Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ein großer Kämpfer mit viel Herz

Reinhard Meier war unter andrem Trainer beim SV Südwest Ludwigshafen. Ein Pfundskerl, ein bescheidener, höflicher, nahbarer Mens
Reinhard Meier war unter andrem Trainer beim SV Südwest Ludwigshafen. Ein Pfundskerl, ein bescheidener, höflicher, nahbarer Mensch.

Sein großer Stolz war seine Tochter Silke, die im Tennis Karriere machte, deutsche Spitzenklasse war, es in die Weltrangliste schaffte und sogar mit Steffi Graf den Fed-Cup gewann. Tennis war sein Hobby, so lange das die Gesundheit zuließ: Reinhard Meier, als Bundesliga-Profi des 1. FC Kaiserslautern bekannt geworden, ist am Donnerstag im Alter von 74 Jahren gestorben.

Geboren in Wiesbaden, erlernte Meier in jungen Jahren den Beruf des Werkzeugmachers. Bei Germania Wiesbaden begann er mit dem Fußball, mit 22 kam er zum Südwest-Regionalligisten SV Alsenborn, dem damaligen Fußballwunder vom Dorf. „Ich war 30, kam im gleichen Jahr wie Reinhard. Ein sympathischer Kerl“, erinnert sich der frühere tschechische Nationalspieler Karel Nepomucký. Entdeckt wurde Meier von Trainer Heiner Ueberle, der die Qualitäten des Defensivmannes richtig einzuschätzen wusste.

Mit dem SVA wurde der Profi-Novize 1969 Meister, zum dritten Mal in Folge spielten die Alsenborner um den Bundesliga-Aufstieg. Sie scheiterten. Reinhard Meier etablierte sich als Stammspieler, erwies sich im defensiven Mittelfeld als torgefährliche Kraft. In 86 Spielen für die Alsenborner traf Meier 19 mal. Und wurde für die Bundesliga interessant.

Ein Teamspieler, der hart arbeitete

Nach vier Jahren beim SV Alsenborn folgte Meier dem Ruf des 1. FC Kaiserslautern. Enkenbach-Alsenborn blieb die Heimat der Familie, beim FCK fand Meier seinen Herzensverein. In 184 Bundesliga-Spielen schoss Meier, der Mann für besondere Fälle, 21 Tore. Eine bemerkenswerte Quote für den Defensivmann, den es faszinierte, unter Flutlicht auf dem Betze Fußball zu spielen, Fußball zu arbeiten. Er spielte mit Leuten wie Sepp Stabel, Jupp Elting, mit Ronnie Hellström, Hannes Bongartz, Fritz Fuchs und Dietmar Schwager, Seppl Pirrung, Hans-Peter Briegel und Hans-Günter Neues, Heinz Wilhelmi, Werner Melzer, Reiner Geye und Klaus Toppmöller. Trainer Erich Ribbeck hat Meier für den FCK gewonnen – einen Teamspieler, einer der seine Grenzen kannte, der für den Erfolg, für den Platz in der Mannschaft bereit war, hart zu arbeiten.

Meier, ein Pfundskerl, kannte keine Freunde mehr, wenn der Ball rollte. „Reinhard war ein sehr liebenswürdiger Mensch, einer mit Ecken und Kanten. Ein Mannschaftsspieler, ein Riesenkämpfer, ein bemerkenswerter Linksfuß“, würdigt Udo Sopp, der einstige FCK-Präsident. Er erinnert sich gerne an ein Treffen, das sein Alsenborner Pfarrerkollege Martin Knieriemen an einem heimischen Stammtisch organisierte: Sopp brachte Meier mit, der bei Spielen gegen Hertha BSC meist als Wachhund auf den Ex-Alsenborner Lorenz Horr angesetzt worden war. Da flogen mehr als einmal die Giftpfeile. Die Zwei hatten sich dann lange nichts mehr zu sagen und trafen Jahre später an besagtem Stammtisch wie alte Freunde zusammen.

Mit FCK international gespielt

Meier war ein temperamentvoller Spieler, der in den ersten Jahren der glanzvollen Ära Kalli Feldkamps geschätzte Stammkraft war. Der FCK war Bundesligaspitze, international dabei. Mit Meier. 1981 beendete er seine Karriere und wurde Trainer – bei „seinem“ FCK. Er übernahm die FCK-Amateure. Spieler wie Manfred Plath, Kurt Lang, Leo Spielberger, Michael Schmitt, Uwe Frowein oder Eugen Hach standen unter Meiers Fittichen, der in diesen Jahren sehr eng mit Amateur-Chef Peter Glöckner zusammenarbeitete. Den Abstieg mit den FCK-Amateuren aus der Oberliga nahm sich Meier sehr zu Herzen. „Das tut weh. Wir waren nie auf einem Abstiegsplatz. Nur einmal – am letzten Spieltag“, haderte Meier. Trainerstationen beim FK Clausen, Südwest Ludwigshafen, noch einmal beim FCK und Wormatia Worms folgten.

Bei der Stadtverwaltung Ludwigshafen fand Meier einen Arbeitsplatz. Bis zur Rente blieb er dort – bescheiden und höflich, freundlich und nahbar. In der Traditionsmannschaft der Roten Teufel war Meier daheim. Enkel Tim, seine große Freude. Der konnte sich anfangs nicht entscheiden, was er sportlich denn tun sollte. Da saßen sie zusammen. Die Mama mit dem Tennisball. Papa Ralf Heckmann, der Nationalspieler war, mit dem Handball. Und der Opa mit dem Fußball. „Ich geh „lieber mit der Oma backen“, sagte der kleine Junge. Er ist inzwischen 16, mit 1,82 Meter Handballer mit Gardemaß. Der Opa fehlt ihm.

Mit der Familie trauern viele Freunde, Weggefährten, frühere Mannschaftskameraden. Wie Hans-Peter Briegel. „Reinhard war auf dem Platz ein unheimlich zuverlässiger Spieler und als Mensch ein super Typ“, sagt Briegel. „Reinhard war ein richtiger Mannschaftsspieler, ein Kämpfer. Es tut mir leid für seine Frau Elke und Tochter Silke“, kondoliert Ronnie Hellström aus Schweden.

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