Alte Liebe rostet nicht
„Ein einzigartiges Fahrgefühl“
Die Begeisterung fürs Automobil prägt das Leben des heute 83-jährigen Limburgerhofers Bernd Brendel: „Schon als Jugendlicher lieh ich mir das Auto meiner Eltern, das war damals ein ,Gangster-Citroën’, und drehte illegale Runden mit meinen Freunden.“ Die unentdeckten nächtlichen Touren hatten einen großen Beitrag an seiner Bindung an die französische Marke, gesteht er schmunzelnd. Sie halte bis heute an. Neben der DS hat er eine „Ente“ und einen modernen C4 in der Garage.
Von seinem ersten Gehalt kaufte sich der geborene Ludwigshafener im Jahr 1969 einen Citroën DS 19, sechs Jahre später konnte Brendel dann einen weiteren Citroën DS sein Eigen nennen – ein Auto, das er bis heute hegt und pflegt: „Mittlerweile hat dieser DS zwischen 300.000 und 400.000 Kilometer auf dem Tacho“, erzählt er stolz. „Meine Frau und ich sind mit diesem Auto oft nach Frankreich und Italien gefahren, waren am Nordkap und 2005 zum 50-jährigen DS-Jubiläumstreffen in Paris, bei dem circa 1500 DS Autos um den Arc de Triomphe fuhren.“ Es seien viele schöne Erinnerungen, die an der Karosserie des besonderen Citroën hafteten, so Brendel. Die DS-Reihe hat in ihrer Bauzeit von 1955 bis 1975 immer wieder durch ihr modernes Äußeres und durch technische Innovationen für Schlagzeilen gesorgt.
Hydraulik begeistert
Besonders gefällt Bernd Brendel, der als Ingenieur lange Zeit bei der Lufthansa tätig war, die höhenverstellbare Hydraulik und die seinerzeit einzigartige Federung seines Oldtimers: „Die Federung spricht viel feiner an als bei den modernen Autos, das vermittelt ein einzigartiges Fahrgefühl.“ Er werde quasi täglich auf seine DS angesprochen. Man komme so immer wieder in Gespräch mit Gleichgesinnten, berichtet er. „Aus einstigen ,Autogesprächen’ haben sich so auch immer wieder langlebige Freundschaften ergeben“, erzählt der Pfälzer.
Über Verkauf nachgedacht
Das Fahrzeug mit Baujahr 1964 habe sich als der perfekte Begleiter für sein bewegtes Leben herausgestellt, sagt Brendel rückblickend. Es begleitete ihn etwa zum berufsbedingten Umzug nach Berlin und kam einige Jahre später auch wieder mit nach Limburgerhof, wo das Ehepaar Brendel nun im ehemaligen Elternhaus des Mannes einen Alterswohnsitz gefunden hat. Zwischenzeitlich hat er mit einem Ende der gemeinsamen Zeit geliebäugelt, sagt er: „Ich wollte meine DS aus Altersgründen verkaufen.“ Inzwischen sagt er: Er könne sie zwar nicht mehr so oft fahren wie früher, aber sie werde weiter bewegt, und auch die Tochter zeige daran Interesse. „Wir behalten sie“, sagt Brendel.
Der Rentner gesteht, „dass ich mich mittlerweile nicht mehr selbst unter das Auto rollen kann, um es abzuschmieren“. Aber dafür habe er Helfer in der Domstadt: „Ich habe die Werkstatt Höhl in Speyer gefunden, die die Pflege des Oldtimers ganz wunderbar übernimmt.“ Aktuell sei er dort, weil die Windschutzscheibe undicht ist. Es müsse etwas getan werden, um die DS am Laufen zu halten: „Dieses Auto ist gemacht, um weite Strecken zu fahren, nicht um jede Woche nur ein paar Kilometer zu machen.“
Der Wagen: Citroën DS 19
Erstzulassung: 2. Oktober 1974
Leergewicht: 1320 Kilogramm
Hubraum: 2332 ccm
Leistung: 120 PS
Kilometerstand: gut 300.000, der Motor hat zirka 200.000 weniger, da 1998 von einer anderen DS übernommen.
Zur Serie und Zur Sache
In dieser Serie stellen wir seit 15. März Oldtimer-Besitzer aus der Vorderpfalz, ihre Geschichte und ihre Wagen vor. In Ludwigshafen sind aktuell 838 Fahrzeuge mit „H-Kennzeichen“ (30 Jahre oder älter) zugelassen. In Frankenthal sind es 348, im Rhein-Pfalz-Kreis 1455, in Speyer 500. Auf deutschen Straßen sind laut ADAC 660.000 Oldtimer unterwegs. Über 88 Prozent davon sind Pkw. Von insgesamt 66,9 Millionen zugelassenen Kfz und Anhängern hat etwa ein Prozent den Oldtimerstatus.
Die letzte Folge der Serie finden Sie hier.