview: Michael Schmid

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