Irgendwo in Lu RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Geflüchteter berichtet über seinen Alltag in der Walzmühle: „Leben hier wie im Gefängnis“

Vor der Walzmühle: Majed al-Mohammad (links) im Gespräch mit Mohammad Alhusain.
Vor der Walzmühle: Majed al-Mohammad (links) im Gespräch mit Mohammad Alhusain.

Irgendwo in Lu sind wir jede Woche auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern. Am Montag haben wir vor der seit Januar als Notunterkunft genutzten Walzmühle in der Südlichen Innenstadt Majed al-Mohammad getroffen. Der 33-Jährige hat sich dort mit anderen jungen Männern unterhalten.

Wohnen Sie in der Notunterkunft?
Ja, ich wohne hier seit einem Monat. Davor war ich in der Erstaufnahmestelle in Trier. Ich komme aus Syrien und kam erst vor fünf Monaten in Deutschland an.

Sind Sie direkt aus Syrien geflohen?
Nein, ich war davor in der Türkei. Von dort bin ich nach Syrien, in das Grenzgebiet, das mehr oder weniger von der Türkei kontrolliert wird, abgeschoben worden. Meine Frau und drei Kinder musste ich zurücklassen. Die Rückkehr in meine Heimatstadt im Osten von Syrien ist für mich als Regime-Gegner und Wehrpflicht-Verweigerer nicht möglich. Die einzige Möglichkeit war daher die Flucht nach Europa.

Wie sind Sie nach Deutschland gekommen?
Über Schlepper. Das ist der einzige Weg. Ich bin wieder in die Türkei und von dort nach Bulgarien, Serbien und Ungarn. Das war sehr weit, sehr gefährlich und sehr teuer. Ich habe zirka 7500 Euro für die Schlepper bezahlt.

Was haben Sie in der Türkei gemacht?
Ich habe dort vier Jahre als Baggerfahrer gearbeitet. Wenn ich nicht abgeschoben worden wäre, wäre ich diesen gefährlichen Weg nicht gegangen und hätte meine Familie nicht zurückgelassen. Davor habe ich in Saudi-Arabien gelebt und gearbeitet. Auch dort musste ich irgendwann gehen, weil meine Aufenthaltserlaubnis nicht verlängert wurde.

Würden Sie Ihren Beruf hier in Deutschland gerne weiter ausüben?
Ja, ich würde morgen anfangen zu arbeiten, und so schnell wie möglich aus dieser Unterkunft raus. Wir leben hier wie im Gefängnis. Ich versuche, wie viele andere, eine Arbeit über eine Leihfirma zu finden. Viele haben schon Arbeitsverträge, aber warten seit Monaten auf die Arbeitsgenehmigung von der Ausländerbehörde. Ich kann meine Frau und meine drei Kinder kaum finanziell unterstützen. Ich bin im Moment auf Sozialleistung in Höhe von 463 Euro angewiesen, wovon noch 50 Euro für „Reinigungsgebühren“ abgezogen werden. Außerdem will ich meine Familie nachholen. Optimal wäre natürlich eine eigene Wohnung.

Wurde Ihr Asylantrag schon bearbeitet? Können Sie schon arbeiten?
Ja, ich habe subsidiären Schutz erhalten, also Aufenthaltserlaubnis nur für ein Jahr. Ich muss jedes Jahr verlängern. Ich hätte einen Widerspruch einlegen können, aber der Bescheid wurde mir erst nach Ende der Frist zugestellt. Ich glaube, sie wollten nicht, dass ich von dem Recht Gebrauch mache. Arbeiten darf ich aber trotzdem.

Warum fühlen Sie sich wie im Gefängnis?
Wir kennen keine Ruhe und keine Privatsphäre, seitdem wir hier sind. Dass die gemeinsamen Toiletten und Küchen im oberen Geschoss sind, macht die Situation nicht besser. Ohne Taschenlampe kommen wir nachts nicht zurecht. Wenn einer von uns nachts schnarcht, dann können viele nicht schlafen. Einen Stromanschluss gibt es in den „Zellen“ nicht. Besucher dürfen wir nicht empfangen, wenn die nicht aus Ludwigshafen kommen. Wir wissen, dass die Situation auch für die Stadt schwierig ist. Wir wollen nicht in Villas leben, aber kein Mensch würde freiwillig unter den Bedingungen hier mehr als eine Nacht verbringen.

Wie verbringen Sie Ihre Zeit?
Ich habe mich für einen Sprachkurs angemeldet und warte, bis ein neuer Kurs anfängt. Dienstags und donnerstags gibt es hier einen Sprachkurs immer für zwei Stunden. Aber jetzt versuche ich, mir über Youtube selbst Deutsch beizubringen. Aber es gibt keinen Internetzugang. Der Empfang hier drin ist generell sehr schlecht. Wir unternehmen viel miteinander und gehen oft am Rhein spazieren. Der Tag ist aber sehr lang. Irgendwann wird einem dann langweilig.

Haben Sie schlechte Erfahrungen gemacht, wenn Sie sich hier vor der Unterkunft unterhalten oder in der Stadt unterwegs sind?
Nein, wir werden manchmal komisch angeguckt. Aber keiner von uns hat schlechte Erfahrungen gemacht, soweit ich weiß. Es gibt viele nette Menschen hier. Während Ramadan hatten wir vier gemeinsame Fastenbrechen gemacht. Es waren Syrer, die schon lange hier leben, die diese Veranstaltungen organisiert haben.

Interview: Mohammad Alhusain

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