LUDWIGSHAFEN
Ein musikalisches Feuerwerk: Die Staatsphilharmonie und Beethovens Fünfte
Yi-Qiong Pan ist Erste Konzertmeisterin, sie teilt sich das Amt mit Nikolaus Boewer. Konzertmeister sind Stimmführer der ersten Violinen und haben darüber hinaus wichtige Aufgaben für das ganze Orchester. Sie leiten das Verhalten des Ensembles auf der Bühne, etwa beim Stimmen, beim Begrüßen der Dirigenten und mehr. Yi-Quiong Pan begann mit dreieinhalb Jahren das Geigenspiel „und es hat von Anfang an gut funktioniert“, sagt sie. In ihrem Video stellt sie eine Passage aus dem vierten Satz vor, „weil in diesem Moment das Orchester so aufregend klingt“. Und es ist beeindruckend, wie dynamisch und dramatisch schon ihre Violine allein klingt. Und über einen Link zu einer Aufzeichnung des Jubiläumskonzerts kann man bei Youtube genau diese Stelle hören.
„Voll in meinem Element“
Simon Bernstein spielt Pauke. Das sieht in seinem Video nicht allzu schwierig aus. Aber die Schlagwerker lernen in ihrem Studium eine ganze Menge Instrumente, nicht nur für Rhythmus, sondern auch melodisch-harmonisches Spiel, etwa Vibraphon oder Marimba. „Ich bin da voll in meinem Element“, sagt er über seinen Part in der Fünften. Beethoven habe als einer der ersten Komponisten prägnante Pauken eingesetzt. Im Übergang vom dritten zum vierten Satz führe die Pauke mit einem Puls wie ein Herzschlag das ganze Orchester.
Alexander Kunz spielt auf seinem Kontrabass etwas aus dem Trio des Scherzos. „Jeder Kontrabassist auf der Welt denkt bei der Fünften an diese Stelle“, sagt er. Die ist nämlich ganz schön virtuos, wie man da hört. Kunz erzählt, dass er zur Staatsphilharmonie gekommen sei, weil er unbedingt neben Solo-Kontrabassist Joachim Stever spielen wollte. Friederike Bauer kam zur Staatsphilharmonie, weil sie „unbedingt in die Toskana Deutschlands“ wollte. Sie spielt Bratsche. Dieses Instrument hat eine etwas tiefere Stimme als die Violinen, liegt aber höher als das Cello. „Die vermittelnde Rolle der Bratsche mit ihrem warmen, sonoren Klang hat mich angesprochen“, sagt sie. Sie spielt ein Thema aus dem Mittelteil des dritten Satzes vor. Das wird zuerst von den Bässen und Celli gespielt – was ein bisschen zum Wettstreit wird: Die Bratschen wollen dann zeigen, dass sie ebenfalls ein Feuerwerk entzünden können.
Ganz nah dran
Endlich gibt es auch das „ta-ta-ta-daaa“ zu hören, nämlich von Eric Trümpler, der seit über 35 Jahren bei der Staatsphilharmonie Cello spielt und damit sein Video einleitet. Er spielt dann das filigrane Hauptthema des dritten Satzes – und so ganz aus der Nähe merkt man, wie der Cellist mit der Musik atmet und ächzt. Er zeigt dann, wie sich das Thema entwickelt – es ist spannend zu erleben.
Eine ganz besondere Stelle gibt es für Rainer Schick, der als Solist die Oboe spielt: „Eigentlich nur ein paar Töne, aber nach dem ganzen Getöse, nach zehn Minuten Hin-und-her mit dem Orchester, steht man da und darf ganz alleine spielen“, sagt er. Und verrät, dass die Oboisten deshalb die Stelle gerne auskosten. Er berichtet, dass er gerade einen Wettbewerb gewonnen hatte und direkt von dort nach Ludwigshafen gefahren sei, um sich für die Stelle zu bewerben.
Hanna Mangold erzählt zwar in ihrem Video nichts von ihrer Querflöte und ihrer Lieblingsstelle, aber dafür hat sie eine witzige Idee und zeigt kleine Helfer, die ihr beim Flötespielen zur Hand gehen. Sie ist die stellvertretende Soloflötistin. Christiane Palmen, die Solistin auf der Flöte, präsentiert eine Stelle, an der die Holzbläser das ganze Orchester zu einem strahlenden Akkord führen. Sie mag die Flöte, weil hier im Gegensatz zu anderen Blasinstrumenten der Atem keinen direkten Widerstand habe.
Und die besondere Bedeutung? Beethovens Fünfte Sinfonie wurde schon beim Gründungskonzert am 15. Februar 1920 gespielt.