MANNHEIM
Ein Meister an der Orgel: Gerhard Weinberger in der Christuskirche
Gerhard Weinberger ist emeritierter Professor der Musikhochschulen in München und Detmold, eine international hoch angesehene, mehrfach ausgezeichnete Kapazität auf seinem Gebiet. Regelmäßig konzertiert er auf drei Kontinenten. In Mannheim präsentierte er sich mit Werken von Mozart, Liszt, dem aus Liechtenstein stammenden Komponisten und Organisten Joseph Rheinberger, der im mittleren und späten 19. Jahrhundert im Münchner Musikleben eine bedeutende Rolle gespielt hatte, und von Max Reger.
CD in Mannheim aufgenommen
Dessen Oeuvre stellt – neben jenem Bachs – einen Schwerpunkt in Weinbergers Repertoire dar. Entsprechend beschäftigt ihn zurzeit eine großangelegte CD-Aufnahme des Regerschen Orgelwerks auf Instrumenten aus der Zeit des Komponisten, von der ein Teil auf der Steinmeyer-Orgel der Mannheimer Christuskirche entstanden ist.
Diese diente jetzt Weinberger auch, um sich als hochsensibler Meister des Orgelklangs zu profilieren. Bei seinem Mannheimer Auftritt faszinierte die außergewöhnliche Vielfalt der Klänge. Im Gedächtnis haften blieben geheimnisvolle, ungemein subtil ausgehörte Piano-Wirkungen in Regers Präludium und Fuge in h-Moll oder im Schlussstück des Abends: Liszts Präludium und Fuge über B-A-C-H, die Tonsilben des Namens Bach. Nicht zu vergessen die feinen, mit erlesenem Raffinement angesetzten Schattierungen in drei Choralvorspielen aus Regers op. 79b und die vielen gestalterischen Feinheiten in Mozarts d-Moll-Fantasie (KV 397), ursprünglich einem Klavierstück, das von Weinberger für die Orgel bearbeitet wurde.
Königlicher Gestus
Den delikat verhangenen Klängen standen dann die ausladenden, monumentalen Verdichtungen und Gipfelungen gegenüber, die Weinberger mit königlichen Gestus zu entfesseln wusste. Dies ganz besonders (doch nicht ausschließlich) bei Liszt.
Mit anderen Worten: Er hatte die ganze Tonpracht und den gesamten Facettenreichtum der Steinmeyer-Orgel mit überwältigendem Gestus beschworen. Schließlich nahm der Organist andererseits sehr für sich ein durch höchst souveräne Übersicht über die kompositorischen Vorgänge, durch äußerst klare Linienführung. Und als Virtuose.