Ludwigshafen „Ein Debütfilm erzählt immer eine persönliche Geschichte“

Der russische Film „Name me“, auf dem Filmfestival in der Reihe „Internationale Entdeckungen“ zu sehen, spielt von Anfang bis Ende auf der Krim. Seine Regisseurin Nigina Sayfullaeva ist so immer wieder Fragen zur Krimkrise ausgesetzt, obwohl ihr Beziehungsdrama damit gar nichts zu tun hat, wie sie beteuert.
„Es gibt da die Sonne und das Meer“, begründet Nigina Sayfullaeva, weshalb sie die umkämpfte Halbinsel Krim als Schauplatz und Drehort ihrer sommerlichen Geschichte gewählt hat. „Die Krim ist das Haupturlaubsziel der Russen“, erklärt sie weiter. Die Moskauerin drehte „Name me“ dort im Sommer 2013, Monate vor Beginn der Krise und vor den Protesten auf dem Majdan in Kiew. Die 17-jährigen Moskauerinnen Olya und Sasha besuchen die Krim. In Alupka, ganz im Süden der Insel, lebt Olyas Vater Sergej, den sie noch nie gesehen hat. Sie weiß nicht, wie sie sich verhalten soll, wie sie mit ihm umgehen soll, wenn sie ihm das erste Mal gegenübersteht. Denn für ihn wird es sein, als käme sie aus dem Nichts. Sie hatten nie Kontakt. Olyas Freundin Sasha weiß Rat. Sie wird sich als die Tochter ausgeben, so dass Olya zunächst einmal aus der Distanz beobachten kann, wie ihr Vater reagiert. Nach dem Empfang, den man nicht eben als herzlich, aber auch nicht als abweisend bezeichnen kann, lassen die Mädchen den Mann lange über ihre wahren Identitäten im Unklaren. Er kommt besser mit Olya aus, die er für eine Freundin seiner Tochter hält. Als sie ihn aufklären, setzt er beide vor die Tür. „Ich denke, ein Debütfilm erzählt immer eine persönliche Geschichte“, meint Sayfullaeva, die vor „Name me“ mehrere Kurzfilme gedreht hat. Das Drehbuch, das sie zusammen mit Lubov Mulmenko geschrieben hat, sei nicht rundweg autobiographisch, jedoch eng verbunden mit ihrem eigenen Werdegang, den eigenen Erfahrungen und durchlebten Emotionen. Sie ist geboren in Duschanbe, berichtet die 29-Jährige, und sechs Jahre alt gewesen, als 1991 der Tadschikische Bürgerkrieg ausbrach. Damals ist sie mit ihrer Mutter über den Kaukasus nach Moskau geflohen, während ihr Vater als ältester Sohn bei seiner Mutter in Tadschikistan geblieben ist. „Ich habe ihn ständig vermisst“, erinnert sich die Regisseurin, und ihre Mutter habe ihn idealisiert. Als sie 18 Jahre geworden sei – der Bürgerkrieg war 1997 zu Ende –, sei sie zu ihm gefahren und habe ihn neu kennengelernt. Sie selbst findet sich eher in dem Charakter Sashas wieder, sagt sie. Die blonden Urlauberinnen am Schwarzen Meer werden in dem Film, der ernsthafte Beziehungsaufarbeitung mit viel sommerlicher Leichtigkeit paart, von Sasha Bortich und Marina Vasilieva überzeugend, ja mitreißend gespielt. Konstantin Lavronenko ist als Sergej in einer Rolle zu sehen, die deutlich an seine Figur in Andrej Swjyaginzews „Die Rückkehr“ erinnert. Da war er ein Vater, der nach jahrelanger Abwesenheit zu seinen Söhnen zurückkehrt. In „Name me“ hat der Single Sergey nicht nur mit Olya zu kämpfen, sondern ebenso mit Sasha, die sich auch für ihn interessiert. Beim Filmfestival in Cottbus hat der Film noch den treffenden deutschen Titel „Sag mir, wer ich bin“ getragen.