Ludwigshafen Ein langer Krieg um Religion und Macht
Stell dir vor, es ist Krieg und der dauert 30 Jahre lang. Er findet nicht in weit entfernten Ländern wie Syrien oder dem Kongo statt, sondern hier in Deutschland. Der Dreißigjährige Krieg dauerte von 1618 bis 1648. Beendet wurde er in der Stadt Münster, die ich besucht habe.
liegt in Westfalen, das liegt etwa 350 Kilometer mit dem Auto von Ludwigshafen entfernt. In dem Rathaus, das du auf dem Foto sehen kannst, beendeten kluge Menschen vor knapp 370 Jahren diesen Krieg, der in Deutschland und Europa tobte. Es kämpften Katholiken gegen Protestanten, Adelige gegen den Kaiser, die Niederlande gegen Spanien, Frankreich und Schweden gegen Deutschland. Am Anfang ging es um die Religionszugehörigkeit. In Prag hatten 1618 evangelische Vertreter der Stände, also Menschen verschiedener Berufsgruppen, die drei Statthalter des katholischen Königs aus dem Fenster der Burg geworfen, weil sie nicht katholisch werden wollten. Sie überlebten den Sturz. Doch ganz schnell ging es bei diesem Streit nicht mehr hauptsächlich um Religion, sondern um Macht und Politik. Nicht nur in Prag, sondern in weiten Teilen Deutschland und Europas herrschte bald ein schlimmer Krieg. Die Menschen, durch deren Dörfer und Städte die Soldaten aus aller Herren Länder zogen, wussten nicht viel von den Ursachen dieses Krieges. Sie hatten wenig zu essen, weil die Soldaten ihnen alles wegnahmen, sie verletzten oder töteten und ihre Häuser niederbrannten. Viele, die den Soldaten entkamen, starben an Krankheiten, weil sie sehr schwach waren. In manchen Teilen Deutschlands waren am Ende des Kriegs nur noch ein Drittel der Menschen am Leben. Das ist, als wenn in deiner Klasse mit 30 Kindern am Ende nur noch zehn übrig bleiben würden. Auch in der Pfalz wütete der Dreißigjährige Krieg. Vielleicht habt ihr auf dem Hans-Warsch-Platz schon mal ein Eis gegessen oder steigt auf dem Weg zur Schule hier um. Hans Warsch war ein Schafhirte, der Oggersheim mit einer List vor den Spaniern gerettet hat. Wenn ihr wissen wollt, wie er das geschafft hat, lest mal das Schild an der Haltestelle. Doch in anderen Orten wie beispielsweise Ruchheim kamen viele Menschen in dieser Zeit ums Leben. Hier wie in ganz Deutschland hatten die Menschen die Nase voll von Tod und Gewalt. In Münster im Rathaus verhandelten über 150 Leute aus den beteiligten Ländern, wie sie Frieden schaffen könnten. Fünf Jahre brauchten sie dafür. Erst 1648 war der Krieg zu Ende – nach 30 Jahren. Zum Vergleich: Wenn du jetzt zehn Jahre alt bist, wärst du 40, wenn so ein langer Krieg zu Ende geht. Das ist alles lange her, aber trotzdem kann man daraus auch heute noch lernen, wie Streit entsteht und wie man ihn beenden kann. Lernen wollen heutzutage zahlreiche junge Leute in Münster. Es ist eine wichtige Universitätsstadt, in der viele Studenten gern mit dem Fahrrad unterwegs sind. Bei einem habe ich mich auf den Gepäckträger setzen dürfen. |acd