Ludwigshafen
Ein Bild und seine Geschichte: Wenn Fahrräder dem Verfall überlassen werden
Immer wieder stellen Zeitgenossen ihr Fahrrad ab, binden es an Geländer oder Laternen fest und überlassen das Zweirad dem Verfall. So geschehen auch mit diesem unterhalb der Konrad-Adenauer-Brücke fotografierten Fahrrad, das schon deutlich bessere Zeiten gesehen hat und seit Wochen täglich ein kleines bisschen mehr verschwindet.
Bei der Polizei sind solche Fahrräder, die nach und nach zu einem Einzelteileladen werden durchaus bekannt. Eine Handhabe dagegen gibt es nicht, heißt es aus dem Präsidium Rheinpfalz. Denn anders als bei einem Auto, dass möglicherweise voller Gefahrstoffe (Benzin, Öl, Bremsflüssigkeit) steckt, die in den Boden gelangen können, handele es sich bei einem herrenlos abgestellten Fahrrad nicht um eine Straftat, sondern um eine Ordnungswidrigkeit, zu ahnden von der kommunalen Vollzugsbehörde. Auch der Verdacht von Versicherungsbetrug durch ein vermeintlich als gestohlen gemeldetes Vehikel sei nur schwer zu erhärten. Immerhin steht sowohl das Objekt unterhalb der Adenauerbrücke als auch seine zahlreichen Artgenossen ordnungsgemäß abgeschlossen an Ort und Stelle. Bei einem gewollten Diebstahl könnte man es sich und den Dieben einfacher machen.
Polizei und Stadt haben keine Erklärung
Es lässt sich nur vermuten, was in einem Radbesitzer vorgeht, der ein Rad abstellt und möglicherweise bei einem täglichen Kontrollgang zuschaut, wie es immer mehr verfällt. Am naheliegendsten wäre eigentlich, das dem Absteller etwas zugestoßen sein könnte, er nach einem Unfall eher ein finales Grundstück auf einem der Ludwigshafener Friedhöfe bezogen hat, oder – im günstigeren Fall – möglicherweise seit Wochen auf einer Krankenstation liegt und nach vielen Monaten, wenn er denn wieder geheilt aus Klinik und Reha zu Hause ankommt, nur noch Fragmente seines Zweirades vorfindet. Allerdings spielen sich solche Szenarien in der Realität deutlich seltener ab, als es die Vielzahl an Fahrradskeletten in Ludwigshafen vermuten lässt.
Auch Polizei und Stadt haben keine Erklärung parat. Von der Stadtverwaltung kommen die technischen Daten im Umgang mit den Schrotträdern. Diese werden „einer ordnungsgemäßen Entsorgung“ zugeführt, heißt es. Viel ist in der Regel ohnehin nicht mehr übrig, ehe die Behörde ein „Schrottrad“ auch als solches bezeichnet: „Man muss dabei den Allgemeinzustand betrachten und dabei berücksichtigen, inwieweit das Fahrrad noch für seine ursprüngliche Zweckbestimmung genutzt werden kann.“
„Eine Trennung ist nicht leistbar“
Das Objekt auf dem Bild sollte nicht mehr allzu weit davon entfernt sein, denn nach dem Sattel – der verschwindet meist als erstes – sind auch die Räder mittlerweile Geschichte. Übrig bleiben oft nur noch Lenkgabel und Rahmen. Aber auch das alleine genüge für die allgemeine Betrachtung nicht. „Die Stelldauer spielt dahingehend eine Rolle, um die Frage des Entledigungswillens des Besitzers abwägen zu können“, heißt es von Seiten des Wirtschaftsbetriebs Ludwigshafen, der keine Statistik führt, wie viele Fahrräder er jährlich aus der Öffentlichkeit entfernt.
Daraus entstehen der Stadt nur Kosten, denn der Wiederverkaufswert der Schrotträder sei übersichtlich und eventuelle Wertstoffe oft schon mit anderen Besitzern im Straßenverkehr unterwegs. „Eine Trennung in unterschiedliche Wertstofftraktionen bei Fahrrädern ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht leistbar.“ Bei der Entsorgung werde lediglich zwischen Mischschrott und Aluminium unterschieden.